Ausbildungsmarkt

Migranten füllen offene Lehrstellen in Südbaden

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Do, 02. November 2017 um 20:38 Uhr

Wirtschaft

Es gibt in Südbaden mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. "Wir sind bei der Besetzung der Ausbildungsplätze auf Migration angewiesen", sagt Johannes Ullrich, Chef der Handwerkskammer Freiburg.

Südbadische Jugendliche haben weiter hervorragende Aussichten, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Im Gegensatz zum Beginn des Jahrtausends übersteigt die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze die Zahl der Bewerber in weiten Teilen der Region. Es sind noch viele Lehrstellen frei.

Die Jugendlichen haben die Wahl

Bei der traditionellen Ausbildungspressekonferenz der regionalen Kammern und Arbeitsagenturen am Donnerstag sprach der Chef der Offenburger Arbeitsagentur, Horst Sahrbacher, von einem Bewerbermarkt. Zugespitzt gesagt: Die Jugendlichen haben die Wahl, nicht mehr die Betriebe. Sein Kollege Christian Ramm von der Freiburger Arbeitsagentur fügte hinzu: "Die Schere am Ausbildungsmarkt geht immer weiter auseinander. Noch nie waren am Ende eines Ausbildungsjahres so viele Lehrstellen unbesetzt. Die Entwicklung wird für Unternehmen immer mehr zu einem ernsthaften Problem."

Angesichts der für die Betriebe angespannten Lage zeigte sich der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein, Steffen Auer, mit der Entwicklung bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen zufrieden. "Wir hatten rund 100 Verträge mehr als 2016 und rund 300 Verträge mehr als 2015." Sahrbacher geht davon aus, dass sich die hohe Nachfrage nach Auszubildenden nicht abschwächen wird. Allein im Ortenaukreis würden bis 2035 rund 30 000 Menschen altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Für diese Beschäftigten müsse Ersatz gefunden werden.

270 Lehrverträge für Geflüchtete

Den positiven Trend bei den Azubis im Handwerk erklärte Johannes Ullrich mit der "deutlich gestiegenen Zahl an Auszubildenden mit Fluchthintergrund." Mit ihnen seien rund 270 neue Lehrverträge abgeschlossen worden. 80 davon stammten aus Gambia, 54 aus Afghanistan und 49 aus Syrien, sagte Ullrich. Mehr als 1000 Lehrlinge hätten eine ausländische Staatsangehörigkeit (das entspricht einem Anteil von 16,3 Prozent), 2005 seien es gerade einmal 380 gewesen.

Damit die Wirtschaft sich weiter positiv entwickeln könne, forderte IHK-Chef Auer ein Einwanderungsgesetz, das den Zuzug klar regle und den Bedürfnissen der Betriebe Rechnung trage. Der DGB wollte sich vor dem Südwest-Ausbildungsgipfel am 20. November nicht dazu äußern. Neben dem Lehrstellen- brummt auch der Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit sank im Vorjahresvergleich fast in der ganzen Region. Im Bundesschnitt fiel die Erwerbslosenquote auf den Tiefstand von 5,4 Prozent.