KRITIK IN KÜRZE

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Mi, 17. Januar 2018

Theater

"Der Gott des Gemetzels" vom Theater Spielzimmer

Drangvolle Enge herrscht im Wohnzimmer einer Freiburger WG: Auf dem Teppich ist kaum noch ein Plätzchen frei, komfortablere Sitzgelegenheiten sind längst vergeben, trotzdem bimmelt es ununterbrochen an der Haustür. Das 2016 von Schauspieler Michael Barop gegründete Theater Spielzimmer stellt mit Yasmina Rezas "Der Gott des Gemetzels" erstmals seine vierte Produktion vor (Regie: Leon Rüttinger). Hektisch hantieren Barop und Carmen Sobotto als Ehepaar Houillé zwischen Küche und Klo, dann klingelt es noch einmal: Auftritt von Annette und Alain Reille (Jana Skolovski, Dominik Berberich). Die beiden haben sich schick gemacht, pflügen spürbar indigniert durch Schuh- und Jackenberge und bremsen abrupt beim vollgepackten Sofa: Wo bitte sollen sie hier sitzen? Der Grund ihres Besuches ist unangenehm genug: Zwei Schneidezähne hat ihr Sohn dem Sprössling der Houillés mit einem Stock ausgeschlagen – war das nun brutale Gewalt oder nur eine harmlose Jungs-Keilerei? Hautnah ist das Publikum dabei, wenn aus verkrampftem Geplänkel bald verbissener Moralkrieg wird, Masken fallen, Zivilisationsfirnis bröselt, Alkohol und Tränen fließen. Wie dieser Abend auf engstem Raum und mit hohem Tempo eskaliert, ist ebenso böse wie lustig, weil fantastisch gespielt. Die wichtigste Requisite dabei: Der WG-Staubsauger…