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05. Juli 2016

Action um Märchenklischees und -figuren

"Köönig & Spitzbueb" vom Basler Theaters Arlecchino bietet ein heiteres Freilichtvergnügen.

  1. Reinhard Stehle, Jenny Bühler und Dieter Probst in einer Szene aus „Köönig & Spitzbueb“ im Park im Grünen Foto: Roswitha Frey

Ein überdimensionales Bett steht mitten im Grünen. Auf dieser Kissenburg schlummert König Maximilian selig. Wer schläft, sündigt nicht, heißt es so treffend. Doch dass der Monarch eine Schnarchnase ist und seine Amtsgeschäfte vernachlässigt, passt wiederum seiner Tochter Steffi nicht. Diese Prinzessin ist so ganz anders als die Royals in den Hochglanzmagazinen. Hipp, cool, rotzfrech und unerschrocken stiefelt sie durch die Theater-Arena, macht dem verschlafenen König Beine und nimmt es gar mit Räubern auf.

"Köönig & Spitzbueb" heißt dieses originelle Stück in Mundart, das sich Theaterleiter Peter Keller für die Sommerproduktion des Basler Theaters Arlecchino im Park im Grünen in Münchenstein ausgedacht hat. Kellers Stück spielt mit Märchenklischees und -figuren. Regisseurin Maya Zimmermann macht daraus ein heiteres einstündiges Freilichtvergnügen für die ganze Familie. Schon die Ausstattung in der Arena, dem kleinen Amphitheater im Park, ist effektvoll. Über dem Gras spannt sich eine Wäscheleine, im Rasen stecken Riesenblumen auf langen Stängeln. Das gigantische Bett mit der roten Lehne und den bunten Kissenbergen federt wie ein Trampolin, wenn die Prinzessin auf und ab springt, um den verschlafenen Vater aus den Federn zu holen.

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Gespielt von professionellen Schauspielern, sind die Figuren sympathisch und komödiantisch gezeichnet. Der graubärtige Reinhard Stehle im weißen Nachthemd unterm Königsmantel ist eine köstlich verschrobene und schlaftrunkene Majestät, die nur unwillig regiert und ständig das rote Schlafkissen an sich drückt. Dagegen ist ständig Action und angesagt, wenn Jenny Bühler mit Krönchen, bauschigem Rock und roten Stiefeln als Prinzessin Steffi auftaucht. Wie ein Wirbelwind fegt sie durch die Arena, hört laute Musik, singt auch mal einen Rap, spielt Federball, hängt Wäsche ab oder treibt den Papa zum Regieren an. Und wie Jenny Bühler mit artistischer Gelenkigkeit Katz und Maus spielt mit den Straßenräubern, die es auf das Schlafkissen des Königs abgesehen haben, bringt slapstickreife Situationskomik ins Spiel.

Diese Spitzbuben namens Taubenloch und Bäärlauch mischen das Geschehen auf. Der eine, bärbeißig und brummig gespielt von Silvio Fumagalli, ist mürrisch und schlechtgelaunt, weil er schlecht schläft. Der andere, dargestellt von Dieter Probst, ist ein einfältiger, aber liebenswürdig komischer Springinsfeld und lustiger Geselle, der sich in die Prinzessin verguckt und ihr im Park einen Strauß aus den Mammut-Papierblumen pflückt. Doch der verschlagene Taubenloch, der noch weniger schläft als Napoleon, nämlich nur eine Stunde pro Nacht, will das Wunderkissen des Königs Schnarch klauen. Zusammen mit seinem tollpatschigen Kumpan probiert er es mit alten Methoden aus Märchen wie einem vergifteten Apfel, den König schachmatt zu setzen. Dumm nur, dass stattdessen Spitzbube Bäärlauch die falsche Apfelhälfte verspeist und von der Prinzessin aus der Ohnmacht aufgeweckt werden muss.

Eine Erzählerstimme aus dem Off treibt die Handlung voran, kommentiert die Szenen und Figuren, sodass der Halunke Taubenloch ordentlich über diesen "Märli-Fritz" schimpft. Der Kommentar und freche Lieder von Balz Aliesch geben dem Dialektstück zusätzlichen Witz. Das Märchen vom schläfrigen König und dem schlaflosen Spitzbuben ist bis zum überraschenden Ende garantiert nicht zum Gähnen. Und wenn sie nicht gestorben sind, schlafen sie noch heute...

Arena im Park im Grünen: bis 14. August, täglich 15 Uhr und 17 Uhr (außer 1. August), Münchenstein


Autor: Roswitha Frey