Hinterfragt Regeln!

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Mi, 24. Januar 2018

Theater

"Meine Mama sagt, das darf man nicht" im Theater Freiburg.

Eine Pizza an die Decke werfen, fremde Geldbeutel plündern, Fischabfälle auf der Bühne verteilen – all das wird per Trillerpfeife gerade noch verhindert in der Performance "Meine Mama sagt, das darf man nicht" von Leander Ripchinsky und Florence Ruckstuhl, die jetzt im Werkraum des Theater Freiburgs Premiere feierte. Die beiden Regisseure haben Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen studiert und sind seitdem ein Team. Im Rahmen dieses Stipendiumsprojekts der Theaterstiftung, die seit 2017 innovative Projekte von jungen Theaterschaffenden fördert, haben sie einen interaktiven Spiele-Nachmittag über Regeln und Verbote für Kinder und ihre Mamas konzipiert, wobei Papas hier auch Mamas sind. Und weil Ripchinsky und Ruckstuhl selber Kinder waren, haben sie ihre eigenen Mütter mitgebracht, die auf der Bühne kräftig mitmischen.

Denen passt nicht jedes der 17 Experimente mit offenem Ausgang, die, kurzweilig und klug durchdacht, einiges in Frage stellen und dabei nicht zuletzt beweisen, dass auch Kinder für ihre Mütter Tabus haben. Oder ist es vielleicht gar nicht so peinlich, wenn die eigene Mama auf der Straße Walzer tanzt oder ein Tütü vorführt? Zuviel soll hier aber nicht verraten werden.

"Das Gegenteil von Kind-Sein ist immer Cola zu trinken, wenn man Lust drauf hat – auch zum Frühstück!" – so eines der vielen kleinen und großen Manifeste, die im Laufe der 80-minütigen Performance am Spielfeldrand postuliert werden. Dazwischen gibt es Spiele mit Rollbrettern, Schrubbern oder riesigen Mikadostäben, es wird mit der Stoppuhr gelacht und Fastfood gegessen, zensiert, interveniert und ständig das Regelwerk verändert. Mal gucken die Zuschauerinnen und Zuschauer zu, mal agieren sie.

Dabei funktioniert nicht alles. Spaß haben Kinder und Mamas aber auf jeden Fall. Zumal nicht wenige Anfangsversprechen wahrgemacht werden: Ein Teddybär stirbt und ein kleiner rosafarbener Elefant kackt einem Kind auf den Kopf. Bei der nächsten Vorstellung wird Ripchinskys Mutter eine peinliche Kindheitsanekdote ihres Sohnes zum Besten geben – so hat es das Publikum bestimmt. Die Botschaft dieser launigen Performance: Hinterfragt Regeln und macht bessere!

Weitere Termine: 2., 3. und 10.Februar, jeweils um 18 Uhr, Werkraum, Theater Freiburg. Ab 10. Tel. 0761/2012853.