Abgründe im Schulalltag

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Di, 24. Januar 2017

Theater

Der Lehrer und Kabarettist Marc Hofmann im Vorderhaus.

Der Klassenfeind ist zurück: Marc Hofmann, in einem Leben Lehrer in Stegen, in einem anderen Kabarettist, Schriftsteller und Musiker, setzt sein im Frühjahr 2014 erstmals aufgeführtes Programm "Der Klassenfeind" fort. Im ausverkauften Freiburger Vorderhaus musste der sympathische Mittvierziger nicht lange um die Gunst des Publikums buhlen: Er plauderte, las und sang drauflos, die Zuschauer – mutmaßlich überwiegend Lehrerinnen und Lehrer – hatten mächtig Spaß.

Beim Thema Schule können alle mitreden – aus eigener Erfahrung. Ist das nun ein Vorteil für den Kabarettisten? Fürs Publikum? Schnell steht fest: Das wird ein Abend der gegenseitigen Vergewisserung. Denn der gemeine Lehrer leidet. Unter den Schülerinnen und Schülern, von denen viele nicht aufs Gymnasium gehören, weil sie wenig Interesse am Stoff zeigen oder gar verhaltensauffällig sind. Unter den Eltern, weil sie ohne Wenn und Aber zu ihren überbehüteten Kindern halten und der Lehrkraft gerne mal mit juristischen Schritten drohen. Unter den Kolleginnen und Kollegen oder dem Schulleiter, weil selbst empfundener Druck grundsätzlich weitergereicht wird. Die einzigen, die noch mehr leiden als die Lehrer, sind die Referendare – die stehen in der Hierarchie nämlich ganz, ganz unten.

Ja, es sind Abgründe, die sich in dem Schulalltag, den Hofmann schildert, auftun. Die Grenze zwischen realistischer Schilderung und Satire ist oftmals kaum zu bemerken, und vermutlich darum bleibt einem hin und wieder das Lachen im Halse stecken. Überspitzt oder nur zynisch? Die Kernkompetenz des frisch aufs Gymnasium gewechselten Kindes sollte sein: Einen Pimmel malen können. Welchen Satz hört ein Lehrer permanent? Mein Drucker war kaputt! Wie lautet die Nachfrage des Schülers in der Englischstunde? How now? Was werfen Eltern dem Klassenlehrer beim Elternabend vor? Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch!

Marc Hofmann ist geübt im Monologisieren, er begleitet sein Sprechen mit dynamischen Gesten und glaubwürdiger Mimik. Es wird keine Sekunde langweilig während des zweistündigen Programms, das er schließt mit der Beteuerung, die Schüler wirklich zu mögen. Und mit den Worten: "Dreckiger Job, aber irgendwer muss ihn machen." Uff.