KRITIK IN KÜRZE

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Sa, 21. April 2018

Theater

"Cocon – Die Entpuppung" im Freiburger E-Werk

Als Tochter geboren? Als Ehefrau gelebt? Als Mutter versagt? Als Verlassene gestorben? Im Leben nimmt jede Frau verschiedene Rollen an – lebt sie oder legt sie ab, identifiziert sich mit ihnen oder kämpft gegen sie. Das Spiel um Rollen und Identitäten hat jetzt die Frauengruppe des Interkulturellen Theaters Freiburg zu einer Theatercollage inspiriert, die zehn Frauen unter der Leitung von Miriam Lemdjadi und Monika Hermann im Kammertheater des E-Werks aufführten: "Cocon – die Entpuppung". So bunt die Leben sind, die hier in rund 60 Minuten dargestellt werden, sie werden auf ihre Gegensätze verdichtet: Weiß und Schwarz sind die beherrschenden Farben auf der Bühne. Da ist der Dialog der Schwestern, von denen die eine die andere dafür verurteilt, dass sie Liebhaber habe. Oder spricht die Schwester nur von ihren Träumen? Da ist das bittere Gespräch der Tochter mit der Mutter, die nicht einsehen will, dass der Ehemann der Tochter ein brutaler Unterdrücker ist. Oder hat die Tochter sich bislang einfach nicht anvertrauen können? Differenziert und lebensnah sind die Texte, die in einer Schreibwerkstatt entwickelt wurden. Doch auch, wo nicht gesprochen wird, wo sich bewegt und getanzt wird, wo ausdrucksstarke Mimik Zeugnis ablegt, wird sehr deutlich: Die Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen wissen, was sie den Zuschauern zeigen wollen. Bühnenpräsenz und Selbstbewusstsein sind hier zu sehen, den Cocon als Schutzraum braucht jeder Mensch zu Zeiten – dann kann er sich auch daraus befreien.

Noch heute, 21. April, zu sehen: 20.30 Uhr, Kammertheater im E-Werk, Freiburg.