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21. Mai 2014

Ausgelassen, flüsternd, schmelzend...

Das John Sheppard-Ensemble gastiert in der evangelischen Kirche Köndringen / Großartige Akustik.

  1. Das John Sheppard-Ensemble begeisterte mit seinem ungewöhnlichen Programm auch in der Kirche in Teningen. Foto: Hildegard Karig

TENINGEN. Kultivierte a capella-Chormusik vom Feinsten mit einem ausgesucht edlen, weil konsequenten und ungewöhnlichen Programm: Nach zwei Konzerten in Hinterzarten und Freiburg gastierte das John Sheppard-Ensemble am Sonntagabend in der Evangelischen Kirche Teningen. Der Freiburger Chor unter Leitung von Bernhard Schmidt sang Vertonungen von Texten von William Shakespeare, anlässlich des 450. Geburtstags des englischen Dichters.

Die Liebe im Frühling, im Tod, in Erwartung und in der Erinnerung: immer wieder Thema in den Texten aus verschiedenen Werken Shakespeares. Aus den zahlreichen Vertonungen der Dichterworte waren einige von dem englischen Komponisten Ralph Vaughan-Williams, dem Norweger Alfred Janson und den schwedischen Komponisten Sven-Eric Johansson und Sven Hagvil. Diese Konzentration auf nordische zeitgenössische Musik machte eine Attraktion des Konzertes aus. Die Komponisten waren unterschiedlich stark beeinflusst von Renaissance, Jazz und Spätromantik, die jeweiligen Kompositionsstile bedeuteten ein vielseitiges Nebeneinander, eben auch, weil selten zu hören und programmatisch stimmig aufeinander bezogen.

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Das genussvolle Erleben dieser abendlichen Stunde Chormusik war daneben der Rezitation der übersetzten Texte geschuldet, gesungen wurde in Originalsprache. Dem in Freiburg lebenden Schauspieler Ullo von Peinen gelang es, die Lebendigkeit und poetischen Bilder der Dichtungen deutlich zu machen und so ein intensiveres Hören der Vertonungen zu ermöglichen. Bernhard Schmidts klares Dirigat leitete den ausgewogen agierenden Chor zu den vielfältigsten Klängen an. Ausgelassen und laut, flüsternd und summend, meckernd oder in langen Kantilenen schmelzend, in Walzertakten schwingend, transparent leise oder zu mächtigem Gesamtklang anschwellend: die gesangliche Ausdrucksfähigkeit dieses Ensembles beeindruckte.

Diesem ausdrucksstarken Chorgesang war eine klangliche Besonderheit entgegengesetzt: das luxemburgische Marimba - Duo Sven Kiefer und Seikiko Idei faszinierte mit akrobatisch anmutender Virtuosität am Instrument. In dem Zyklus "Fancies" des Schweden Sven - Eric Johansson war der Chor durch das Marimbaphon (im Original Klavier) begleitet, was der musikalischen Tonmalerei sehr zugute kam.

Die Akustik in der Teninger Kirche bedingte, dass nicht der leiseste Chorklang, nicht der sanfteste Schlag eines Klöppels verloren ging, ein weiteres positives Moment in diesem besonderen musikalischen Erleben: Telling what is told: Das ließ sich kaum stimmiger vorstellen.

Autor: kar