Tagebuch einer musikalischen Reise durchs barocke Europa

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 22. Juli 2014

Ettenheim

Das Ensemble "Music for a while" beschließt mit einem reinen Barockprogramm und Reiseberichten den Ettenheimer Musiksommer.

ETTENHEIM. Der Ettenheimer Musiksommer ist mit einem genussvollen Konzert zu Ende gegangen. Das Ensemble "Music for a while" mit der Sopranistin Antonia Brouvé, Ulrike Mauerhofer (Blockflöte), Sabine Kreutzberger (Viola da Gamba) und Irene Müller-Glasewald (Cembalo) gastierte im nicht ganz ausverkauften Bürgersaal im Rathaus mit einem reinen Barockprogramm. Dazu las der Musikredakteur Hans Hachmann aus Reiseberichten, so dass das ganze Konzert wie ein "Tagebuch einer musikalischen Reise" durch halb Europa führte.

Es begann in Venedig mit Antonio Vivaldis Kantate "All‘ ombra di sospetto", bei sich die kräftig-voluminöse Sopranstimme Brouvés und die Blockflötenstimme Mauerhofers rankend umspielen. Vivaldi, so Hachmann, habe die Liebe in all ihren Erscheinungsformen behandelt. Eine besondere Spezialität waren die Lesungen aus den "Musikalischen Reisen des Herrn von Uffenbach", die nicht einmal mehr antiquarisch erhältlich sind. Sie führten weiter nach Frankreich zur Musik von Jacques Morel (1678 bis 1741) und Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764). Von Morel spielte Ulrike Mauerhofer eine Chaconne für Blockflöte, schwingend im Rhythmus und wie in der Kantate "L’Impatience" von Rameau noch deutlicher, punktiert. In der Kantate kommt in der Höhe das helle Timbre der Sopranistin zur Geltung, die in den Verzierungen und Rouladen genau singt. Die Viola da Gamba gibt einen warmen, kräftigen Klang im Continuo und ergänzt das feinere Cembalo, und beide zusammen geben den Solistinnen einen guten Halt.

Die nächste Lesung führt nach England mit Texten von Tagebuchautor Samuel Pepys (1633 bis 1703), der an manchen Tagen "zu viele Vergnügungen" erlebte, an anderen "über Holzbläsermusik die ganze Nacht verzaubert war". Mit einem Einschlag von irischer Folkmusik erklingt von Thomas Tollett (1630 bis 1696) "Division on a ground", die Variation über einem Grundmotiv, das stehen bleibt, und von William Croft (1627 bis 1727) die Kantate Celladon.

Nach der Pause geht es dann nach Deutschland mit Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) und Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773). Die deftig-barocke Telemann-Kantate "Du angenehmer Weiberorden" ist von außerordentlich guter Textverständlichkeit, Gelächter im Publikum. Auch hier ist die Liebe das Thema, das Antonia Brouvé in allen Kantaten glaubhaft vermittelt. Die Blockflöte akzentuiert den typischen schwer-leicht Charakter in der Telemann Kantate, und das Largo aus der Sonate G-Dur von Quantz bringt wieder Beruhigung.

Am Schluss steht als Höhepunkt die Kantate "Mi palpita il cor" von Händel (1685 bis 1759), die intensiv ausgespielt in klaren Phrasierungen erkennen lässt, dass Singen das unmittelbarste Musizieren ist.