31. Dezember 2009 13:18 Uhr
Neue Sendemasten
Widerstand gegen digitales Funknetz der Einsatzkräfte wächst
Polizei, Feuerwehr und Rettung sollen digital funken. Dafür müssen 140 Funkmasten neu aufgestellt werden. In Südbaden gibt es Widerstand – wegen der Strahlen. Doch die Masten bergen auch Chancen.
Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in ganz Deutschland sollen künftig ein einheitliches Funknetz nutzen. Der digitale soll den alten, analogen Funk ablösen, der störanfällig und nicht abhörsicher ist. Zudem können die Einsatzkräfte dann Daten übermitteln und über eine Notruftaste geortet werden.
Die flächendeckende Einführung verzögert sich immer wieder, auch im Land. Dieses hat im Bund eine Vorreiterrolle inne: Mitte 2011 soll das baden-württembergische Funknetz weitgehend stehen. Doch dazu muss 2010 erstmal die Masse der Standorte aufgebaut werden. Und das ist nicht so einfach wie gedacht.
VORBEHALTE BEI DER BEVÖLKERUNG
Zwar wird vorhandene Infrastruktur etwa von Mobilfunkanbietern genutzt, wo es geht, sagt Werner Paul vom Projekt Digitalfunk im Innenministerium. Doch es gebe auch Regionen, wo sich der Netzaufbau schwierig gestalte. Der Innenausschuss des Landtags berichtete von "langwierigen Abstimmungsprozessen" und Vorbehalten bei der Bevölkerung. "Noch sind das Einzelfälle", sagt Paul. Einer ist das Wiesental.
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So forderten in Schopfheim Bürger angesichts geplanter Digitalfunkmasten vor einigen Wochen im Gemeinderat vehement eine Infoveranstaltung ein. "Es geht um unsere Gesundheit", sagte ein Mitglied der "Initiative gegen Mobilfunk im Wiesental". Zuvor hatte der Gersbacher Ortschaftsrat einen Bauantrag abgelehnt, unter anderem weil Informationen zur Strahlenbelastung fehlten. "Wir nehmen die Sorgen ernst", sagt Hilmar Reith vom Regionalteam Digitalfunk im Freiburger Regierungspräsidium.
ÜBERZEUGUNGSARBEIT GEGEN SKEPSIS
Südbaden benötigt 158 Stationen, 44 davon müssen neu gebaut werden. Denn die Einsatzkräfte sollen auch in dünn besiedelten Gebieten erreichbar sein, die sich für kommerzielle Anbieter nicht lohnen, erklärt Reith. Dabei sei man auf Kooperation der Gemeinden angewiesen, denen die Standorte oft gehören. Bei Skepsis ist Überzeugungsarbeit angesagt. "Wo wir bauen, ist die Gesundheit der Leute nicht belastet, das ist wissenschaftlich untermauert", so Reith. "Noch mehr Funkmasten – das ist ein mordssensibler Bereich", weiß aber auch er.
Ein mögliches Argument dafür: Handy- und DSL-Anbieter sollen sich theoretisch an die neuen Masten dranhängen können. Derzeit gibt es in Südbaden rund zehn Anfragen von Anbietern und unterversorgten Orten, entschieden ist allerdings noch nichts. Detailfragen sind ungeklärt, heißt es im Innenministerium.
UNTERSCHIEDLICHE SYSTEME AN DER GRENZE
Für die moderne Technik braucht es 630 Basisstationen im Land. Insgesamt sind bisher 200 Stationen startklar. 400 Millionen Euro Landesmittel wurden für Netzaufbau, Geräte und Betrieb bis 2021 bewilligt. Der Aufbau begann vom Raum Stuttgart aus, ein erstes Polizeirevier in der Landeshauptstadt sammelt gerade Erfahrungen. Südbaden wird Schlusslicht sein. Bis dahin soll auch eine technische Lösung dafür gefunden werden, dass just die Nachbarstaaten Frankreich und Schweiz mit einem anderen System digitalfunken. Werner Paul sieht das gelassen: "Wir haben auch heute unterschiedliche Systeme an der Grenze, und das funktioniert auch."
- St. Märgen: Der Kampf ums letzte Funkloch
- Breitband-Internet: Der weiße Fleck muss weg
Autor: Simone Höhl

