Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. November 2011

"Er hat unmenschlich gespielt"

Zum Ende des Tennisjahres kommt Roger Federer immer besser in Form, beim Saisonfinale in London fegt er Rafael Nadal von Platz.

  1. Dominant: Roger Federer Foto: afp

LONDON (sid). Die ganz großen Gefühle zeigt Roger Federer normalerweise immer erst bei Siegerehrungen. Davon hat er 2011 bisher nicht allzu viele erlebt, nämlich genau drei. Doha, Basel, Paris-Bercy – einem wie ihm kann das eigentlich nicht genug sein. Beim Saisonfinale der acht weltbesten Spieler des Jahres wurde Federer am Dienstagabend in London für viele Enttäuschungen in den zurückliegenden Monaten entschädigt. Mit 6:3, 6:0 fegte er Rafael Nadal vom Platz, er brauchte dafür eine Stunde und stand anschließend als erster Halbfinalist fest.

Und weil alles so besonders war, ließ Federer anschließend ein bisschen von seiner Gefühlswelt erahnen. "Ich hatte schon einige ziemlich gute Matches in meinem Leben, und dieses war eines der besseren, das steht fest", sagte der 30-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Den entscheidenden Grund für diese Einschätzung schob er gleich hinterher: "Es war ein fast perfektes Match gegen meinen größten Rivalen." Gegen den hatte er zuvor 17 von 25 Matches verloren.

Nichts ging mehr im Spiel des Rafael Nadal, nachdem Federer das hart umkämpfte und hochklassige sechste Spiel des ersten Satzes mit einem Break gewonnen hatte und mit 4:2 in Führung ging. Danach gewann Nadal nur noch ein Spiel, er traf kaum einen Ball mehr, er kämpfte, wie es seinem Naturell entspricht, aber er war ohne Chance. Federer entfernte sich kaum von der Grundlinie, von dort aus dominierte er das Match im Stile eines Champions, er ließ Nadal cool bis ans Herz über den Platz zappeln. Der Geschlagene erwies sich als fairer Verlierer: "Ich war zu 100 Prozent fit, es gibt keine Entschuldigung für mich. Er hat unmenschlich gespielt." Dabei hatte Nadal sein Training am Montagabend wegen plötzlich aufgetretener Schulterprobleme früher als geplant beendet. "Ich hatte schon kurz Zweifel, ob ich überhaupt gegen Roger antreten kann, aber heute war ich wie neugeboren", erzählte Nadal: "Ich bin vollkommen unbelastet in das Match gegangen und hatte auch danach keine körperlichen Probleme, das ist zumindest ein Aspekt, über den ich mich freuen kann."

Werbung


Während der Spanier nun gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga gewinnen muss, um noch einen Platz im Halbfinale zu ergattern, hat Federer den bereits sicher. Es ist schwer vorstellbar, dass ein anderer als er das Finale an der Themse gewinnt, zu dominant, zu unwiderstehlich war in den zurückliegenden Wochen sein Spiel. "Daddy Cool", der auch mal in der Nacht vor einem wichtigen Spiel um vier Uhr morgens seine Zwillingstöchter tröstet und trotzdem völlig ausgeschlafen auf dem Platz steht, scheint sich im Herbst seiner Karriere der zwischenzeitlich verloren geglaubten Bestform wieder rasant anzunähern. Federer ist in London Titelverteidiger – und in der aktuellen Form der haushohe Favorit. "Ich bin selbst überrascht, wie gut ich derzeit spiele", sagte der Schweizer.

Seine Erfolgsbilanz der vergangenen Wochen führt Federer vor allem auf eine sechswöchige Verschnaufpause im Herbst zurück. "Das war eine ideale Planung", hat er bereits mehrfach gesagt: "Ich merke, dass ich diese Auszeiten brauche. Und ich werde sie mir nehmen." Nach London wird er erst einmal seinen Familien-Urlaub genießen und dann noch einmal voll angreifen.

Weitere Ergebnisse: Doppel, Gruppe A: Bhupathi/Paes (Indien/4) – Melzer/ Petzschner (Österreich/Bayreuth/7) 7:5, 6:3; B. Bryan/M. Bryan (USA/1) – Lindstedt/

Tecau (Schweden/Rumänien/6) 6:1,6:2. Einzel, Gruppe A: Berdych (Tschech./7) – Tipsarevic (Serb./9) 2:6, 6:3, 7:6 (8:6).

Autor: dpa