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23. August 2013

Besondere Spurensuche

Ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof und in der ehemaligen Synagoge in Sulzburg.

  1. Sibylle Höschele (links) steht mit den Teilnehmern der Führung durch den jüdischen Friedhof von Sulzburg vor dem ältesten Grabstein aus dem Jahr 1731. Foto: Ingeborg Grziwa

  2. Durch dieses von Hugo Bloch entworfene Eingangstor gelangt man auf den Friedhof. Foto: Ingeborg Grziwa

SULZBURG. Die Stadt Sulzburg blickt auf eine große jüdische Vergangenheit zurück. Im 17. und 18. Jahrhundert bestand die Einwohnerschaft zu einem Drittel aus Juden, die Haus an Haus mit Christen lebten. Im heutigen Stadtbild sind davon nur noch Spuren zu finden, vom jüdischen Friedhof und der ehemaligen Synagoge einmal abgesehen. Wer sich auf Spurensuche begeben will, dem bietet die "Initiative Jüdische Spuren in Sulzburg" Führungen als Orientierungshilfe an.

Rund 35 Gäste nahmen kürzlich das Angebot, an einer Führung über den jüdischen Friedhof teilzunehmen an. Dieser liegt am Ortsrand im Sulzbachtal in unmittelbarer Nähe zum Campingplatz und Naturschwimmbad. Auffallend ist das Eingangstor zur ehemaligen Abdankungshalle, dessen beide Torflügel auf einem großen Davidstern in goldenen Buchstaben die Inschrift "Breite über uns die Hütte Deines Friedens" tragen. Entworfen wurde das Friedhofstor von Hugo Bloch, ebenso der Gedenkstein. Hugo Bloch wurde 1898 in Sulzburg geboren und ist der einzige Sulzburger Jude, der nach der Shoa auf eigenen Wunsch auf dem jüdischen Friedhof in Sulzburg nach seinem Tod 1980 feierlich begraben wurde. Seine Grabplatte und den Gedenkstein für seine Frau Anna, seine Mutter und seine Schwestern hatte er ebenfalls selbst entworfen.

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Der Friedhof befindet sich auf einem steilen, terrassierten Waldgelände, das durch eine Treppe in zwei Hälften geteilt wird. Besucher sollten daher feste Schuhe anziehen sowie Trittsicherheit und etwas Kondition haben, denn es gilt immerhin 40 Höhenmeter zu überwinden. Männer sollten eine Kopfbedeckung tragen, sagt Führerin Sibylle Höschele, und nach dem Besuch sei es üblich, sich die Hände zu waschen. Vor allem aber sollten sich die Besucher Zeit nehmen für die Geschichte und die Geschichten hinter den Grabsteinen, wie die von Sophie Levi, die das jüdische Gasthaus bei der Synagoge führte. Der älteste Teil des Friedhofs befindet sich auf der linken Seite in der Nähe des Eingangs. Der Grabstein von Meyer Zivi aus dem Jahr 1731 ist der älteste Grabstein. Die Grabsteine, die fast alle nach Osten, also nach Jerusalem, gerichtet sind, sind verwittert, mit Moos bewachsen, und die einst hebräische Beschriftung ist kaum lesbar, die Symbolik fast nicht mehr zu erkennen. Dennoch: Die vielen kleinen Steine, die auf die Grabsteine gelegt wurden, deuten darauf hin, dass immer wieder Angehörige den Friedhof besucht haben. Was die einzelnen Symbole bedeuten, wollte eine Teilnehmerin wissen. Ein häufiges Symbol sind die segnenden Hände, so Höschele, die typische Segensgeste der Priester. Dieses Symbol fände man auf Grabsteinen des Priesterstammes, die ihre Herkunft von Aaron und seinen Söhnen ableiten. Andere Symbole sind Rosetten und Blüten für Frauengräber sowie ein Buch bei Lehrern und Rabbinern.

Während der ältere Teil des Friedhofs schon fast eine Einheit mit dem Wald bildet, fällt beim neueren Teil mit Gräbern aus dem 19. und 20. Jahrhundert die ausgeprägte Terrassierung auf. Er ist nur zur Hälfte belegt. Auf der obersten, sehr schmalen Terrasse befinden sich zu beiden Seiten Kindergräber. Nur wenige der Teilnehmer stiegen jedoch bis dort hinauf. Die Führung kollidierte zeitlich mit der Stadtführung von Heide Langguth, die nur eine Stunde später am Marktplatz begann und in der Synagoge endete. Daran nahmen ebenfalls über 40 Personen teil.

Die Synagoge wurde 1822 nach den Plänen von Johann Ludwig Weinbrenner errichtet. Am 10. November 1938 (Novemberprogrome) wurde sie geschändet, die Fenster und das Innere wurden vollständig zerstört. Eigentümerwechsel und die Nutzung als Lager- und Fabrikhalle folgten, 1974 drohte gar der Abriss. 1977 erwarb die Stadt Sulzburg die Synagoge, die bis 1995 umfassend restauriert wurde. Heute ist die Synagoge ein sehenswertes Kleinod in Sulzburg. Aktuell ist dort eine Ausstellung über die jüdischen Familien in Sulzburg zu sehen ist.

Führungen über den jüdischen Friedhof finden jeweils am ersten Sonntag eines Monats statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Eingangstor zum Friedhof und um 15 Uhr am Marktplatz für die Stadtführung. Die Synagoge ist am ersten und letzten Sonntag eines Monats, jeweils von 16 bis 18 Uhr, geöffnet.

Autor: Ingeborg Grziwa