Bürger machen Angebote für Bürger

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Do, 06. Juli 2017

Titisee-Neustadt

Spielen, Wandern, Musizieren und mehr: Die Badische Zeitung hat an einigen Stationen der "Woche des Ehrenamts" vorbeigeschaut.

TITISEE-NEUSTADT. Eine Reihe von Angeboten machen die Vereine in der "Woche des Ehrenamts". Sie richten Veranstaltungen aus und laden die Bevölkerung ein, sich zu informieren, zu hören und schauen – oder Unterhaltung zu genießen. BZ-Mitarbeiterin Eva Korinth hat hier und dort vorbeigeschaut.



Alt und Jung

Zum gemeinsamen Spielen hatten die Träger-und Fördervereine Seniorenbegegnungsstätte und Jugend eingeladen. PC-Ratespiele waren vorbereitet für einen Wettstreit zwischen Jugend und Senioren, Kartenspiele lagen bereit und wurden rege genutzt für Cego, Canasta und Rommé. Jeder Tisch der Seniorenbegegnungsstätte war besetzt. 29 Ältere und fünf Jugendliche hatten Spaß. Beim Dalli-Klick und Memory, gesteuert durch Karl-Heinz Siemes am Computer, rauchten die Köpfe. Kakadu, Katze mit Entenküken, ein Foto von Alt-Neustadt sowie ein Foto aus dem Filzkurs von Senioren und Jugend musste erraten werden. Im Wettstreit der Generationen hatte die Jugend die Nase ein Stück weiter vorn.


Immer der Raute nach

Das Zeichen führt den Wanderer durch den Schwarzwald. Es steht für eine ausgeklügelte einheitliche Markierung der Wanderwege. Das Wegesystem 2000 stammt von Manfred Mutter, dem stellvertretenden Hauptwegewart des Schwarzwaldvereins für das Pilotprojekt "Hotzenwald". Der Schwarzwaldverein Löffingen griff das System zuerst im Hochschwarzwald auf. Nikolaus Bliestle, Vorsitzender und Wegewart des Schwarzwaldvereins Neustadt, erklärte erst die Theorie und führte dann eine Wanderung. Unüberschaubar seien die Wanderwege davor gewesen, erfuhr man: ein Sammelsurium aus allen Gemeinden. Das jetzt einheitliche System lenkt die Wanderer sicher, ist gemeindeübergreifend und ermöglicht individuelle Tourengestaltung. Wie ein Schachbrett ist es eingeteilt, und an jedem Knotenpunkt kann man in verschiedene Richtungen aufbrechen. Die Ziele auf den Richtungsweisern sind nach Entfernungen aufgebracht, ähnlich den Autobahnschildern. In Sichtweite der Richtungsweiser und unterwegs gibt es überall die Gelbe-Raute-Symbole. "Das ist ein Beruhigungszeichen", sagt Bliestle, dann weiß der Wanderer, er ist richtig. Dann setzte sich die sechsköpfige Gruppe in Bewegung. Die Wanderung sollte zwei Stunden dauern, mit Einkehr. Doch sie war so interessant, dass dreieinhalb Stunden daraus wurden. Es war nicht die erste Aktion des Schwarzwaldvereins Neustadt in der Woche. Die Wanderung auf den Spuren der Kelten hatte 20 Teilnehmer.

Proben hautnah

Einen "Blick unter die Motorhaube, wie’s funktioniert", versprach Thomas Vogelbacher als Vorsitzender der Stadtmusik Neustadt dem Publikum auf dem Hansjakobschulhof. Die offene Musikprobe lockte im Wechsel 20 Zuhörer an. Ein Teil ging nach einer Stunde, dafür kamen die Sänger der Schwarwälder Gospel Singers, die in der Realschule geprobt hatten, neugierig dazu.

Sie erlebten, wie Dirigent Klaus Stoy mit den Musikern Sequenzen der Musikstücke erarbeitete, von Takt zu Takt. Das Publikum saß wie gebannt und staunte ob des Gehörs des Dirigenten, der nach einem Einspielstück, Instrumentengruppe für Instrumentengruppe C, F und B spielen ließ: "Haltet den Ton" forderte er die hinteren Klarinetten auf. "Hörst du’s? Du musst noch etwas tiefer", mahnte er eine "zu hohe" Klarinette. "Bitte mezzoforte", bat er die Tuben. Zwei Spielerinnen der Jugendkapelle verfolgten die Probe. "Er macht das genauso, wie bei uns und im Vororchester", fanden sie. Sie freuen sich darauf, demnächst bei den Großen mitspielen zu dürfen. Geprobt wurden Stücke, die am Samstag am Schurthplatz und am 30. Juli beim Pfarrfest gespielt werden. Es waren zwei Stunden Kurzweil.



Leben retten

Mit einem "Schnupper"-Erste-Hilfe-Kurs beteiligte sich das Rote Kreuz. Der Nachmittagskurs mit Kinderbetreuung fiel mangels Interesses aus, am Abend kamen neun Interessierte auf den Hansjakobschulhof.

Bereitschaftsleiterin Marion Benitz und fünf Rotkreuzhelfer gaben Erläuterungen und stellten sich als Opfer für die praktischen Übungen zur Verfügung. Die Teilnehmer stellten viele Fragen. Zur Herz-Lungen-Wiederbelebung beispielsweise hieß es: "Ja, was ist, wenn ich so tief drücke und die Rippen brechen?" Das mache nichts, sagte Benitz, Rippen brächen bei der Wiederbelegung schon häufiger – aber besser die Rippen gebrochen als das Leben verloren. Der Brustkorb muss bei der rhythmischen Wiederbelebung fünf Zentimeter gedrückt werden.

Gezeigt wurden zudem, wie ein Bewusstloser in die stabile Seitenlage gelegt wird, wie ein Verunglücker warm eingepackt wird und wie ein Motorradhelm vom Kopf gezogen wird.

Auch die Handhabung des Defilibrators konnte geübt werden. Hier zeigte sich, dass die Zuhörer gehörigen Respekt vor dem Gerät haben. Es ist aber einfach zu bedienen, es spricht und gibt die Handgriffe und Schritte vor – so stellt es eine echte medizinische Unterstützung dar. Bei Übungen wurde das Gehörte und Gesehene praktisch umgesetzt. Alles hat man zwar einmal gelernt, und es ist auch nicht schwer – aber man ist eben ungeübt. Beim DRK kann dieses Wissen aufgefrischt werden.



Musiker als Sänger

Blasmusik vom Feinsten erklang beim Frühschoppenkonzert am Sonntag im Seniorenzentrum St. Raphael. Das Seniorenorchester Hochschwarzwald spielte im großen Saal unter der Kapelle auf. Fast passten die Musiker nicht auf die Bühne, und nur wenige Zuhörerplätze waren nicht besetzt. Die Senioren, Hausmitarbeiter und Gäste wurden mit einem Strauß an Melodien erfreut. Die Musiker sangen soar. Vizedirigent Johann Meister schwang den Taktstock, da Dirigent Wolfgang Spiegelhalder beim Schlagzeug einspringen musste. Kräftiger Applaus war der Lohn für die Musiker.