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22. Februar 2012

Müssen Jäger Füchse jagen – und wenn ja, wann?

Tierschützer fordern eine bundesweite Schonzeit für Füchse / Die Landesregierung will das Thema beim Überarbeiten des Landesjagdgesetzes breit diskutieren.

FREIBURG. Eine bundesweite Initiative von 70 Organisationen aus dem Natur- und Tierschutz kritisiert die Fuchsjagd und fordert zumindest eine neunmonatige Schonzeit für das Tier. Der Rotfuchs sei eine der wenigen einheimischen Wildtierarten, die in den meisten Bundesländern ganzjährig bejagt werden – dabei sei dies unnötig. In Baden-Württemberg, wo im Jagdjahr 2010/11 knapp 73000 Füchse erlegt wurden, ist – wie im Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung festgehalten – geplant, das Landesjagdgesetz zu überarbeiten. Dabei wird auch die Fuchsjagd eine Rolle spielen.

Die Regierungsfraktionen, so das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) auf Anfrage, wollen das Thema angehen und als Gesetzgeber einen breiten Diskussions- und Meinungsbildungsprozess mit den betroffenen Verbänden anstoßen. Von Seiten des MLR gebe es noch keine offizielle Linie.

Welches Tier wann bejagt werden darf, regelt in Deutschland das Bundesjagdgesetz, wobei die jeweiligen Landesjagdgesetze dieses ergänzen. Während das Saarland etwa 2010 eine halbjährige Schonzeit für alle Füchse eingeführt hat, sieht das Bundesjagdgesetz lediglich Einschränkungen für Elterntiere während der Aufzucht vor. In Baden-Württemberg ist diese Schonzeit von 1. März bis 15. Juni festgelegt – viel zu kurz, sagen die Tierschützer, die ersten Jungfüchse verlassen die Eltern im September.

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Nach Ansicht des Freiburger Forstamtsleiters Hans Burgbacher – einem Fuchsjagdbefürworter – untersagt das Erlegen von Elterntieren schon die Jagdethik: "Die Jungen könnten ohne die Eltern nicht überleben." Die Jungtiere zu erlegen hält Burgbacher dagegen für vertretbar. "Der natürliche Kreislauf im Tierreich besteht aus Fressen und Gefressenwerden." Die Jungen würden dabei immer zuerst gefressen. Beim Fuchs, so Burgbacher, übernehmen die Jäger die Rolle, die früher Luchs und Wolf hatten. Im Jagdjahr 2010/2011 seien auf Freiburger Gemarkung 154 Füchse erlegt worden.

Die Initiative zur Schonung der Füchse will das Argument, dass über die Jagd der Fuchsbestand reguliert wird, nicht gelten lassen: "Die Geburtenrate bei Füchsen passt sich mit geringer zeitlicher Verzögerung der Sterberate an." Förster Burgbacher widerspricht sofort: "Das funktioniert vielleicht noch in Gebieten, die vom Menschen nicht beeinflusst werden." Dort gebe es aber eben auch noch den Wolf, den Bären und den Luchs. In Deutschland sorgten das bunte Nahrungsangebot in den Gärten der Stadtränder und die Cleverness des anpassungsfähigen Fuchses dafür, dass er dort immer öfters anzutreffen sei. "Uns erreichen fast wöchentlich Anrufe von Menschen, bei denen der Fuchs im Garten unterwegs war oder die Mülltonne umgekippt hat."

Ob man es begrüßt, dass der Fuchs im selbstangelegten Komposthaufen herumspaziert, ist Geschmackssache. Tatsache allerdings ist, dass dem Tier zu Unrecht noch das Image des gefährlichen Krankheitsüberträgers anhaftet. Deutschland gilt – auch nachdem seit den 80er Jahren großflächig Tollwutimpfköder ausgelegt worden sind – laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) seit 2008 als tollwutfrei, der letzte Fall in Baden-Württemberg trat 2005 auf.

Der zweite Krankheitserreger, vor dem viele Menschen im Zusammenhang mit dem Fuchs lange Zeit große Angst hatten, ist der Fuchsbandwurm. Er kann beim Menschen – so er nicht rechtzeitig erkannt wird – zur lebensgefährlichen Wurmerkrankung Echinokokkose führen. Laut RKI gibt es seit deren Meldepflicht 2001 jährlich deutschlandweit zwischen 50 und 130 Meldungen. "Das ist eine sehr geringe Zahl", sagt Rainer Oehme vom Referat Hygiene und Infektionsschutz beim Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Ein Mensch infiziert sich, indem er Wurmeier schluckt. Das kann laut RKI dadurch geschehen, dass er "direkten Kontakt mit infizierten Endwirten (Fuchs, Hund, Katze) hat, an deren Fell die Eier haften können". Ob es überhaupt eine Übertragung über Waldbeeren oder Pilze gibt, sei nicht erwiesen. Besitzer von Hunden und Katzen, die Mäuse jagen und fressen, seien einem deutlich größeren Risiko ausgesetzt.

Seit die Tollwut den Fuchsbestand nicht mehr stetig reduzierte, stieg er und entsprechend wurden im Land bis um die Jahrtausendwende immer mehr Füchse erlegt. 2002/03 waren es am meisten, nämlich 88 000, seither ist die Zahl mit wenigen Ausnahmen leicht rückläufig und liegt derzeit bei besagten knapp 73 000. Von der Zahl getöteter Tiere, der sogenannten Jagdstrecke, auf den tatsächlichen Fuchsbestand schließen, kann allerdings niemand.

Andre Baumann, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu), betont, dass sein Verband ein jagdfreundlicher sei. Schalenwild, also etwa Rehe, die großflächig junge Bäume anknabberten und dadurch einen forstwirtschaftlichen Schaden anrichteten, "sollten durchaus noch mehr gejagt werden". Die Fuchsjagd dagegen hält Baumann für überflüssig. Weder sei sie zur Regulierung des Bestands nötig, noch für den Artenschutz: "Ich sehe nicht, dass bedrohte Arten wie das Auerhuhn unter dem Fuchs besonders leiden." Grundsätzlich vertritt der Nabu die Haltung, dass hinter der Jagd auch ein Nutzen stehen müsse. Anders ausgedrückt: "Ich möchte, dass die Wildsau dann auch gegessen wird." Die erlegten Füchse landeten dagegen großteils in der Tierkörperbeseitigungsanlage.



Autor: Martina Philipp