Ein Staat, in dem alles allen gehört

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Do, 09. Juni 2016

Theater

Die Freiburger Theaterstiftung fördert ab sofort freie Projekte.

Die Stiftung der Freiburger Theaterfreunde geht neue Wege. Erstmals fördert sie keine einzelnen Inszenierungen, sondern einmal im Jahr ein innovatives freies Projekt. Ausgeguckt haben sich die Stifter die bei ihnen ohnehin im Fokus stehende Sparte Junges Theater mit ihrem rührigen Kurator Michael Kaiser. Ein Projekt – das hieß: Ausschreiben. Jury bilden. Auswählen. Immerhin 20 freie Gruppen bewarben sich um die Chance, am Theater Freiburg eine Produktion zu realisieren – dank der Infrastruktur des Theaters und 9000 Euro, die die Stiftung unter ihrem Vorstand Markus Hildmann und Hans-Hartmut Peter bereitstellt.

Das Rennen machte das 2012 von Studierenden des Studiengangs "Kulturwissenschaft und ästhetische Praxis" gegründete Theaterkollektiv Klub Kirschrot mit einer Performance für hörende und gehörlose Menschen. Wera Mahne, für die offizielle Vorstellung des Projekts extra angereist, beschäftigt sich seit Jahren mit der Gebärdensprache. Dieses Interesse kann sie mit denen des Klubs – der sich Gedanken über die Übertitelung von gesprochener Sprache auf der Bühne macht – nun verbinden. Nicht ganz unerheblich für die Entscheidung der theaterinternen Jury dürfte die Existenz des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte in Stegen gewesen sein. Ein erster Kontakt ist hergestellt für die Kooperation bei dem Projekt, das sich inhaltlich mit der Frage des Besitzes auseinandersetzt.

Den Titel, das gab Wera Mahne freiweg zu, habe man von Hans Georgs Lenzens gleichnamigem Roman geklaut: "Die Republik der Taschendiebe". Hinauslaufen soll das Ganze auf die theatrale Gründung eines Staates, in dem alles allen gehört: ein interaktives Format zwischen begehbarer Installation und Inszenierung. Die Kinder und Jugendlichen, die mit den vier Spielern des Klub Kirschrot die Republik der Taschendiebe gründen, werden in die Recherche zum Stück einbezogen und können ihre Ideen einbringen. Premiere soll am 1. April 2017 im Werkraum sein.

Animierte Stimmung bei den Stiftern des Gesamtvereins Theaterfreunde, der mittlerweile immerhin 1200 Mitglieder zählt. Ihr Vorsitzender Gerhard Kemptner, von Beruf Finanzfachmann, liebäugelt natürlich mit einer Aufstockung des Stiftungskapitals, das bei nicht beeindruckenden 100 000 Euro dahindümpelt. Da kann die nur das Musiktheater fördernde Excellence-Initiative mit ganz anderen Summen jonglieren. Das Stipendiums-Projekt, da sind sich die Förderer der darstellenden Künste einig, ist auf jeden Fall geeignet, mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Darin kann man ihnen nur zustimmen. Partizipativen und gesellschaftlich relevanten Projekten wie diesem gehört die Zukunft.