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19. Februar 2011

Probebohren für den Tunnel

Ministerpräsident Mappus signalisiert in Sachen Rheintalbahn erneut Entgegenkommen.

  1. Protest in Herbolzheim – Ministerpräsident Stefan Mappus im Gespräch mit Demonstranten Foto: DPA

FREIBURG. Bei seinem Besuch an der Rheintalstrecke erneuerte Ministerpräsident Stefan Mappus die Zusage des Landes, die Hälfte der Mehrkosten für den verbesserten Lärmschutz an der Rheintalstrecke zu übernehmen. Außerdem werde man bei der Planung des Ausbaus die Bürger stärker beteiligen.

In Offenburg gaben Mappus und Bahnchef Rüdiger Grube den Startschuss für den Beginn der Bodenuntersuchungen, die zeigen sollen, ob der Bau eines Tunnels möglich ist. Die Zusatzkosten in Höhe von 750 000 Euro teilen sich Bund und Land. Das hatte der Projektbeirat vergangene Woche beschlossen. Oberbürgermeisterin Edith Schreiner verlangte von Grube zudem die feste Zusage, dass nur ein reiner Güterzugtunnel geplant und gebaut werde. Noch im Oktober hatte Grube diese Forderung zurückgewiesen, nun zeigte er sich gesprächsbereit, wollte sich aber nicht festlegen.

Als das "vermutlich komplexeste Problem" bezeichnete Mappus den Planungsabschnitt zwischen Offenburg und Riegel. Denn es gehe nicht um Technik oder Geld, sondern um die Abwägung zweier Trassen. In Kappel-Grafenhausen erinnerte Bürgermeister Jochen Paleit Grube und Mappus daran, dass zahlreiche Gemeinden sich in ihrer Entwicklungsplanung darauf verlassen haben, dass die beantragte Trasse realisiert werde. Zudem dürfe nicht vergessen werden, dass beim Bau einer autobahnparallelen Trasse der Lärmschutz an der bestehenden Strecke nicht verbessert werde. In Herbolzheim dagegen demonstrieren rund 1000 Menschen für die Bündelung des Verkehrs an der Autobahn. Güterzüge sollten nicht durch dicht besiedeltes Gebiet fahren, forderte Bürgermeister Ernst Schilling unter starkem Beifall der Demonstranten.

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"Am Ende werden wir zwei Trassen haben und uns zwischen diesen beiden entscheiden müssen", sagte Gönner. Sie appellierte an die Verfechter beider Varianten, den fairen Dialog zu suchen und sich in der Diskussion nicht gegenseitig zu verletzen. Das Land wolle seinen Teil zur Befriedung dazu beitragen, indem es das Verfahren transparent gestaltet. "Alle Fakten kommen auf den Tisch, dann wägen wir ab, das kann jeder nachvollziehen." Bis Jahresende soll für beide Vorschläge die Planung auf einem vergleichbaren Stand sein.

In Bad Bellingen erneuerten Mappus und Grube das Versprechen, nachts alle Güterzüge durch den Tunnel zu führen. Für den Fall, dass einzelne Bahnen dennoch die alte Strecke befahren wollen, kündigte Bürgermeister Christoph Hoffmann eine Klage an. "Dann werden wir gerichtlich klären lassen, ob die freie Trassenwahl eines Bahnunternehmens mehr zählt als das Recht auf Lärmschutz eines Anwohners."

Mehrfach beteuerte Mappus, er habe seine Lehren aus Stuttgart 21 gezogen und hob die Rolle des Projektbeirates hervor. Man werde zudem so planen, als sei der Schienenbonus bereits abgeschafft. "Wir wollen den Ausbau so schnell wie möglich, schließlich gibt es auch internationale Verträge."

Autor: Franz Schmider