Bunt statt braun

Tausende Menschen protestieren gegen Rechte in Karlsruhe

Felix Lieschke und dpa

Von Felix Lieschke & dpa

Sa, 03. Juni 2017 um 18:28 Uhr

Karlsruhe

Mit Sprechchören, Ballons und Trillerpfeifen wenden sich Karlsruher gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremen. Meist bleibt es friedlich. Doch es fliegen auch Flaschen und Böller.

Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in Karlsruhe mit bunten Protestzügen zumeist friedlich gegen ein Treffen von Rechtsextremen demonstriert (Fotos). Die neonazistisch ausgerichtete Partei Die Rechte hatte zum "Tag der deutschen Zukunft" aufgerufen. Rund 300 Rechtsextreme kamen in Karlsruhe zusammen, bis zu 900 aus dem ganzen Bundesgebiet waren erwartet worden. Mehr als 3000 Polizisten waren mit Wasserwerfer und Reiterstaffel vor Ort.

Festnahmen nach Links-Autonomen-Übergriffen

Laut Polizei blieb es weitgehend ruhig, es gab allerdings auch mehrere Festnahmen nach Übergriffen auf Polizisten aus einer Gruppe von rund 600 Linksautonomen. Diese hätten zunächst versucht, Gitterabsperrungen zu durchbrechen, die sie von den Rechtsextremen trennten. Als dies nicht gelang, hätten einige Autonome Beamte angepöbelt, bespuckt und auch Flaschen und Böller geworfen. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Es gab den Beamten zufolge zwei leicht verletzte Polizisten und Demonstranten.

Rechtsextreme in rot und schwarz

Während viele Rechtsextreme mit roten T-Shirts und schwarzen Hosen marschierten, präsentierten sich die Gegendemonstranten bunt: Menschen jeden Alters, darunter viele Familien, protestierten mit Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund an der Spitze mit Sprechchören, Ballons, Trillerpfeifen und Plakaten gegen die Rechten.

"Wer schweigt, stimmt zu. Ich finde es wichtig, Flagge zu zeigen", meinte eine Karlsruherin. Viele Geschäfte hatten sicherheitshalber geschlossen. In ihren Schaufenstern positionierten sie sich aber gegen Rechts, genauso wie Cafés oder Anwohner mit Plakaten an ihren Häusern. "Braun ist von gestern, bunt ist in" oder "Lieber 1000 Geflüchtete als einen Nazi als Nachbarn", hieß es auf teils fantasievoll gestalteten Transparenten.

Laute Musik gegen Parolen der Rechten

Die Polizei schätzte die Zahl der Gegendemonstranten auf 2700, ein Aktionsbündnis gegen die Rechtsextremen sprach von 4000.Zur Zwischenkundgebung der Rechten am Durlacher Hengstplatz hielten Anwohner mit lauter Musik gegen die Parolen des Lautsprecherwagens stand.

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