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11. Juli 2017

Unikliniken

Sportmediziner sollen Doping verhindern

Das Land will den Kampf gegen Gesundheitsrisiken zur Aufgabe für die Unikliniken machen / Fortschreibung des Grundlagenpapiers.

  1. Kann auch als Dopingmittel verwendet werden: Asthmaspray Foto: dpa

STUTTGART. Die Landesregierung will den Kampf gegen Doping im Grundlagenpapier für Baden-Württembergs Sportmedizin verankern. Das geht aus einer Kabinettsvorlage hervor, die der BZ vorliegt. Die Aktualisierung des jahrzehntealten "Struktur- und Funktionsplans", die am Dienstag beraten wird, plant neue Datenbanken und eine Expertenkommission, will aber auch die Präventionsarbeit ausbauen. Die gesundheitliche Risikovorbeugung gewinnt an Gewicht.

Der "Struktur- und Funktionsplan für die Sportmedizin im Lande Baden-Württemberg" wurde erstmals 1973 beschlossen. Als Aufgabe definierte er nicht nur Gesundheitschecks für Athleten, sondern auch Fragen der Leistungsverbesserung. Im Nachhinein lässt das aufhorchen, denn als Urheber wird der verstorbene Freiburger Universitäts-Arzt Joseph Keul vermutet. Eine Studie aus dem Frühjahr 2017 wirft Keul vor, einer der "am meisten dopingbelasteten Sportmediziner in Westdeutschland" gewesen zu sein. Verstand er unter Leistungsverbesserung wirklich nur solche durch verändertes Training, wie der alte Text suggeriert?

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Als das Land den Plan 1996 erstmals fortschrieb, stand der Freiburger Dopingskandal noch aus. Im Entwurf von Kultus- und Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU) für eine zweite Fortschreibung wird nun als eine von drei Kernaufgaben definiert, "die Einnahme von Dopingsubstanzen sowie die Anwendung von Dopingmethoden zu verhindern". Die anderen Schwerpunkte widmen sich ebenfalls dem Kampf gegen Gesundheitsrisiken, von überzogenen Belastungen für Körper und Psyche bis zu gestörtem Essverhalten oder Medikamentenmissbrauch.

Zuständig sind die vier sportmedizinischen Ambulanzen der Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm. Die Entscheidung, ob ihre Ärztinnen und Ärzte Wettkampfbetreuung leisten, sollen die Hochschulen und Kliniken selbst treffen; dasselbe gilt für die Zusammenarbeit mit Sportverbänden.

Generell sieht der Plan eine computergestützte Plattform mit Datenbank vor, die es Untersuchungsstellen, Sportlern und Trainern ermöglicht, den Gesundheitszustand von Athleten systematisch zu evaluieren. Sie soll zusammen mit dem Landessportverband (LSV) Baden-Württemberg entwickelt werden, unter Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Vorschriften und der ärztlichen Schweigepflicht. Außerhalb der Ambulanzen ist ein weiteres Dokumentationssystem geplant, das die Betreuung in Training und Wettkampf verbessert. Es soll aber auch die Transparenz innerhalb der medizinischen Teams erhöhen.

Schließlich wird eine unabhängige Expertengruppe eingerichtet, um Forschungsprojekte zu begutachten. "Dabei soll einem Missbrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Dopingzwecken vorgebeugt werden." Dabei dürfte es um Studien gehen wie jene an der Ulmer Uniklinik, über die der Deutschlandfunk im Februar berichtet hatte: Gegenstand waren Nebenwirkungen von Beta-2-Mimetika, die als verschreibungspflichtige Asthmasprays bekannt sind, aber auch als Dopingmittel eingesetzt werden.

Der medizinische Leiter der Studie, Jürgen Steinacker, so der Bericht, sei nicht nur Chef des sportärztlichen Untersuchungszentrums, sondern auch Mannschaftsarzt im Deutschen Ruderverband, Vorsitzender der Sportmedizinkommission im Weltruderverband und Mitglied des Medizinischen Forschungs-Komitees der Welt-Doping-Agentur. Im März berichtete der Deutschlandfunk, ein Treffen von Sachverständigen zu der Studie sei geplatzt: Dem Vernehmen nach habe Steinacker einen Experten so polemisch attackiert, dass dieser seine Teilnahme absagte. Steinacker war am Montag wegen einer Dienstreise nicht zu erreichen.

Autor: Jens Schmitz