Tennis

TC BW Oberweier verliert letztes Heimspiel ist aber zufrieden

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 07. August 2017

Tennis

TC BW Oberweier verliert letztes Heimspiel ist aber zufrieden.

TENNIS 2. Bundesliga Süd: TC BW Oberweier – TC Wolfsberg-Pforzheim 3:6. Mehr als 800 Zuschauer schufen beim letzten Heimspiel an der Palmengasse eine beeindruckende Kulisse. Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass Oberweier das erste Mal seit drei Jahren ein Heimspiel verlor.

Den Preis, den die Saison rein physisch gefordert hat, war an einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied festzumachen: dem Matchtiebreak. In den ersten Spielen in der Liga konnten sich die Gastgeber recht sicher sein, dieses finale Entscheidungsspiel zu gewinnen. Nicht erst am Sonntag hatten sich die Vorzeichen geändert. Und so legte das 2:4 nach den Einzeln einen knappen Spielausgang nahe. Der Moral der Gastgeber war doch noch einige Spannungsmomente zu verdanken, allein die Körper der Aktiven schienen mürbe zu sein.

Rühmliche Ausnahme waren die beiden Spitzenspieler. Attila Balazs war erst 90 Minuten nach Mitternacht in Oberweier eingetroffen. Am Samstagabend siegte er noch in der Nähe von Mailand im Finale des Doppels eines 106 000 Dollar-Turniers. Die Siege am Samstag und am Sonntag belegen seine professionelle Einstellung. Er steht als Einziger sportlich mit einer weißen Weste da. Alexej Vatutin fuhr am Freitag in Großhesselohe nach dem Spiel erst einmal in seine Wohnung in Deutschland, um zu packen. Nach dem Einzel am Sonntag ging es nach Frankfurt, von dort nach Moskau, um ein Visum für die USA zu beantragen, damit er bei den US-Open aufschlagen kann. Profialltag.

Für Cheftrainer Oliver Killeweit bleiben "euphorische Momente" in der Erinnerung. "Letztendlich war alles perfekt", fasste er die Saison zusammen. In diese Beurteilung bezog er den Verein als Gesamtes mit ein, der von Heimspiel zu Heimspiel routinierter wurde. Sportlich stand für den 46-Jährigen schon länger fest: "Wie müssen uns nicht verstecken."

Der vorzeitige Klassenerhalt hat die Perspektive verändert. Die Energien, die Oberweiers Tennisteam in die Mannschaft gesteckt hatten, durften auch wieder in die individuelle Entwicklung investiert werden. So fiel auch bei Adrian Obert die Entscheidung, nicht für das Team im Einzel anzutreten. Hüfte oder Leiste, das ist die Frage nach der Verletzung vom Freitag. Seine Antwort war klar: "Ich riskiere nichts. Die Gesundheit geht vor." Nach der ersten Saison in der zweiten Liga fällt seine Bilanz kritisch aus. Der Lahrer gesteht ein, nicht sein bestes Tennis gespielt zu haben. Er zieht seine Lehre aus den sieben Spielen. "Ich darf den Druck nicht so sehr an mich herankommen lassen." Noch vor der Zweitligasaison hat Adrian Obert in Italien sein bestes Tennis abrufen können. Das wollte er auch vor Familie und Freunden zeigen. Das misslang in Teilen. "Ich habe mir vielleicht zu viel vorgenommen."

Kollege Paul Wörner erholte sich von der Enttäuschung nach der Niederlage in Reutlingen in Brüssel, wo er am Sonntag das Finale gegen den Belgier Vandenbulcke 3:6, 4:6 verlor. Nicht nur mit dem ersten Finaleinzug des Jahres unterstrich er die Schlüssigkeit des Konzepts. Ihm halfen die fünf Matches mit einem Betreuer auf der Bank weiter, so Trainer Killeweit. Danach wurden im Training Defizite abgearbeitet, die Erfahrung umgesetzt – auf hohem Niveau.

Philipp Bauer, der sich im Reigen in der Weltrangliste geführten Cracks mit der LK 2 irgendwie fremd vorkommen könnte, fremdelte gar nicht. Er nahm die sportliche Herausforderung an und führte das Team als kämpferisches Vorbild an. Seine persönlichen Erwartungen wurden übertroffen, tröstete ihn aber nur schwer über den Verlust des letzten Doppels hinweg. Er stand zu den Strapazen, die die Spielklasse, einem Amateur abfordert. "Die Saison schlaucht schon", sagte er, "schon gar, wenn man zwischen den Spieltagen arbeiten muss."

Kompakt: Balazs - Lenz 3:6, 6:4, 10:5; Vatutin – Meis 5:7, 6:3, 10:5; Struvay – Gremelmayr 4:6, 6:7; Kapric – Wiesler 6:7, 4:6; Kracman – Flock 6:4, 1:6, 8:10; Bauer – Fischer 5:7 5:7; Balazs/Struvay – Meis/ Gremelmayr 6:2, 6:4; Obert/Kracman – Lenz/Flock 3:6, 2:6; Kapric/Bauer – Begemann/Junaid 1:6, 6:3 8:10.