"Ich möchte richtig gute Musik machen"

Kathrin Kramer

Von Kathrin Kramer

Fr, 23. März 2018

Theater

BZ-INTERVIEW: Drei Absolventen des postgraduellen Studiengangs "Opernstudio" vor ihrem Konzert im Theater Freiburg.

Seit einem Jahr bieten Freiburger Musikhochschule und Theater Freiburg den postgraduellen Studiengang "Opernstudio" an, dessen Ziel es ist, fortgeschrittene Gesangsstudierende in ein Ensemble zu integrieren und auf eine Karriere in ihrem Fach vorzubereiten. Mit den drei Absolventen Jongsoo Yang, Irina Jae-Eun Park und Amelie Petrich sprach Kathrin Kramer.

BZ: Wie gerät man als junger Mensch an das eher als uncool geltende Opernfach?
Petrich: Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Mein Papa spielt im Orchester. Dadurch war das klassische Musik für mich von Anfang Alltag.
Yang: Ich kann, glaube ich, mit einem Satz das alles erklären: Ich bin selber vielleicht ein uncooler Mensch. Ich höre nur klassische Musik. Das machen junge Menschen sonst kaum, auch wenn sie klassische Musik studieren. Früher habe ich in einem Männerquartett in Korea Gospels gesungen. Als mir jemand empfohlen hat, Gesang zu studieren, war ich froh, etwas als Ziel gefunden zu haben.
Park: Meine Cousine hat in Korea mit zwölf Jahren eine Gesangsausbildung angefangen. Ich hab’ nur im Kinderchor in der Kirche gesungen. Und dann hat sie mich zu einem Konzert eingeladen. Ich war total beeindruckt – vor allem von den schönen Abendkleidern (lacht). Bis ich selber mit Gesangsstunden begann, dauerte es noch einige Jahre. Aber dann war es wie ein Labyrinth. Wenn man darin ist, kann man den Ausgang nicht sehen. Ich kann einfach nicht mehr aufhören.
"Ich möchte ein Leben lang

auf der Bühne stehen"

Irina Jae-Eun Park
BZ: Erinnern Sie sich noch an Ihren allerersten Soloauftritt?
Petrich: Das war im Kinderchor in Hagen. Ich war 13 Jahre. Da kam vom Theater die Anfrage für eine Solopartie in der Oper "Königskinder" von Humperdinck. Und ich habe mir einen Ruck gegeben und mich getraut vorzusingen. Damals habe ich mir gesagt, wenn ich diese Partie, es war das Besenbinderkind, bekomme und das alles klappt, dann will ich Gesang studieren. Es hat geklappt.
Yang: Mein Gymnasium in Südkorea feierte seinen 60. Geburtstag, und ich sollte mit dem Orchester was singen. Das war sehr schlecht, obwohl ich mein Bestes gab. Ich schäme mich, wenn ich die Aufnahme höre. Da war ich noch Bariton. Vielleicht lag es daran. Heute bin ich Bass.
Park: Ich habe in Korea an einer reinen Frauenuniversität studiert. Deshalb war meine erste Rolle als Studentin einer der Knaben aus der "Zauberflöte". Das war sehr glücklich für mich.
BZ: Worauf kam es in Ihrer Ausbildung besonders an?
Petrich: Gesangsunterricht, Klavierunterricht, Schauspiel, Musikgeschichte, Blattlesen. Die ersten vier Semester waren wahnsinnig breit gefächert. Für mich war neu und wichtig zu lernen, wie ich an Musik herangehe. Nicht nur das Stück zu sehen, sondern auch sein Umfeld, seine Entstehung und das alles.
Yang: Ich habe in Korea zwei Jahre studiert und nicht abgeschlossen und dann in Deutschland an der Universität der Künste wieder von vorne angefangen. In Korea versuchen wir uns in der Ausbildung grundsätzlich zu verändern und die Stimme ganz neu zu bilden. Hier lässt man die Stimme mehr sich entwickeln, arbeitet mit der Musikalität und baut auf dem auf, was schon da ist. Das kann ein Vor- oder Nachteil sein. Beides.
Park: In Korea lag der Schwerpunkt auf technischer Perfektion. In Deutschland kommt es mehr auf die Entwicklung des musikalischen Ausdrucks an, was mir sehr entspricht. Außerdem hatte ich am Anfang schreckliches Lampenfieber. Ein großes Problem. Aber ich habe dann auf den Rat meiner Lehrer hin an so vielen Wettbewerben wie möglich teilgenommen, was für mich das Schlimmste war. Ich hab es versucht, versucht, immer wieder. Heute geht es mir damit viel besser.
BZ: Gab es in Ihrem Leben einen Moment, von dem an Sie wussten, ich bin auf dem richtigen Weg?
Petrich: Es gibt immer wieder so Momente, zum Beispiel nach einem Lehrerwechsel. Oft sind es Kleinigkeiten, eine Einladung, ein gewonnener Wettbewerb.
Yang: Leider weiß ich bis heute noch nicht, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich mache das, und ich würde das gerne weiter machen, wenn ich als Sänger bleiben dürfte. Aber ich habe noch keine Sicherheit. Ich habe ja gerade erst meinen ersten Job im Freiburger Ensemble.
Park: Die erste wichtige Entscheidung überhaupt war, nach Deutschland zu kommen. Deutsche Lieder von Schubert und Brahms waren meine große Liebe, und die wollte ich in Deutschland lernen. Dann bin ich durch ein Projekt an die Oper geraten und habe Feuer gefangen.
BZ: Wovon träumen Sie beruflich?
Petrich: Na ja, in dem Beruf ist es schon schwierig genug, da ist es toll, wenn’s überhaupt weitergeht. Interessante Rollen, ja. Vielleicht eine Festanstellung. Auf jeden Fall auch nach dem Opernstudium weiter auf der Bühne singen. Das ist eigentlich schon alles.
Park: Ich möchte nicht, wie viele meiner Kommilitonen, nach dem Studium zurück nach Korea gehen und unterrichten. Ich möchte auf der Bühne stehen bis zum Ende meines Lebens.
Yang: Ich möchte gute Musik machen, wirklich gute Musik. Davon träume ich.

Jongsoo Yang (Bass), Jahrgang 1989, stammt aus Südkorea. Studien in seiner Heimat, in Berlin und derzeit in Freiburg.
Irina Jae-Eun Park (Sopran), Jahrgang 1987, stammt aus Südkorea. Studien in Seoul, Berlin und derzeit in Freiburg.
Amelie Petrich (Sopran), Jahrgang 1989, stammt aus Hagen. Studien in Mannheim und derzeit Freiburg.
Konzert: "Opernstudio live!", Sonntag,
25. März, 12 Uhr, Großes Haus.