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03. März 2012

"Wer den Wolf will, muss auch den Schäfern helfen"

BZ-INTERVIEW mit dem hauptberuflichen Schäfer Wolfgang Braun aus Seelbach, der vom Staat Unterstützung zum Schutz seiner Tiere vor dem Wolf einfordert.

  1. Wolfgang Braun Foto: privat

Wolfgang Braun aus Seelbach im Ortenaukreis züchtet Schafe im Haupterwerb. Der Rückkehr des Wolfes sieht der 55-Jährige gelassen entgegen, fordert aber die Unterstützung des Landes, damit sein Berufsstand weiter existieren kann. Mit Braun sprach Christian Kramberg.

BZ: Der Wolf soll in absehbarer Zeit nach Baden-Württemberg zurückkehren. Haben Sie Angst vor ihm?
Braun: Nein, weder als Mensch noch als Schäfer. Aber eines ist klar: Es bereitet uns Schäfern mehr Arbeit und höhere Kosten, wenn wir unsere Schafe schützen wollen. Und dafür muss eine Lösung gefunden werden.
BZ: Wie könnte die aussehen?
Braun: Zum Beispiel durch Elektrozäune, aber da fängt das Problem auch schon an. Ich habe mein ganzes Gelände rund um meinen Hof bereits eingezäunt, damit die Tiere nicht weglaufen können. Um sie aber vor dem Wolf zu schützen, muss ich einen zusätzlichen Draht einspannen. Das kostet mich allein schon einmal 1500 bis 2000 Euro. Auch die nicht elektrisierten Festzäune müssen erneuert und und gegen elektrische ausgetauscht werden. Für mich ist das schon viel Geld, für kleine Schäfereien lohnt sich das finanziell aber gar nicht. Ich habe deshalb Verständnis für diese Schafhalter, die sagen: Wir sind die ganze Zeit ohne den Wolf ausgekommen. Man darf auch nicht vergessen, dass jeder Schäfer – ob klein oder groß – ein Landschaftspfleger ist. Wenn die kleinen Schäfereien aufgeben, dann verbuscht die Landschaft noch mehr.

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BZ: In Bayern ist der Widerstand gegen den Wolf besonders groß.
Braun: Ja, das hat damit zu tun, dass die Schafe – anders als in Baden-Württemberg – in Bayern frei auf den Bergweiden herumlaufen. Das hat bisher immer funktioniert, diese Art der Tierhaltung müsste aber voraussichtlich aufgegeben werden. Da wird dem Wolf schließlich sein Essen quasi auf dem Tablett serviert und wenn er erst einmal ein solches Nahrungsangebot hat, dann kommt er immer wieder. Schafe sind ja im Grund genommen dumme Tiere. Wenn sie dann noch auf engem Raum gehalten werden, sind sie eine ideale Beute für den Wolf. Das gilt im Übrigen auch für Ziegen. Und auch Mutterkuhhalter haben ein Problem. Die großen Tiere greift der Wolf zwar nicht an, dafür aber die Kälber.
BZ: Was ist also zu tun?
Braun: Diejenigen, die den Wolf wollen, müssen uns Schäfern schon helfen, dass wir mit dem Wolf leben können. Die Schäfer sind gar nicht so borniert, wie man ihnen manchmal nachsagt. Man muss ihnen aber Wege aufzeigen, dann machen sie auch mit. Aber selbst wenn uns der Staat unterstützt, gibt es immer das Problem des Nachweises.
BZ: Das bedeutet?
Braun: Ich als Schäfer muss beweisen, dass der Wolf schuld ist an einem Schaden an meiner Schafherde. Nehmen wir das Beispiel, dass ein Wolf nachts in einen Pferch eindringt, die Schafherde in Panik gerät und ein Tier von einem Auto überfahren wird. War nun der Wolf schuld oder habe ich als Schäfer die Tiere nicht ausreichend geschützt? Das ist ein unheimlich großer bürokratischer Aufwand für mich. Und am Ende ist nicht einmal klar, ob der Schaden auch ersetzt wird.

Wolfgang Braun, gebürtig aus Nordrhein-Westfalen und diplomierter Forstwirt, betreibt seit 1998 den Walzenhof im Harmersbächle bei Seelbach. Seit 1988 züchtet er Schafe. Von seiner Herde mit 250 Tieren könnte der 55-jährige Familienvater nicht leben, der Zuverdienst seiner Ehefrau ist dazu notwendig. Erst ab 400 bis 500 Tieren lohnt sich die Zucht. Neben 20 Hektar Fläche rund um seinen Hof hat Braun weitere 15 Hektar angepachtet. Viermal im Jahr macht er mit seiner Herde die Runde über die Weideflächen – im März soll es wieder losgehen.