Stickelberger will dopende Profi-Sportler bestrafen

Bettina Wieselmann

Von Bettina Wieselmann

Fr, 03. Mai 2013

Südwest

Justizminister startet eine Gesetzesinitiative / In Freiburg angesiedelte Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft legt erste Bilanz vor.

STUTTGART/FREIBURG. Wenn sich Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) bei seinen Kollegen für einen engagierteren Kampf gegen Doping einsetzt, dann kommt er sich "wie ein Handlungsreisender" vor. Viele sähen bisher nicht die Notwendigkeit, dass auch der Berufssportler, der Doping zur Leistungssteigerung betreibt, bestraft werden müsse.

Im Rechtsausschuss des Bundesrats wird Stickelberger in nächster Zeit ausreichend Gelegenheit haben, für sein Projekt zu werben. Denn heute bringt das Land im Bundesrat eine Gesetzesinitiative ein, von der erst eine Mehrheit in der Länderkammer, danach im Bundestag überzeugt werden soll: Wenn Berufssportler mit unlauteren Mitteln arbeiten, indem sie sich dopen, dann sollen sie bestraft werden können. Denn Doping-Betrug, so die im Stuttgarter Justizministerium ausgearbeitete und vom Kabinett verabschiedete Gesetzesinitiative, beeinflusse den wirtschaftlichen Wettbewerb: Einem ungedopten, unterlegenen Sportler können wirtschaftliche Nachteile aus dem Doping des siegreichen Konkurrenten erwachsen.

Nach dem Arzneimittelgesetz ist bislang nur der Besitz von Dopingmitteln in nicht geringer Menge sowie das Inverkehrbringen und die Verabreichung von Dopingmitteln strafbar. Die Gesetzesinitiative sieht nicht nur die Anhebung der Strafobergrenze von drei auf fünf Jahre Freiheitsentzug vor. Angesichts der schwierigen Ermittlungen und Beweissicherungen in Dopingfällen solle auch eine Kronzeugenregelung eingeführt werden.

Stickelberger weiß, dass er "an einem dicken Brett bohrt". Vor allem Sportverbände sträubten sich, dopende Sportler zu betrafen. Unter Politikern spüre er aber wachsendes Interesse für die Position Baden-Württembergs. Das Land demonstriert seinen Kampf gegen Doping auch finanziell, indem es für die Jahre 2012 bis 2014 die private, von Bund, Ländern, Sport und Wirtschaft getragene Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) mit insgesamt 128 000 Euro unterstützt. Andere Länder hätten hier noch Nachholbedarf, sagte Stickelberger.

Außerdem hat neben Bayern (in München) nur Baden-Württemberg seit einem Jahr in Freiburg eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft, die landesweit Doping-Straftaten verfolgt. In der gestern in Stuttgart vorgestellten Bilanz listete der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Häberle insgesamt 519 Verfahren, die zwischen April 2012 und März 2013 eingeleitet wurden, auf, rund 140 mehr als ein Jahr zuvor. 393 Verfahren wurden abgeschlossen, in 39 Fällen wurde Strafbefehl mit Geldstrafe beantragt, in drei Fällen Anklage erhoben. Betroffen von Dopingermittlungen ist überwiegend die Bodybuilding-Szene, "die zum Teil der organisierten Kriminalität" zuzuordnen sei. Vor allem aus China werde Testosteron als Doping-Rohstoff geliefert. Aus Osteuropa und den Balkanländern kämen fertige Ampullen, häufig auch gesundheitlich riskante Ware. Die Gewinnspanne liege "bei mehreren Tausend Prozent".