Zerbröseltes Geburtstagsgeschenk

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Mi, 16. November 2016

Theater

Bernd Bosse inszeniert das Familienstück "Pinguine können keinen Käsekuchen backen" im Freiburger Spielraum.

Das Personal dieses Stücks ist – gelinde gesagt – ungewöhnlich: Zwei Pinguine, ein kurzsichtiger Maulwurf, ein Huhn und ein Staubsauger, der Öl verliert. In Bernd Bosses Freiburger Spielraum erobern sich zu allererst die Pinguine, gespielt von Oliver Lange und Bastian Wienands, die von drei Seiten vom Publikum begrenzte Bühne. Vorsichtig strecken die ulkigen Vögel die Köpfe, auf denen weiße Basecaps sitzen, nach vorn und ziehen sie wieder zurück. Ihre Arme und ihre Beine bewegen sich stakkatohaft vorwärts, die aus den Ärmeln der schwarzen Kapuzenpullis gebastelten Flügel wippen seitlich an den Latzhosenträgern entlang. Die ersten Lacher aus dem Publikum belohnen den Auftritt.

Ulrich Hubs Familienstück "Pinguine können keinen Käsekuchen backen" ist 2001 uraufgeführt worden. Mit dem Titel ist schon viel gesagt: Die beiden Pinguine, die sich nun auf die Bühne vorgewagt haben, sehen in der Mitte auf einem Podest einen Käsekuchen stehen. Er sieht köstlich aus – finden nicht nur die beiden Schauspieler! Aber, wenn er weg ist, ist er weg – Pinguine können ja keinen Käsekuchen backen! Obwohl es den Pinguinen von Anfang an bewusst ist, dass sie etwas unerlaubtes tun, machen sie sich über den Käsekuchen her und futtern große Teile von ihm auf. Nun kommt der kurzsichtige Maulwurf (Karl Hagdorn) auf die Bühne. Er hat Geburtstag und freut sich auf den bestellten Käsekuchen, den er ganz alleine aufessen will. Die Pinguine haben alle Hände voll zu tun, den Maulwurf mit seinem Taststock von den krümeligen Resten des Kuchens fern zu halten.

Das Huhn legt mit viel Getöse ein Ei

Einen großen Auftritt haben – auch dank der tollen Kostüme von Lilly Bosse – nun noch das kunterbunte, neunmalkluge Huhn (Heike Witt) und ihr "Schatz", der Staubsauger. Claudia Fröhlich spielt ihn mit einer urkomischen Mischung aus Arbeitseifer und Phlegmatismus – immer mit sprechender Mimik!

Aus der fein herausgespielten Komik der Figuren, die in dieser Konstellation wohl in keinem anderen Theaterstück der Welt zusammentreffen, ergibt sich schon der Witz des Stücks: Eigentlich geht es gut 80 Minuten lang nur darum, dass jemand etwas klaut und nicht zu seinem Fehler stehen mag – aus Angst vor Bestrafung, aus Angst davor, nicht mehr gemocht zu werden. Regisseur Bosse hat seinen Schauspielern viel Zeit zur Entwicklung verordnet. So werden die Schwächen der Figuren sorgfältig herausgespielt.

Kinder werden "Pinguine können keinen Käsekuchen backen" mögen, weil sie ohne Probleme der Handlung folgen können, weil es genug zu schauen gibt und weil es ordentlich zur Sache geht, wenn die Pinguine sich streiten, der Herr Maulwurf partout seinen Käsekuchen essen will oder das Huhn mit großem Getöse ein Ei legt. Aber auch für Erwachsene ist das Stück ein Gewinn – weil es eine gar nicht so ungewöhnliche Situation auf originelle Weise aufspießt und mit viel Humor und Mut zur plakativen Darstellung zuspitzt. Dafür gab es vom Premierenpublikum viel Applaus.

Weitere Aufführungen: 25., 26. Nov, 20 Uhr, 27. Nov. 16 Uhr, 16., 17. Dez, 20 Uhr, 18. Dez, 16 Uhr. Karten: Tel. 0761/286305.