Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Juli 2012

Tänzerisches Spektakel reißt Publikum mit

Begeisterung in der Steinhalle bei den Darbietungen des Turnerbundes und der polnischen Tanzgruppe "Paradox": Körperbeherrschung und Gefühlswelten.

  1. Ausschnitt aus dem Highschool Musical Foto: Friederike Marx-Kohlstädt

  2. Mit Körperspannung und Ausdruck begeisterten die Tänzerinnen der polnischen Tanzgruppe Paradox Foto: Friederike Marx-Kohlstädt

  3. kraushaarige Mähnen und detailverliebtes Make up beim König der Löwen Foto: Friederike Marx-Kohlstädt

EMMENDINGEN. So ein Spektakel hat die Steinhalle wohl noch nie gesehen: Drei Stunden lang zogen die 100 Tänzerinnen und Tänzer des Turnerbundes und der polnischen Tanzgruppe "Paradox" sowie einige Gesangssolisten das Publikum mit einer explosiven Mischung aus Körperbeherrschung, Lebensfreude und süßer Traurigkeit dermaßen in ihren Bann, bis dies ganz aus dem Häuschen war. Die leichtfüßige Olga Svetlova adelten die Mitwirkenden zur Dancing Queen des begeisternden Musicalabends.

Fünf Minuten noch bis zur Premiere, doch Claus Elshoff ist immer noch nicht aufgetaucht. Dabei soll der Musical-Profi zwei Gesangssoli bestreiten und 300 gespannte Besucher warten! Organisatorin Anja Bogen wird langsam unruhig. Als bekannt wird, dass Elshoff einen kleinen Autounfall hatte und sich nun von dem Schock erholen muss, stellt Bogen spontan das Programm um, was aber außer dem Mann am Musikpult niemanden durcheinanderbringt.

Als Moderatorinnen in den klischeehaften Rollen der altmodischen Oma mit ihrer elanvollen Enkelin führen Sabine Schlieter und Brigitte Istif durch das Programm. Kleine "Löwinnen" mit kraushaarigen Mähnen stürmen die Bühne, gefolgt von "Affen", rockenden Gören in löchrigen Feinstrumpfhosen. Dann wird es ganz bezaubernd: In ihrer anmutigen Darbietung aus dem schon etwas in die Jahre gekommenen Musical "Cats" zeigen die Tänzerinnen aus Sandomierz die ganze Bandbreite vom zuckersüßen Samtpfötchen bis zur kratzenden Furie. Ob Jazz- oder Ballettelemente – die Körperspannung beeindruckt, keine Drehung wackelt, aber noch mehr ist es der feurige Ausdruck aus detailverliebt geschminkten Gesichtern, der die Zuschauer magnetisiert. Dass die 12 bis 21 Jahre alten Polinnen dreimal drei Stunden die Woche bei ihrer Meisterin Monica Magda trainieren, lässt sich sehen. Selbst ihre langen Plüschschwänze setzen die Katzendamen graziös in Szene. Besser kann es heute Abend nicht mehr werden, so die Vermutung. Doch es kommt anders, denn der deutsche und der polnische Tanzstil unterscheiden sich grundlegend. Die Deutschen stellen sich zum Beispiel oft hintereinander auf, um dann auseinander zu fächern. Jede Darbietung endet in einer statischen Schlussfigur. Am sehenswertesten ist wohl die der grün gewandeten Hexen aus "Wicked", bei der die schöne Magierin Anika Helmle majestätisch in die Lüfte schwebt. Gesanglich glänzt bei diesem Beitrag Jaqueline Reichenbach in ihrer herrlich übertriebenen Gegenrolle.

Werbung


Und doch überragt der Tanz die gesungenen Soli. Schade, dass Claus Elshoff sein schmachtendes Solo aus Starlight Express in Jeans und T-Shirt ganz ohne Rollschuhe zum Besten gibt. Und anstatt des verrückten Professors hätte ihm bei "Tanz der Vampire" eine Blutsaugerrolle besser gestanden, so markant sind seine Eckzähne von Natur aus. Das Solo des Professors verlangt von ihm ein schnelles Mundwerk. Vielleicht ist es noch der Schock des Autounfalls, dass er mit seinem rasanten Text kaum hinter der Begleitmusik herkommt. Schauspielerisch aber kann er überzeugen.

Mit "Memory" steuert Petra Rombach einen weltberühmten Schmachtfetzen zum Programm bei. Begleitet wird sie von Elena Helmle am Flügel. Tänzerisch interpretiert Anja Bogen das Solo mit einem silbern schimmernden Gymnastikball.

Choreographisch unschlagbar sehenswert ist das Stück der Polinnen aus dem Michael-Jackson-Musical. Abrupte Bewegungen, Sexappeal und ein Hauch Männlichkeit spiegeln den Tanzstil des King of Pop wider. Damit setzen die Tänzerinnen aus Sandomierz einen Gegenpol zur Interpretation von "Mama Mia", bei der die Darbietenden auch mal ganz salopp im Blaumann mit dem Besen tanzen.

Schließlich brodelt es gar im Publikum, als Thorsten Duchrow seiner Olga Svetlova entgegen tanzt. Er nähert sich ihr mit Hüftschwung vom Mittelgang her durchs Publikum, die tanzende Meute im Rücken, so wie man es eben kennt aus "Dirty Dancing". Svetlova nimmt Anlauf, springt und schwebt auf seinen Händen. Ihre Schülerinnen jubeln ihr von unten zu und das Publikum klatscht und klatscht und klatscht ...

Autor: Friederike Marx-Kohlstädt