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06. Februar 2015 00:00 Uhr

Beispiel Freiburg

Lehramtsstudium: PH und Universität Hand in Hand

Die Lehramtsstudiengänge in Baden-Württemberg werden auf das Bachelor-Master-System umgestellt. Das bringt neue Kooperationen unter den Hochschulen mit sich – wie in Freiburg.

  1. In den Hörsälen der Freiburger Universität sitzen bald viele Lehramtsstudierende aus der PH – und umgekehrt. Foto: dpa

Bislang war eine solche Versammlung eher selten: Professoren und Mitarbeiter der Universität, der Pädagogischen Hochschule (PH) und der Musikhochschule Freiburg sitzen in einem großen Rund zusammen. Alle aus der Vergangenheit bekannten, mitunter ehrpusseligen Abgrenzungen der Hochschularten untereinander scheinen hinfällig – hier geht es um den Start eines großen gemeinsamen Projekts, das enge Kooperation erfordert.

Im modernen Wissenschaftsdeutsch heißt das "Kick-Off-Meeting". Thema der Veranstaltung im Senatssaal der Universität sind die Vorbereitungen für die künftigen Master-Studiengänge, in denen von 2018 an Lehrkräfte auf das anschließende Referendariat an den Schulen vorbereitet werden sollen. Es ist nicht so, dass es zuvor in der Lehrerbildung keine Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen gegeben hätte. Nun soll sie systematisch werden, damit die Universität von den fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Kompetenzen der PH und umgekehrt die PH von den profilierten Fachwissenschaften der Universität profitiert. Künftige Lehrer der Sekundarstufen I und II sollen in beidem fit sein – was sich bei der bisherigen Gymnasiallehrerausbildung nicht unbedingt behaupten ließ.

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Die Lehramtsausbildung in Baden-Württemberg wird anders – wie in allen Bundesländern. Dafür gibt es (noch nicht in Kraft getretene) Rahmenvorgaben des Kultusministeriums sowie Standards der Kultusministerkonferenz. Künftig werden die Abschlüsse der Lehrerbildung in allen Bundesländern reihum anerkannt. Innerhalb dieser zum Teil engen Richtlinien konnten die Hochschulen ihre Konzepte ausarbeiten. In einem knapp anderthalbjährlichen Beratungsmarathon haben sie ihre Vorschläge für die neuen Studiengänge formuliert.

Neue Bachelorstudiengänge starten im Herbst

Die Reform startet bereits im nächsten Wintersemester, und zwar mit den neuen Bachelorstudiengängen für das Lehramt in der Sekundarstufe. In den Studiengängen an der Universität haben die Fachwissenschaften einen sehr hohen Anteil, während Fachdidaktik und Bildungswissenschaft noch eine kleine Rolle spielen. Denn der Bachelor soll "polyvalent" sein. Will heißen: Er führt nicht zwangsläufig in den Lehrerberuf, sondern an ihn kann auch ein fachwissenschaftlicher Master als weiterführendes Studium anknüpfen – was aber in den Naturwissenschaften wegen der hohen Ansprüche in den Ein-Fach-Studiengängen nicht reibungslos klappt. Auch Polyvalenz hat ihre Grenzen, von denen noch nicht klar ist, wie sie zu überwinden sein werden.

Schon in den Bachelorstudiengängen arbeiten PH und Universität zusammen; ihre Studenten können Veranstaltungen beider Hochschule belegen. Dabei legt die Ausbildung für die Sekundarstufe I (Klasse fünf bis zehn aller weiterführenden Schularten) stärkeres Gewicht auf die Fachdidaktik und die Bildungswissenschaft, wobei die PH federführend ist; beim Gymnasiallehramt (Sekundarstufe I/II) ist es wie bisher die Universität, denn der Schwerpunkt liegt hier stärker bei den Fachwissenschaften.

Um die Zusammenarbeit zu organisieren, haben sich PH und Universität auf "schlanke Strukturen" geeinigt, wie die Uniprorektorin für Lehre, Juliane Besters-Dilger sagt: Statt wie andernorts eine gemeinsame "School of Education" zu gründen, beschränkt man sich auf eine Koordinatorin samt Mitarbeitern – die entscheidende Arbeit findet in von beiden Hochschulen gebildeten Gremien statt. Denn das Geld, sagen Besters-Dilger und PH-Rektor Ulrich Druwe übereinstimmend, wollten sie lieben in die konkrete Lehrerbildung stecken. Beide hoffen auch noch auf zusätzliche Finanzhilfen aus der Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Ländern, in der für die nächsten zehn Jahre insgesamt 500 Millionen Euro vergeben werden und in der im März die Entscheidung fällt.

Teil des Freiburger Wettbewerbsbeitrags ist ein "Praxiskolleg", in dem auf offene Weise der Austausch unter den Wissenschaftlern ("Die Hochschulen müssen sich miteinander anfreunden", sagt der Anglist Wolfgang Hochbruck) stattfinden soll, aber auch mit Schulpraktikern. Auf eine erste Anfrage haben bereits 25 weiterführende Schulen aus dem Freiburger Raum ihre Bereitschaft signalisiert, und auch die staatlichen Seminare für Lehrerbildung werden einbezogen. Wunsch aller Hochschuldozenten in der Lehrerbildung ist es zudem, künftig offiziell Weiterbildung für Lehrer anbieten zu können – wogegen sich das Kultusministerium angeblich aus Kostengründen noch sperrt.

Autor: Wulf Rüskamp