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17. August 2012

Sumolsöd stäni blodäla – alles klar?

Vor 100 Jahren starb in Konstanz der Pfarrer Johann Martin Schleyer, der die Kunstsprache Volapük erfunden hat.

  1. Johann Martin Schleyer Foto: bz

KONSTANZ (KNA). Im Hotel "Volapük" ist das Werk Johann Martin Schleyers noch lebendig, zumindest im Namen. Inhaber Alfred Spicker stammt aus Litzelstetten, jenem Stadtteil von Konstanz, in dem der Pfarrer und Privatgelehrte im 19. Jahrhundert gewirkt hat. Schon in der Schule hatte Spicker vom berühmtesten Sohn des Ortes nahe der Insel Mainau gehört; und als er 1983 sein Hotel eröffnete, wählte er als Name "Volapük" – die von Schleyer ersonnene Weltsprache. Bis heute verwenden der Hotelier und sein Personal viel Mühe darauf, die Gäste über das Werk des vor 100 Jahren gestorbenen Schleyer zu informieren.

Warum eine weltweite Plansprache? Es gibt doch Englisch, fragen sich heutige Betrachter. Und wenn Weltsprache, warum nicht Esperanto? "Volapük" ist eine Vorgängerin des Esperanto. Schleyer, Jahrgang 1831, war ein Pionier der internationalen Plansprachenbewegung. Sein Volapük, entstanden 1878/80, gilt als erste konstruierte Sprache, die auch tatsächlich zur internationalen Verständigung verwandt wurde. In einer schlaflosen Nacht soll der badische Geistliche, Urgroßonkel des 1977 von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, seine Weltsprache entworfen haben. Er wünschte sich, seine Erfindung möge ein Band werden, "das die sprachlich zerrissene Welt umschlänge und so die Völker verknüpfe".

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All seine Freizeit verbrachte das Sprachgenie mit Studien, gab Grammatiken in 25 Sprachen heraus. Als Grundlage seiner "Weltsprache" – nichts anderes bedeutet "Volapük" – knüpfte er an keine einzelne herausragende Einzelsprache an, um so Vorurteile zu vermeiden. Daher findet man englische, deutsche, lateinische, romanische, ungarische, russische Elemente quasi demokratisch nebeneinander – allerdings in ihren Wortstämmen so stark verändert, dass die Wurzeln kaum noch wiedererkennbar sind. Es gibt nur eine Deklination, nur eine Konjugation, zudem weder Artikel noch Geschlecht; Prä- und Suffixe regeln den Rest. Die Wortstellung im Satz handhabte Schleyer frei.

Heraus kam eine Sprache, die so bizarr klingt wie in den ersten Zeilen der Volapük-Hymne: "Sumolsöd stäni blodäla, Dikodi valik hetobs!" (Friede, Brudersinn zu pflegen, Eintrachtsinn sei uns Panier!) oder am Beginn des Vaterunsers: "O Fat obas, kel binol in süls, paisaludomöz nem ola!" Immerhin: Die Idee einer Weltsprache begeisterte bildungsbeflissene Zeitgenossen so sehr, dass sich in kürzester Zeit Zehntausende Anhänger in aller Welt für das sperrige, schwierig zu erlernende und so befremdlich klingende Idiom fanden. Allerdings bremste ausgerechnet der geniale Erfinder Schleyer selbst den Erfolg seiner Idee aus: Als sich internationale Kongresse um Verbesserungen und praktische Neuregelungen bemühten, wollte der Schöpfer als "Datuval" (großer Erfinder) die absolute Kontrolle über seine Sprache behalten. So blieben Weiterentwicklungen zu einer tatsächlich gesprochenen Sprache aus; einst Begeisterte wandten sich frustriert dem aufkommenden, weit einfacheren Esperanto des jüdisch-russischen Arztes Ludwig Lejzer Zamenhof (1859–1917) zu.

Eine exponierte internationale Sprechergruppe wie beim Esperanto gibt es heute für Volapük nicht mehr – allenfalls ein paar Dutzend Liebhaber, die sich mündlich verständigen können. Insgesamt dürfte das Interesse sogar weit hinter dem "tlhingan Hol" rangieren: dem "Klingonischen", das im Auftrag der Filmgesellschaft Paramount für das Science-Fiction-Epos "Star Trek" konstruiert wurde. Schleyers Traum vom "Menade bal – püki bal" (eine Menschheit -– eine Sprache) ist ausgeträumt. Selbst der Schleyer-Stadt Konstanz ist sein 100. Todestag kein offizielles Gedenken wert.

Autor: kna