Ein kultureller Brückenschlag

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Mi, 29. August 2018

Sulzburg

Algerien und seine Musik sind Schwerpunkte der Orientalischen Sommerakademie in Sulzburg, die am morgigen Donnerstag beginnt.

SULZBURG. Musiker und Musikstile aus Orient und Okzident treffen demnächst wieder in Sulzburg aufeinander, um mit der achten Orientalischen Sommerakademie einen kulturellen Brückenschlag zu realisieren, der in der Region und weit darüber hinaus einzigartig ist.

Dass es bis zuletzt kleine Änderungen im Programm gegeben hat, erklärt Initiator und Organisator Matthias Wagner damit, dass die Reisebestimmungen der Herkunftsländer, aus denen die Dozenten anreisen, zum Teil zu Visaproblemen geführt hätten. Jetzt steht das Programm, das sich dieses Mal schwerpunktmäßig um Algerien und seine Musik drehen wird: Die algerische Musikerin und Sängerin Imène Sahir wird erstmals in der Sommerakademie auftreten. Zusammen mit der Cembalistin und Musikwissenschaftlerin Angelika Moths und der griechischen Kanunspielerin (arabische Zither) Sofia Labropoulou wird sie einen Abend mit arabischer Musik auf dem Cembalo gestalten.

Die Sulzburger Reihe beginnt am Donnerstag, 30. August, mit einem Konzert der Dozenten, die im Lauf des Wochenendes in der Ernst-Leitz-Schule neun Workshops anbieten. Die Teilnehmenden kommen aus Italien, Frankreich, der Schweiz, Deutschland und Belgien, was den internationalen Ruf dieser Veranstaltung unterstreicht. Leider habe man im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von 50 auf nun 30 Anmeldungen verkraften müssen, bedauert Wagner. Dennoch: Die Workshop-Teilnehmer loben die familiäre und entspannte Atmosphäre in der Leitz-Schule, die sich für kurze Zeit in eine Musikakademie verwandelt. Wo renommierte Künstler und Künstlerinnen aus dem Vorderen Orient und Nordafrika ihre Schülerinnen und Schüler in die Geheimnisse der orientalischen Musik einweihen, die sich in ihrer Tonalität und Rhythmik und mit ihren spezifischen Instrumenten so ganz von der Musik des Westens unterscheidet. Unterrichtsfächer sind in Sulzburg Aoud, die arabische Laute, Kanun, das arabische Cembalo, das als Vorläufer unserer westlichen Cembali angesehen wird, Kuitra, die algerische Variante der Aoud, Rahmentrommel, die von Hand geschlagen wird, Nay, die asiatische Rohrflöte, die eine 5000-jährige Tradition hat, die orientalische Kniegeige Djoze und Gesang. Alle Kurse sind auch für eine reduzierte Gebühr für passive Gasthörer offen.

Dass die öffentlichen Konzerte seit 2016 in der Kirche St. Cyriak stattfinden, begrüßt Wagner. Da sei einfach mehr Platz für das Publikum als in der Ehemaligen Synagoge. Außerdem sei in der über 1000-jährigen Kirche die Akustik gerade für diese filigrane Musik wunderbar. Ansonsten sei die Ehemalige Synagoge ein idealer Platz für das Treffen der östlichen und westlichen Kultur über die Musik gewesen. Das ehemalige jüdische Gotteshaus in Sulzburg ist Thema von drei Führungen am Sonntag, 2. September, um 14, 16 und 17 Uhr, die die Orientalische Sommerakademie beschließen und gleichzeitig ein Beitrag zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur sind.

Für die Zukunft wünscht sich Wagner eine etwas bessere Resonanz der Politik: Bisher zählen lediglich die Stadt Sulzburg und einige private Sponsoren zu den verlässlichen Geldgebern. 2016 hatte das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst einen Förderbeitrag von 12 000 Euro aus dem Innovationsfonds Kunst beigesteuert, mit dem das interdisziplinäre Projekt "Los Braços Traygos Cansados – A Spanish Romance", eine Uraufführung mit musikalischen und schauspielerischen Elementen, in St. Cyriak ermöglicht wurde. Jetzt sind trotz wohlmeinender Reaktionen von Bund und Land für 2018 bisher keine verbindlichen Förderzusagen eingetroffen, bedauert Wagner: "Die Ministerien können sich vielleicht nicht so recht vorstellen, womit ehrenamtliches Engagement zu kämpfen hat", meint er. Aber auch die Tatsache, dass sich von den regionalen Landtags- und Bundestagsabgeordneten sowie den Kreistagsabgeordneten bisher niemand in den öffentlichen Konzerten sehen ließ, findet er höchst bedauerlich. Dabei biete gerade eine solche Plattform wie die Orientalische Sommerakademie auch viel politisches Potenzial.