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01. September 2017

Wenn der Wolf zum Problem-Wolf wird

Erstmals formulieren Schäfer und Tierschützer Grundsätze zum Umgang mit dem Raubtier.

  1. Dieser Wolf lebt in einem Wildpark in Nordrhein-Westfalen. Wegen ihm gibt es keinen Debatte. Foto: dpa

BERLIN/FREIBURG. Landwirte, Tierschützer, Jäger und Ökologen haben erstmals einen breiten Konsens zum Umgang mit dem Wolf gefunden: Wölfe abschießen soll nur das letzte Mittel sein, wenn sie zu gefährlich werden – vor allem mehr Hirtenhunde und bessere Zäune sollen die Herden der Bauern und Schäfer schützen. Unterzeichnet haben die am Donnerstag veröffentlichte Erklärung unter anderem der Bundesverband der Berufsschäfer, die Umweltverbände BUND, Nabu, WWF, der Deutsche Grünlandverband, der Tierschutzbund und der Ökologische Jagdverband.

Andere Organisationen wie der einflussreiche Deutsche Bauernverband (DBV) sind jedoch nicht dabei. Der größten Landwirte-Vertretung reicht es nicht, hier und da mal einen Problem-Wolf zu erlegen. In Regionen, die man nicht sicher einzäunen könne, "müsse durch eine konsequente Bestandsregulierung eine Wiederansiedlung des Wolfes ausgeschlossen werden", fordert der DBV. Selbst Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth sprach sich unlängst dafür aus, wenn nötig "komplette Rudel" abzuschießen. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ist Anhänger einer "Bestandsregulierung".

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Die Debatte über die Wölfe bekommt allmählich bundespolitische Bedeutung. Nach der Einwanderung der ersten Tiere ab dem Jahr 2000 waren anfangs nur die östlichen Bundesländer Brandenburg und Sachsen betroffen. Nun leben Rudel unter anderem auch in Niedersachsen. Von dort schaffte es ein einzelnes Exemplar kürzlich bis zum Schluchsee in Baden-Württemberg, wo das Tier illegal erschossen wurde.

Die Unterzeichner der "Eckpunkte für ein konfliktarmes Miteinander" wollen deshalb jetzt einen "Brückenschlag zwischen Naturschützern und Landwirten" erreichen, sagte Diana Pretzell vom WWF. Ihnen geht es darum, die Interessen des Artenschutzes und der Weidetierhaltung zu vereinbaren.

Die Verbände "erkennen den Schutzstatus des Wolfes im geltenden Recht an". Gleichzeitig müssten die "wirtschaftlichen Benachteiligungen von Weidetierhaltern in Wolfsgebieten angemessen aufgefangen werden. Die Akzeptanz des Wolfes durch die Bevölkerung der ländlichen Regionen ist unabdingbar für seine erfolgreiche Rückkehr."

Ein Kernpunkt ist der Schutz der Herden durch Hirtenhunde. Weil man diese früher in Deutschland nicht brauchte, wurden sie nicht gezüchtet und trainiert. Nun entstehen neuer Bedarf und neue Probleme. So müssen die Halter laut Tierschutz-Verordnung beispielsweise für jeden Hund eine wärmegedämmte Hütte hinstellen. Hirten, die mit Schafherden unterwegs sind, fällt das schwer. Also rufen die Verbände die zuständigen Landesregierungen auf, "Herdenschutz möglichst unbürokratisch" zu gestalten. Sie verlangen eine Ausnahme für Hirtenhunde in der Tierschutzverordnung.

Auch um Geld geht es – Hirtenhunde und Elektrozäune sind nicht umsonst. Die Landwirte-Verbände hätten gerne mehr öffentliche Förderung und großzügigeren Schadensersatz, wenn Weidetiere von Wölfen gerissen werden. Nabu-Chef Olaf Tschimpke forderte, in der europäischen Agrarpolitik die Möglichkeit für entsprechende Zahlungen zu schaffen.

Autor: Hannes Koch