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06. Januar 2017 08:36 Uhr

Schweiz

Woher die Tradition der Dreikönigskuchen kommt

In der Schweiz gibt es heute lauter Königinnen und Könige. Am Dreikönigstag werden rund 1,5 Millionen Dreikönigskuchen verkauft. Wer eine versteckte Figur findet, darf eine Krone tragen. Der Brauch geht auf das Mittelalter zurück.

In vielen Teilen der Schweiz ist der Dreikönigstag kein offizieller Feiertag. Doch in den Büros wie etwa in Basel bringen sich Kollegen dafür den traditionellen Dreikönigskuchen mit. Das beliebte Hefeteiggebäck gibt es in diesen Tagen bei jedem Bäcker, inklusive goldenem Pappkrönchen und einer im Teig verborgenen kleinen Figur. Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück

Im Kuchen ist ein König versteckt

"Der 6. Januar ist für Bäcker Großkampftag", berichtet René Brandl-Theiler. Er ist in zweiter Generation Bäcker und Meister der Basler Bäckerzunft. Auch in diesem Jahr werden er und seine Mitarbeiter wieder rund 800 Dreikönigskuchen vorbereiten. Der Kuchen aus Hefeteig und Mandelmasse besteht aus einem runden Mittelteil und sechs, acht, zehn oder zwölf runden Außenteilen.

In einer dieser äußeren Kugeln versteckt sich ein kleiner König oder eine Königin, meist aus Kunststoff, selten aus Porzellan. "Früher war es auch oft eine Bohne, vor allem in selbst gebackenen Kuchen", weiß Brandl-Theiler. "Weil man mit Hefeteig aber so viel falsch machen kann, wird der Kuchen meist gekauft."

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Doch der Bäcker aus dem Viertel St. Johann berät ambitionierte Hobbybäcker selbstverständlich – und gibt ihnen für 20 Rappen auch einen Plastikkönig zum Verstecken. Brandl-Theiler ist seit 40 Jahren Bäcker, das Rezept hat sich in dieser Zeit nicht verändert. Ähnliche Kuchen gibt es in Frankreich, Spanien, Griechenland, Portugal und Mexiko. Die Rezepte variieren regional – ein kleiner Schatz ist aber überall in jedem Kuchen versteckt.

"Soweit ich weiß, ist der Dreikönigskuchen 1390 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden", erzählt der Meister. Zu seinem Ursprung gibt es verschiedene Theorien, Brandl-Theiler gefällt folgende am besten: "Damals soll der Kuchen für Leibeigene gewesen sein. Wer die Bohne, also den König, in seinem Stück fand, war zumindest für den Tag frei." Der Brauch verschwand irgendwann, der Basler Brotforscher Max Währen hat ihn nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch wiederbelebt.

1,5 Millionen Kuchen essen die Schweizer am 6. Januar

Heutzutage, wenn 1,5 Millionen Dreikönigskuchen schweizweit verkauft werden, geht es um weit Profaneres als die Freiheit. "Wenn man König ist, muss man daheim vielleicht nicht abwaschen oder den Müll rausbringen", berichtet der Basler Bäcker. Und in den Büros von Basel bis Bellinzona laufen Kollegen mit Pappkronen die Gänge entlang.
Rezept

Ein halbes Kilogramm Weißmehl, 200 Milliliter Milch, 1 Ei, 90 Gramm Butter, 30 Gramm Mandelmasse, 30 Gramm Zucker, 24 Gramm frische Hefe, 7 Gramm Salz, 1 Gramm Malzmehl und vermenge die Zutaten zu einem Teig. Wenn der Teig aufgegangen ist, wird er zu Kugeln geformt (in eine davon kommt die Bohne) und wie eine Blume zusammengesetzt. Mit Mandelblättchen und Hagelzucker bestreuen und bei 200 Grad 20 Minuten backen.

Autor: Savera Kang