Exzellenz-Internat

Land will mit einer Vorzeigeschule Mint-Fächer stärken

Roland Muschel

Von Roland Muschel

Di, 28. November 2017 um 00:01 Uhr

Südwest

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will an den Schulen nach und nach die sogenannten Mint-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stärken.

Schulabgänger mit entsprechendem Profil werden von der heimischen Industrie händeringend gesucht.

"Die Wirtschaft diktiert nicht, was wir machen. Denn die Bedarfe der Wirtschaft ändern sich", sagt Eisenmann der BZ. "Aber wir brauchen eine gewissen Marktorientierung. Wir wollen, dass die Schulen den Anforderungen der Zeit entsprechen und die Schüler sie ausbildungsreif verlassen."

Der neueste Schritt ist die geplante Schaffung eines Exzellenz-Gymnasiums in Bad Saulgau mit entsprechender Ausrichtung. Das Curriculum ist unter Beteiligung des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, der Firmen Aesculap (Medizintechnik) und Mahle (Autozulieferer) sowie der Universitäten Tübingen und Ulm und dem Schülerforschungszentrum Bad Saulgau erarbeitet worden. Die Schüler sollen am Frühstudium einer Universität teilnehmen und ein praxisbezogenes Projekt "Wirtschaft" absolvieren. Die Grundsatzentscheidung für das Projekt soll das grün-schwarze Kabinett am Dienstag treffen, eine Zustimmung gilt dabei als sicher.

"Ich freue mich, dass wir dieses Leuchtturmprojekt jetzt auf den Weg bringen können. Wir haben in Bad Saulgau beste Voraussetzungen und auch einen geeigneten Standort", sagte Eisenmann. Ihr geht es dabei einerseits konkret um die Wiederbelebung der Hochbegabtenförderung im Land mit einem neuen Fokus, den Mint-Fächern. "Baden-Württemberg war bis 2010 Vorreiter im Bereich der Hochbegabtenförderung. Jetzt wollen wir wieder zurück an die Spitze. In den letzten fünf Jahren standen andere Themen im Vordergrund." Das Potenzial für das neuartige "Mint-Exzellenzgymnasium", wie das Projekt in der Kabinettsvorlage tituliert wird, schätzt Eisenmann dabei auf landesweit 600 bis 700 hochbegabte und an diesem Fächerbereich interessierte Schüler pro Jahrgang ein.

Auf wie viele Schüler das geplante Internat in Landesträgerschaft für die Oberstufenklassen 10 bis 12 ausgelegt wird, ist noch genauso offen wie der Zeitpunkt, an dem der Schulbetrieb beginnen soll. Die konkrete Umsetzung soll 2018 beschlossen werden. Zunächst einmal muss das dafür vorgesehene Gebäude, die frühere "Japanische Schule", für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert werden.

Zugleich steht das Projekt nicht nur für sich allein. "Das Exzellenz-Gymnasium ist ein zentraler Baustein einer Gesamtstrategie, zu der der Ausbau des Informatik-Unterrichts, die Einführung des verpflichtenden Unterrichtsfachs Wirtschaft und die Stärkung der Mint-Fächer in der Oberstufe aller Gymnasien gehören", sagt Eisenmann. "Wir wollen wichtige Fächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowohl in der Breite als auch an der Spitze mit unseren Initiativen stärken."