Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Mai 2015

Nordlichter in der Teninger Kirche

John Sheppard Ensemble nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die skandinavische Musik.

  1. Nordlichter in der Evangelischen Kirche Teningen Foto: Georg Voß

TENINGEN. Nicht allzu oft sind hier im Süden skandinavische Klänge, insbesondere Chormusik, in der jeweiligen Landessprache zu hören. Das John Sheppard Ensemble aus Freiburg unter Leitung von Bernhard Schmidt präsentierte in der evangelischen Kirche eben diese Nordlichter: Edvard Grieg (1843-1907) und Ola Gjeilo (* 1978) aus Norwegen, Carl Nielsen (1865-1931) und Jørgen Jersild (1913-2004) aus Dänemark, Hugo Alvfén (1872-1960), Andréas Hallén (1846-1925) und Jan Sandström (*1954) aus Schweden sowie Jean Sibelius (1865-1957), Einojuhani Rautavaara (*1928) und Toivo Kuula (1883-1913) aus Finnland.

Was all diese Komponisten vereint, ist ihr starker Hang zur Tondichtung. Ihre Inhalte schöpfen sie aus den skandinavischen Landschaften oder Mythen wie der nordgermanischen Edda oder der finnischen Kalevala. Dabei zeigen sie überhaupt keine Berührungsängste zu Volksliedern. Eher verschwimmen diese Grenzen zwischen Kunstlied und Volkslied und es etablierte sich eine Art von Chorlyrik, was das John Sheppard Ensemble h unter Beweis stellte. Die Lieder klingen beinahe schwermütig, mitunter sehr leicht und verspielt, weitgehend mehrstimmig gesungen und im Wechselgesang zwischen dunklen und hellen Stimmen.

Werbung


Gleich zu Beginn interpretiert und besingt der stimmgewaltige Chor Edvard Griegs "Våren", den Frühling. Dieses Lied klingt andächtig, fast majestätisch und macht das Frühlingserwachen spürbar. Eher romantisch dagegen ist Carl Nielsens Vertonung von "Hvor sødt i sommeraftenstunden" (Wie süß ist der Sommerabend) mit spannenden Wechselgesang zwischen weiblichen und männlichen Stimmen. Der Schauspieler Ullo von Peinen rezitiert jedes Lied auf Deutsch und macht so die Texte für die rund hundert Gäste verstehbar. Sehr tragend mit einer langsamen, ruhigen Melodieführung erklingt "Aftonen", der Abend. Die Idylle eines stillen Waldes in der schwedischen Landschaft macht der imponierende Gesang des Chors nachvollziehbar.

Die skandinavische Musik geht nicht nur auf alte Weisen und die Natur ein, sie besingt auch die Liebe beziehungsweise die Sehnsucht nach der verlorengegangenen Geliebten wie etwa in "Missä armahani", (Wo ist meine Liebste), einer Volksdichtung, die Jean Sibelius vertonte. Dieses Stück um die Suche nach dem "Turteltäubchen" wird sehr lebendig mit überraschenden Vokalarrangements und einem dramatischen, tragischen Schluss.

Einen weiteren Höhepunktbildet Jan Sandströms "Biegga luothe". Bei diesem Stück über den blasenden Wind ließ sich Sandström musikalisch und textlich durch das indigene Volk der Sami im Norden Fennoskandinaviens inspirieren. Es ist das einzige Lied, das von einer Rahmentrommel begleitet wird und bei der Ullo von Peinen singt. Es lebt von seiner Spannung zwischen den Stimmen des Chors, den in unterschiedlichen Arten gesungenen ersten zwei Liedzeilen. Der Wind wird lebendig und Tiergeräusche fließen mit ein. Es ist sehr rhythmisch und manchmal heftig wie eben der Wind oben in Lappland. Für das rundum gelungene Konzert des John Sheppard Ensembles gab es guten und langanhaltenden Applaus. Mit der Zugabe von Hugo Alvféns "Aftonen" klang der Abend aus.

Autor: gkv