Feldberg / Herzogenhorn

Tote Wintersportler im Schwarzwald: Ohne Sonde und Schaufel unterwegs

Max Schuler

Von Max Schuler

Di, 03. Februar 2015 um 07:02 Uhr

Südwest

Sie waren erfahren und wählten vermeintlich sichere Routen – dennoch sind am Feldberg und Herzogenhorn zwei Wintersportler in Lawinen ums Leben gekommen. Wie konnte das passieren?

Nach den Lawinenunglücken am Feldberg und am Herzogenhorn, bei dem am vergangenen Freitag zwei Menschen starben, versuchen Bergwacht und Polizei das Geschehen aufzuarbeiten. Lawinenexperten haben Schneeprofile vor Ort genommen, anhand derer sie die dramatischen Ereignisse rekonstruieren. So geht die Bergwacht jetzt davon aus, dass der 20-jährige Mann nicht bei der Abfahrt, sondern beim Aufstieg von der Zastler Hütte zum Feldberggipfel tödlich verunglückt ist.

"Es war eine eher ungewöhnliche Stelle für einen Lawinenabgang." Stefan Schaake, Bergwacht
Zusammen mit seinem Begleiter kam er mit Tourenskiern vom Rinken, über den Baldenweger Buck und wollte zum Gipfel. Im Zastlerloch haben sie sich nach Angaben von Polizei und Bergwacht gegen einen direkten Aufstieg entschieden und wählten eine vermeintlich sicherere Variante. Doch an diesem Tag war auch diese zu gefährlich.

"Es war eine eher ungewöhnliche Stelle für einen Lawinenabgang", sagt Stefan Schaake, Experte bei der Bergwacht. Wenn man von der Zastlerhütte nach oben zum Gipfel schaut, ist die Lawine links an der Flanke unterhalb des SWR-Sendeturms abgegangen, also östlich der sogenannten "Wasserreservoireinfahrt". Dort befindet sich ein etwa 50 Meter hoher und 45 Grad steiler Hang. Die beiden Männer waren auf einer Ebene direkt unterhalb dieses Hangstücks und oberhalb der Waldgrenze unterwegs, als sich plötzlich die Schneemassen lösten. "Wir gehen mittlerweile eher davon aus, dass die Lawine nicht von den beiden, sondern spontan aufgrund des Gewichts der Schneemassen ausgelöst wurde", sagt Schaake.

Neuschnee auf Eisschicht

Unterhalb der Wechte rauschte ein 200 Meter breites und 50 Meter langes Schneebrett herab und riss die beiden mit. Laut der Bergwacht ist der junge Mann, der aus Gosheim bei Rottweil stammte und Biathlontrainer war, am ersten Baum hängen geblieben und wurde dort unter einer großen Schneemenge verschüttet. Sein 22-jähriger Begleiter rutschte weiter herunter und konnte sich später selbst befreien.

Das Schneeprofil hat ergeben, dass sich an der Abbruchkante eine 40 Zentimeter dicke Altschneedecke befand, auf der gefrorener Regen eine Eisschicht bildete. Darauf kam der Neuschnee ins Rutschen, der zuvor auch durch den Wind ins Tal geblasen wurde und an manchen Stellen eine Höhe von bis zu zwei Metern aufwies.

Die Lawine am Herzogenhorn verschüttete ursprünglich drei Menschen – eine 58-jährige aus dem Kreis Waldshut kam dabei ums Leben, zwei Begleiter konnten sich befreien, ein 73-jähriger Mann erlitt dabei einen Rippenbruch. Die vierköpfige Gruppe von Skitourengehern wollte vom Gipfel des Herzogenhorns durch eine breite Rinne im Wald nach Osten Richtung Menzenschwand abfahren, nachdem sie von Nebel und starkem Schneefall überrascht worden war. Doch kurz unterhalb des Gipfels löste sich auch dort ein Schneebrett. Ein Lawinenhund konnte die Frau später zwar aufspüren, doch Wiederbelebungsversuche scheiterten.

Lawinenrisiko bleibt hoch

Laut Polizei galten alle Personen in ihrem Umfeld als erfahrene Skitourengeher, die kein unvernünftiges Risiko eingegangen sind. Das Gefahrenpotenzial am Freitag sei nicht einschätzbar gewesen. Dagegen hält Lawinenexperte Schaake es für leichtsinnig, ohne Notfallausrüstung bei diesem Schneefall im Schwarzwald abseits der Piste zu fahren. "Ortungsgerät, Sonde und Schaufel sind zwingend erforderlich, so, wie der Sicherheitsgurt im Auto, egal ob man in den Alpen oder im Mittelgebirge unterwegs ist." Offenbar hatten die Skitourengeher weder am Herzogenhorn noch am Feldberg eine solche Ausrüstung bei sich.
Das Lawinenrisiko in den exponierten Lagen des Schwarzwalds bleibt hoch. Von einer Beschilderung der Risikogebiete hält Schaake nichts, er verweist auf die Winterkarten des Feldbergs, in der Hänge mit Lawinengefahr eingezeichnet sind. "Man muss sich informieren, die Augen offenhalten und notfalls auf eine Tour verzichten", so der Bergwachtler.

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