Risiko Naturgewalten

Versicherungen für Wohngebäude werden teurer – wegen des Klimawandels

Moritz Neufeld

Von Moritz Neufeld

So, 23. September 2018 um 15:24 Uhr

Südwest

Der Sonntag Hagel, Stürme und Überschwemmungen nehmen auch in Südbaden wegen des Klimawandels immer stärker zu. Teuer wird das für Hausbesitzer: Wer sein Gebäude versichern will, muss dafür immer mehr zahlen.

Manche Kunden der Sparkassenversicherung in der Region bekamen in den vergangenen Wochen Post: Der Beitrag für die Versicherung ihres Wohngebäudes erhöhe sich um mehr als 13,5 Prozent – aufgrund des Klimawandels. Sprecherin Sylvia Knittel erklärt: "Es entstehen immer mehr Schäden durch Starkregen, Hagel und Stürme. Da müssen wir als Versicherer reagieren."

Rund 145 Millionen Euro Schadenaufwand leistete die Sparkassenversicherung (Baden-Württemberg, Hessen und Thürnigen) im laufenden Jahr bereits für Elementarschäden an Wohngebäuden. Nun erhöht die Sparkassenversicherung ihre Tarife bei gut 230.000 ihrer etwa 1,5 Millionen Verträge: Da jeder Vertrag abhängig von Region und Datum unterschiedlich sei, betreffe die Erhöhung nur manche Kunden, erklärt Knittel.

Vollgelaufene Keller leerzupumpen, ist kostspielig

Die Sparkassenversicherung ist nur das aktuellste Beispiel eines deutlichen Trends, weiß der Freiburger Versicherungsberater Michael Schreiber: "Die Preise von Wohngebäudeversicherungen kennen schon seit Jahren nur eine Richtung: nach oben." Eine Wohngebäudeversicherung deckt verschiedene Arten von Schäden ab, die an einem Haus entstehen: durch Brände, Wasserrohrbrüche oder ein Auto, das in die Fassade scheppert.

Oder eben durch Naturgewalten: Nach einem heftigen Regenguss vollgelaufene Keller leerzupumpen, ist kostspielig – immer häufiger muss die Wohngebäudeversicherung für solche Fälle haften.

Extreme und häufige Wetterumschwünge

Auf Nachfrage bestätigten auch andere Versicherungen, dass die Kosten extremer Wetterereignisse ansteigen und dass die Beiträge von Wohngebäudeversicherungen sich diesem Trend anpassen. Tanja Gorr von der R+V-Versicherung bezeichnet 2018 als "schadenträchtiges Jahr", weswegen Erhöhungen der Wohngebäudeversicherung "nicht erstaunlich" seien. Ob auch bei der R+V-Versicherung die Beiträge steigen, wird derzeit noch kalkuliert. Auch die Badische Versicherung BGV rechnet mit einem "leichten Anstieg" der Beiträge. Man stehe in regelmäßigem Austausch mit Klimaexperten und beobachte genau, welche Auswirkungen das Wetter auf den Versichertenbestand haben könne, berichtet Torben Halama vom Karlsruher Versicherer.

"In Regionen, wo es regelmäßig teuer geworden ist (...), kommt es vor, dass massenhaft Verträge von Seiten der Versicherung gekündigt wurden." Peter Grieble
In Datenbanken haben die Versicherungen aufgelistet, welche Risiken in welchen Regionen besonders groß sind. Dort, wo etwa die Hochwassergefahr hoch ist, steigt auch der Beitrag einer Wohngebäudeversicherung. Das kann mitunter so weit gehen, dass sich Versicherer aus ganzen Regionen zurückziehen. Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Landesverbraucherzentrale, berichtet: "Die Verträge sind meist beidseitig jährlich kündbar. In Regionen, wo es regelmäßig teuer geworden ist – etwa bei den Hochwassern in Passau – kommt es vor, dass massenhaft Verträge von Seiten der Versicherung gekündigt wurden."

Wie groß ist die Gefahr extremer Wetterlagen in Südbaden? Andreas Matzarakis ist Professor für Meteorologie an der Uni Freiburg und für den Deutschen Wetterdienst tätig. Er bestätigt: "Die extremen Situationen haben zugenommen. Stürme und Hitzewellen kommen immer öfter vor." In der Region gebe es immer häufiger extreme plötzliche Wetterumschwünge: Der Regen falle weniger zeitlich verteilt als noch vor 30 Jahren, dafür komme oft viel Wasser in kurzer Zeit vom Himmel. Auch die Anzahl der Gewitter nehme tendenziell zu. So müsse man insgesamt mit mehr Schäden durch Stürme, Hagel und Überschwemmungen rechnen.

Angesichts des Klimawandels bleiben die Kommunen allerdings nicht untätig. Halama von der BGV-Versicherung berichtet, die kommunale Vorsorge etwa durch den Ausbau von Rückhaltebecken und Kanalisationen verhindere immer häufiger Schäden durch Unwetter. Um die Mehrkosten der zunehmenden Unwetter auszugleichen, reicht das freilich nicht.

Den Klimawandel solllten auch bereits Versicherte auf dem Radar haben

Schreiber rät allen, die eine Wohngebäudeversicherung abschließen, insbesondere auf die Abdeckung von Elementarschäden zu achten: "Die meisten Versicherungen haben Schäden durch das Wetter abgedeckt, aber es gibt Unterschiede. Nicht immer wird alles gleichermaßen übernommen." Daher empfiehlt er eine individuelle Risikoerfassung mit einer Fachperson vor Ort.

Auch wer sein Haus schon versichert hat, sollte den Klimawandel auf dem Radar haben. Grieble von der Verbraucherzentrale erklärt, in älteren Verträgen seien oft die Leistungen deutlich schlechter: "Altkunden werden da manchmal gar nicht erst informiert, dass es neue Verträge gibt, die besser sind."