Lethargie und Ausbruch

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 28. Januar 2018

Theater

Der Sonntag E.T.A. Hoffmanns Der goldne Topf als Mix aus Schauspiel, Musiktheater und Tanz.

Eine Hauptfigur, so zerrissen wie ihr Erschaffer: E.T.A. Hoffmanns Novelle "Der goldne Topf", das Kunstmärchen um den Studenten Anselmus, das als das erfolgreichste Werk des Autors gilt, ist ab Freitag in einer Inszenierung von Anna-Elisabeth Frick im Theater Freiburg zu sehen.

Es ist schon erstaunlich, was dieser Anselmus in kurzer Zeit so alles erlebt. Er stolpert in den Korb eines Apfelweibes und wird von diesem verflucht, später von einer gold-grünen Schlange verführt, bei deren Vater er bald eine Anstellung als Schreiber bekommt. Nur ist dieser Vater in Wirklichkeit mehr Zauberer als Archivar und zudem ein aus Atlantis verbannter verwandelter Salamander, der eine seiner Töchter vermählen muss, um zurückkehren zu können. Dann ist da aber noch Veronika, die sich von einer Heirat mit Anselmus verspricht, einmal eine "Frau Höfrätin" zu sein.

"Ich mag die Figur dieses Anselmus, weil sie so durchlässig, so zerrissen ist", sagt Anna-Elisabeth Frick. "Beide Frauen könnten ihn theoretisch gewinnen, die rationale Veronika und die Serpentina, ein Geschöpf aus dem Reich der Fantasie." Anselmus nehme seine Unsicherheit auch wahr, sei einer, der sich nicht zugehörig fühlt, seinen Platz in der Welt nicht gefunden hat. Einer, der die Lethargie einer rationalen und die Abgründe einer fantastischen Welt spürt. "Das berührt mich", sagt Frick. "Weil wir uns mit unseren Sehnsüchten ja alle zwischen dem Wunsch nach Verlässlichkeit und dem Bedürfnis nach Ausbruch bewegen."

"Der goldne Topf" von Frick wird eine im heutigen Freiburg spielende "Interpretation zwischen Schauspiel, Tanz, Musiktheater und Performance" werden, verspricht die Ankündigung. "Ich arbeite gerne spartenübergreifend", sagt die 28 Jahre alte Regisseurin. Zudem inszeniere sie in Freiburg an einem Haus, in welchem das gut möglich sei. Und nicht zuletzt ist ja auch der Autor Ernst Theodor Amadeus Hoffmann ein Universalkünstler gewesen, einer, der wohl lieber noch Komponist als Autor gewesen wäre. Und vor allem war der Romantiker lieber Künstler als Jurist. Hoffmann war unter anderem auch Kammergerichtsrat, kannte die Gepflogenheit im preußischen Staatsdienst, und der Widerstreit zwischen dieser nüchternen realen und einer Fantasiewelt ist etwas, was sich durch einen Großteil des Werkes von Hoffmann zieht.

Abwechselnd werden die Sopranistinnen Samantha Gaul und Katharina Ruckgaber als Serpentina zu hören sein, vom Film- und Bühnenmusiker Leonard Küßner stammt eine Komposition, die unter anderem einen Musical-Song enthält, in welchem die Veronika (Stefanie Mrachacz) von ihrem Traum, in Freiburg-Herdern zu leben, singen darf. Und der Tänzer und Choreograph Graham Smith wird als Heerbrand die rationale Welt verkörpern, die sich die Veronika erträumt.

Zahlreiche spirituelle und mythologische Anspielungen durchziehen das Werk von Hoffmann, auch Ansätze der Psychoanalyse finden sich darin. "Der goldne Topf" zählt auch zu den Abitur-Sternchenthemen, wodurch sich das Theater weitere junge Besucher erhofft. "Es wird viele Möglichkeiten zum Diskutieren geben", verspricht Frick.
Der goldne Topf, Uraufführung am Freitag, 2. Februar, 20 Uhr, Theater Freiburg, Kleines Haus, viele weitere Vorstellungen, Karteninformationen unter 0761 / 496 88 88.