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17. Juli 2017

Werbung in eigener Sache

Der TC BW Oberweier gewinnt im ersten Spiel in der Zweiten Bundesliga seine ersten Punkte / Entscheidung nach sieben Stunden.

  1. Sonnige Momentaufnahme des Tennisstadions an der Palmengasse Foto: Sebastian Köhli

  2. Nicht abgehoben, aber sehr athletisch: Paul Wörner. Foto: Sebastian Koehli

  3. Gemeinsam auf der Suche nach dem verlorenen Aufschlag. Oliver Killeweit, Adrian Obert und Andrej Kracman (von links). Foto: Sebastian Koehli

TENNIS 2. Bundesliga Süd: TC BW Oberweier – BASF TC Ludwigshafen 5:4. Die Premiere ist geglückt. Rund 400 Zuschauer gestalteten den Rahmen eines außergewöhnlichen Tennistages in der Palmengasse. Er belegte nach knapp sieben Stunden Ballwechseln: Der TC BW Oberweier ist in der Zweiten Bundesliga angekommen. Sportwart Oliver Killeweit fügte hinzu: "Das kann die halbe Miete für den Klassenerhalt sein."

5:4-Siege haben gegen Ludwigshafen in Oberweier Tradition. Es sah lange Zeit am späten Sonntagnachmittag nicht danach aus. Das Zweier-Doppel stand nicht auf der Habenseite in der Kalkulation nach dem 3:3 beim TCBW. Mannschaftsführer Philipp Bauer und Alexey Vatutin spielten sich locker in die Partie mit einem 6:4 im ersten Satz. Genauso, nur mit anderen Vorzeichen, endete Durchgang zwei. Da stand es 4:4 zwischen beiden Teams. Der Match-Tiebreak sollte die Entscheidung bringen. Hier schien es sich zu rächen, dass Oberweiers Akteure etwas schwächer servierten. Beim 7:9 galt es zwei Matchbälle der Ludwigshafener abzuwehren. Beim 10:9 hatte Oberweier nach den zwei Aufschlägen von Vatutin seine erste Chance. Und die wurde genutzt, nach einem Volley von Philipp Bauer. Der Teamkapitän kam für den enttäuschenden Spitzenspieler Kristijan Mesaros ins Doppel und tat das, wofür er bekannt ist. Kämpfen. Dabei riss er den jungen Russen mit. Ein nicht gegebener Netzaufschlag habe bei ihm noch ein paar Prozent mehr herausgekitzelt, getragen von einer tollen Atmosphäre, wie er bekannte. "Das war heute Werbung in eigener Sache."

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Paul Wörner schreibt Clubgeschichte

Der 20 Jahre alte Paul Wörner wurde zum ersten Spieler des TC BW Oberweier, der in der Zweiten Bundesliga einen Punkt erspielte. Und dieser Zähler zum 2:0 Zwischenstand war alles andere als ein Geschenk. Wörner hatte nach dem 6:1 im ersten Satz beim 5:4 Satzball. "Ich ging schon zum Netz", schilderte er die Entscheidung, aber sein Ball war zwei Zentimeter im Aus.

Eine Situation, an der sich die Entwicklung des aktuell besten deutschen Spielers in Oberweier zeigt. Noch vor Jahresfrist wäre er an dieser Situation gescheitert. Am Sonntag beeindruckte ihn das nur kurzzeitig. "Früher", bekannte er, "hing ich viel zulange so einem Punkt nach." Die Erfahrung aus 35 gewonnenen Matches in diesem Jahr, so begründete er später, haben ihm die Gewissheit gegeben, Kleinigkeiten seien entscheidend. Aber Paul Wörner, der in den Wochen zuvor quasi durchgängig Turniere gespielt hatte, zeigte sich körperlich auf den Beinen und mental fit beim 7:6-Satzerfolg.

Wenige Minuten später stand es 3:0 für den Aufsteiger nach dem 7:5, 6:4 von Alexey Vatutin. Er war als Sieger des Turniers in Trier angereist. Jeden Tag der Vorwoche hatte der junge Russe ein Match in den Knochen. Als es gegen den Weißrussen Alexandre Sidorenko darauf ankam, war er da. Und dies, obwohl das Match nach dem ersten Satz für mehr als eine Viertelstunde unterbrochen war. Ein eifriger Helfer hatte etwas zu lange den Platz gewässert. Und er blieb zu rutschig. Geduld war gefordert.

Die hatte auch Andrej Kracman benötigt, ehe er den ersten Zähler für den TCBW in der Zweiten Liga in trockenen Tüchern hatte. Als es im zweiten Satz nach fast permanentem Rückstand auf einen Satzverlust hinauszulaufen schien, stemmte er sich mit Volleys dem ausgesprochen aufschlagstarken Vincent Schneider entgegen. Mit Erfolg (7:5).

Die Angst des Adrian Obert vor dem Aufschlag

"So etwas habe ich noch nicht erlebt." Der Vater von Adrian Obert schüttelte den Kopf. Da war er nicht allein. Nach den Niederlagen von Eduardo Struvay und Kristijan Mesaros konzentrierte sich alles auf das Einzel von Adrian Obert gegen Rene Schulte. 3:6 ging Satz eins verloren. Im zweiten Durchgang stand es 5:5. Auf Platz zwei wurden die Stöhnlaute der Akteure, mit der sie ihre Schläge begleiteten, immer wieder von Schimpftiraden unterbrochen. Zeichen eines nicht harmonierenden Spiels, vor allem von Adrian Obert, der sich dennoch nach dem 6:6 in den Tiebreak rettete. Ein Tiebreak ohne Aufschlag? Bei dem für das Rückschlagspiel wesentlichen Element hatte sich Adrian Obert verabschiedet. "Ich habe das total verlernt", kommentierte der Lahrer seinen ersten Doppelfehler in der Entscheidungsphase. Seine Verunsicherung gipfelte in Aufschlägen von unten - die noch nicht einmal ins Feld gingen. Bei aller Verzweiflung hatte 22-Jährige sein Kämpferherz nicht verloren.

Angefeuert von aufmunternden Beifall der Zuschauer glich er mit einem 7:5 die Sätze aus – und führte im Match-Tiebreak 5:3, lag 6:8 zurück, glich zum 8:8 aus und servierte beim 8:9. Und so endete das Spiel mit Oberts 21. Doppelfehler und einer anschließenden kurzen Übungseinheit in Sachen Aufschlag. Bei den Doppeln stand er wieder auf dem Platz. "Da sieht man, was der Kopf im Tennis ausmacht", versuchte Oliver Killeweit etwas zu erklären, was für viele unerklärbar scheint. Als Adrian Obert sein Service im Doppel zum 3:1 durchbekam, war für ihn der schlimmste Schaden wieder behoben.

Kompakt: Mesaros - Casanova 4:6, 3:6, Vatutin - Sidorenko 7:5, 6:4, Struvay - Kuhn 3:6, 4:6, Wörner – Antonescu 6:1, 7:6, Obert – Schulte 3:6, 7:6, 8:10, Kracman – Schneider 6:2, 7:5; Struvay/Kracman – Casanova/Schulte 6:1, 6:3 Vatutin/Bauer – Sidorenke/Antonescu 6:4, 4:6, 11:9; Wörner/ Obert – Kuhn/ Schneider 6:1, 2:6, 4:10.

Autor: Wolfram Köhli