Klimaschutz

In Rheinfelden soll das weltweit erste emissionsfreie Industriegebiet entstehen

Julia Jacob

Von Julia Jacob

So, 16. Dezember 2018 um 19:17 Uhr

Rheinfelden

Der Sonntag Kein Abwasser, kein Abfall, keine Abluft: Ingenieure des Fraunhofer-Instituts wollen am Standort Rheinfelden zeigen, was es braucht, um ein ultraeffizientes Industriegebiet zu betreiben. Das Konzept soll bis März 2019 stehen.

Das Ziel scheint hoch gegriffen, doch Projektleiter Ivan Bogdanov vom Fraunhofer-Institut für Produkttechnik und Automatisierung (IPA) mit Sitz in Stuttgart ist sich sicher, dass das emissionsfreie Industriegebiet technisch machbar ist. "Am Ende wird aber auch die Wirtschaftlichkeit darüber entscheiden, welche Maßnahmen umgesetzt werden," betont er. Die verlustfreie Produktion ist eben auch eine Frage des Geldes. Das Forscherteam liefert das Konzept, einen Handlungsleitfaden, wenn man so will, was daraus wird, bleibt letztlich den Unternehmen und der Stadt überlassen.

Dass bei den Beteiligten grundsätzlich Interesse daran besteht, Synergien zu nutzen und Abläufe zu optimieren, steht außer Frage. Immerhin ist der Standort auch deshalb als Sieger aus dem Bewerbungsverfahren hervorgegangen, weil hier bereits vieles von dem umgesetzt wurde, was die Forscher im Sinn einer optimalen Ressourcennutzung für effizient halten:

Ein Nahwärmenetz etwa, das die Abluft der Industriebetriebe aufnimmt, ist am Standort bereits Realität.

Zusammenspiel von Industrie und Wohngebiete

Nun gehe es darum, auf dem bereits Erreichten aufzubauen und weitere Einsparpotenziale auszumachen, so Bogdanov. Mit im Boot ist bei dem Projekt neben den drei Stuttgarter Fraunhofer-Instituten IPA, IAO und IGB das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, das das Projekt mit immerhin 1,3 Millionen Euro fördert.

Im Fokus der Forscher steht derweil insbesondere das Zusammenspiel von Industrie und urbanem Umfeld. Wie beide optimal voneinander profitieren können, ist eine Frage, die Bogdanov und sein Team für durchaus zukunftsweisend halten – nicht zuletzt, weil der Raum in den Ballungszentren immer enger wird und Industriegebiete daher auch immer näher an Wohngebiete heranwachsen. Was läge also näher, als an der Schnittstelle von Arbeiten und Wohnen anzusetzen? Lernen, Leben, Ausbilden und Arbeiten an einem Ort zu bündeln sei, so Bogdanov, ein wichtiger Schritt zu mehr Effizienz.

Ziel ist, keinen Abfall mehr zu produzieren

Auch die Unternehmen sollen vom Nachbarschaftsgedanken profitieren, etwa bei der Materialbeschaffung und deren Verwertung. Bogdanov spricht hier von "Kaskadenkreisläufen". Gemeint ist die Nutzung von Neben- oder Abfallprodukten für die Gewinnung neuer Rohstoffe. Am Ende, so das Ziel, soll überhaupt kein Abfall mehr entstehen. "Heterogene Industriegebiete stellen für uns in dieser Hinsicht eine größere Herausforderung dar, da dort unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen," sagt Bogdanov.

Grundsätzlich wollen die Forscher bei der Erarbeitung ihres Konzepts, das bis Ende März 2019 stehen soll, nur auf Technologien zurückgreifen, die bereits entwickelt wurden und auf dem Markt zu haben sind oder zumindest die Prototypenreife erreicht haben. Auch wollen sich die Forscher mit der Frage beschäftigen, wie sich Energiekreisläufe optimal nutzen lassen. Dabei wird auch der Einsatz von Speichertechnologien eine entscheidende Rolle spielen.