Vinothek

Weinbauinstitut bekommt in Freiburg neue Labors

Klaus Rütschlin

Von Klaus Rütschlin

Fr, 12. Oktober 2018 um 07:36 Uhr

Südwest

In den Räumen wird untersucht, wie Krankheiten der Reben bekämpft und widerstandsfähige Gewächse entwickelt werden können.

Neue Laborräume und eine Vinothek werden im Staatlichen Weinbauinstitut in der Freiburger Merzhauser Straße am heutigen Freitag feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Dass das kein x-beliebiger Anlass ist, zeigt die Tatsache, dass gleich zwei Minister dafür anreisen: Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne), deren Ministerium das Gebäude gehört (wie alle Liegenschaften des Landes), und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), dessen Ministerium das Weinbauinstitut zugeordnet ist.

Welche Schädlinge bedrohen unsere Reben? Eine Frage, die sich die Winzer zwar nicht gerade in diesen Tagen stellen, aber doch einen großen Teil des Jahres. Die Antwort kann Vitimeteo geben, ein Schädlingsprognoseprogramm, das das Freiburger Weinbauinstitut zusammen mit einem Schweizer Institut und der Firma Geosens (Schallstadt) entwickelt hat und anbietet. "Eines unserer Vorzeigeprojekte", sagt Institutsdirektor Rolf Steiner, der seit 2004 im Amt ist. Aus mehreren europäischen Nachbarländern haben sich Interessenten gemeldet. Vitimeteo steht für eine der Aufgaben des Instituts: Beratung der Winzer im Jahresverlauf.

Grundlagen dafür schafft man vor allem auch durch praxisnahe Forschung. In den neuen Phytolaborräumen geht es vor allem um Rebkrankheiten: Wie entwickeln sie sich? Und wie kann man sie bekämpfen? Ein weiterer Schwerpunkt: Seit Jahrzehnten züchtet das Institut pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die sogenannten Piwis. Ihr Anbau ermöglicht die Reduzierung des Chemieeinsatzes im Weinberg, was besonders bei Öko-Winzern gut ankommt. Die Freiburger Züchtungen sind in ganz Europa gefragt und tragen zur Finanzierung des Instituts bei. Die Eigenfinanzierung liege derzeit bei 40 Prozent, sagt Steiner, "mit steigender Tendenz". Der Rest kommt vom Land. Als staatliches Institut hat es auch eine ganze Reihe hoheitlicher Aufgaben und Kontrollfunktionen. Wer etwa seinen Wein als "Qualitätswein" verkaufen will, muss ihn vorher vom Weinbauinstitut prüfen lassen.

Zur "steigenden Tendenz" bei der Eigenfinanzierung soll auch die Vinothek beitragen. In dem neuen Verkaufsraum können die Produkte des institutseigenen Weinguts probiert und gekauft werden. Das Weingut bewirtschaftet 37 Hektar "Versuchsrebflächen" (Steiner) am Blankenhornberg bei Ihringen, in Freiburg und im nördlichen Markgräflerland. In diesen Weinbergen wird etwa der Frage nachgegangen, welchen Einfluss der Klimawandel auf den Weinbau im Land haben wird. Welches sind die Rebsorten der Zukunft? "Eines der wichtigsten aktuellen Themen im Weinbau", sagt Steiner.

Das Institut hat Tradition, es wurde 1920 vom Badischen Landtag als Badisches Weinbauinstitut ins Leben gerufen und 1937 zum Staatlichen Weinbauinstitut umfirmiert. Seit der Gründung des Landes untersteht es dem Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Derzeit arbeiten hier 69 Beamte und Angestellte. Hinzu kommen einige Azubis und Praktikanten. Das Freiburger Institut arbeitet eng zusammen mit einer Reihe von Institutionen im In- und Ausland. Und mit der Universität in Freiburg. Alles zum Wohle des badischen Weins. Und derer die ihn trinken.