Vergebliche Schatzsuche

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Mo, 12. März 2018

Theater

Julia Hölscher inszeniert die Uraufführung von Dai Fujikuras Kinderoper "Der Goldkäfer" in Basel.

"Ich verstehe kein Wort", singt der junge Tenor Matthew Swensen als Sam. "Ein Mysterium" raunt Anastasia Bickel in der Rolle seiner weißhaarigen Großmutter Anneli. Die neue Oper "Der Goldkäfer" von Dai Fujikura, ein Auftragswerk der Basler Musikhochschule, ist zur Hälfte vorbei, da fallen diese Sätze, die dem rätselhaften, rund 80-minütigen Musiktheaterabend "für junge Menschen ab 8 Jahren" als Überschrift dienen könnten.

Eigentlich beziehen sie sich auf eine Geheimschrift, die den entscheidenden Hinweise zur Schatzsuche geben sollte. Und auf die Rätselhaftigkeit im Allgemeinen. Der Versuch, aus einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe (Libretto: Hannah Dübgen) eine spannende Abenteuergeschichte für Kinder zu machen, scheitert jedenfalls auf der ganzen Linie. Das einzig Kindgerechte findet sich im aufklappbaren Programmheft, das zu einer Piratenkarte wird und Basteltipps bereit hält. Wenn man eine Oper nur durch den Text erzählt, dann sollte dieser so verständlich wie möglich sein.

Leider bedarf es höchster Konzentration, die mit großem Vibrato gesungenen Worte, die Dai Fujikura fast als Karikatur von Operngesang anlegt, zu entschlüsseln. Es gibt keinen normalen Erzählton in diesem Werk und keinen gesprochenen Text. Zudem wird auf eine Übertitelung verzichtet, so dass man auf dieser Schatz- und Sinnsuche ziemlich verloren ist. Auch die Geschichte selbst ist von äußerst begrenztem musiktheatralischem Wert. Lilith landet mit ihrem Vater Albert auf einer Insel, wo sein Kumpel William einen seltsamen Goldkäfer (in Basel eine brennende Glühbirne) entdeckt hat, der auf seinem Totenkopf-Rücken Hinweise zu einem Goldschatz gibt. Am Ende werden Schokotaler in die Luft geworfen und das fünfköpfige Ensemble des Basler Opernstudios OperAvenir singt: "Mich hat der Goldkäfer gebissen".

Zu hohe Reizdichte

Mühevoll erzählen Lilith und Sam von ihrer Vorgeschichte – beide haben unter anderem ihre Mutter verloren. Und geben sich als Leidensgenossen einen Kuss. Dazu spielen die mit einem Piratentuch geschmückten Studenten der Musikhochschule Basel eine mäandernde, kleinteilige Musik, die das Bühnengeschehen kaum stützt, wenig Suggestionskraft entfaltet und häufig eine zu hohe Reizdichte hat. In den ruhigen Momenten, wenn Sarah Brady als Lilith mit vielen Zwischentönen über ihr Schicksal sinniert oder mal ein Cello mit einer einfachen Linie berührt, kann der japanische Komponist noch am ehesten zum Hören verführen (Dirigent: Stephen Delaney). Regisseurin Julia Hölscher hat auf der leeren, mit einem runden Vorhang umgrenzten Bühne keine Ideen, die die Geschichte spannend machen könnte. Ein bisschen "Fluch der Karibik" im Kostüm von William (markant: José Coca Loza), ein wenig Augenrollen und Stirnrunzeln, ein Tuch als Segel, ein dampfender Schacht als Ausgangspunkt und Ziel der Schatzsuche (Kostüme und Bühne: Susanne Scheerer). Domen Krizaj ist ein massiver, gelegentlich dröhnender Bass, Matthew Swensen (Sam) ein hell timbrierter Tenor.

Folgevorstellungen werden von Basler und einem Freiburger Gesangsstudenten (Luca Festner) übernommen, was eventuell die Textverständlichkeit verbessern könnte. Aber der Fehler liegt im System, nicht in der Ausführung.

Weitere Vorstellungen: 15., 18., 19., 25. 3., Kleine Bühne. http://www.theater-basel.ch