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14. März 2011 20:23 Uhr

Notfallpläne

Was würde ein Atomunfall für Südbaden bedeuten?

Es sind teilweise sehr banale Hinweise, die der Notfall-Ratgeber des Regierungspräsidiums Freiburg für den Fall eines Atomunfalls in den AKW Fessenheim (Frankreich), Beznau und Leibstadt (beide Schweiz) enthält. Diese drei Kernkraftwerke liegen Südbaden am nächsten und hätten im Falle eines Unfalls unmittelbare Konsequenzen für in der Region lebenden Menschen.

  1. „Nehmen Sie Ihre Haustiere mit“ Foto: dapd

"Lassen Sie Ihr Radio deshalb auf Empfang, auch wenn Sie nicht sofort Warnmeldungen hören." Oder für den Fall einer Evakuierung: "Schalten Sie alle nicht unbedingt erforderlichen Elektrogeräte beim Verlassen Ihrer Wohnung, Ihres Hauses oder Arbeitsplatzes aus. Nehmen Sie Ihre Haustiere mit."

Sollte aus einem der drei Kernkraftwerke Radioaktivität in gefährlichem Umfang austreten, würde die Bevölkerung in Südbaden durch eine Sirene, durch Warndurchsagen über Lautsprecherfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sowie durch die Information über Rundfunk, Fernsehen und Videotext gewarnt.

Bei der Notfallübung im November 2008, bei der das AKW Fessenheim im Mittelpunkt stand, zeigte sich jedoch, dass die Bevölkerung mit dem Signal der Sirene nichts anzufangen wusste.

Wohl auch deshalb enthält der Ratgeber nun die genaue Beschreibung des Tons: "Ein auf- und abschwellender Heulton von einer Minute Dauer." Insgesamt enthalten die Broschüren, die von der Homepage des Regierungspräsidiums herunterladbar sind, jedoch viele nützliche Hinweise für den Ernstfall.

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Die Ratgeber – es gibt einen für Fessenheim und einen für Beznau und Leibstadt – erklären zunächst, dass die Umgebung rund um die Kraftwerke in vier Zonen eingeteilt wird: Als Zentralzone wird das Gebiet mit einer Distanz von bis zu zwei Kilometer rund um das AKW bezeichnet. Die Mittelzone reicht bis zu einer Entfernung von zehn Kilometern, die Außenzone bis 25 Kilometer Abstand. Für das AKW Fessenheim würde hierzu auch die Stadt Freiburg zählen. Die Fernzone dehnt sich bis zu 100 Kilometer aus.

Der Ratgeber rechnet nicht mit panischen Menschen, sondern mit ruhigen und rationalen: "Rufen Sie bitte nicht die Notrufnummern der Polizei (110) oder Feuerwehr (112) oder die Katastrophenschutzbehörden, um sich zu informieren. Sie erschweren hierdurch die Arbeit der Einsatzkräfte und blockieren damit diese Telefonverbindungen für wichtige Mitteilungen und Notrufe."

Häuser, nicht aber Zelte, Wohnwagen und Autos, bieten einen gewissen Schutz vor radioaktiver Strahlung. Diese wird durch Wände, Decken und umgebendes Erdreich nämlich abgeschwächt. Deswegen ist der Keller – sofern die Anordnung ausgeben wird, im Haus zu bleiben – auch der sicherste Ort.

Sollte es zu einer Evakuierung kommen, ist diese in der Region mit Privatautos über spezielle Evakuierungsrouten vorgesehen, über die die Bevölkerung im Ernstfall per Rundfunk informiert würde. Für Menschen, die kein Auto besitzen, stünden Busse und Bahnen bereit – an den Sammelstellen in den einzelnen Gemeinden.

Zehn Seiten des Ratgebers füllt die Liste der Ausgabestellen für Jodtabletten. Die Einnahme von nicht radioaktivem Job kann verhindern, dass sich radioaktives Jod, das bei einem Unfall freigesetzt wird, in der Schilddrüse einlagert. Deshalb gibt es immer wieder Verteilungsaktionen frischer Jodtabletten, zuletzt fand eine solche 2004 im Gebiet um Fessenheim statt. Jodtabletten sind etwa zehn Jahre haltbar und somit gut lagerbar. "Aber wenn man die Tabletten über Jahre nicht braucht, kann es sein, dass man bei Bedarf gar nicht mehr weiß, wo sie sind", sagt Kersten Kott vom Referat Feuerwehr und Katastrophenschutz im Regierungspräsidium.

Deswegen hält Kott es nicht für zwingend notwendig, Tabletten zu Hause zu haben. Im Falle eines Ernstfalls gäbe es Abholstellen, zudem ist die Einnahme von Jodtabletten nicht für jeden Menschen sinnvoll. Inwieweit sich die Menschen in der Region im Ernstfall an den Ratgeber halten würden, bleibt offen. Vor der Katastrophe in Japan kannten ihn jedenfalls nicht viele – seit dem Wochenende wird er im Internet häufiger abgefragt.

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Autor: Ines Fuchs