Ein Leben für die Kunst

Wendelin Schnitzler

Von Wendelin Schnitzler

Mo, 10. September 2018

Titisee-Neustadt

Antonio Colucci malt seit 30 Jahren in Titisee – ein Besuch in seinem Atelier.

TITISEE-NEUSTADT. Es ist ein halbes Leben und doch nicht genug, um alles ausprobiert zu haben. Antonio Colucci lebt seit 30 Jahren in Titisee für und von seiner Kunst. Ausgelernt hat man als Künstler nie. Immer wieder entdeckt Colucci etwas Neues, probiert neue Techniken, Perspektiven und Stile aus. Auch mit 69 Jahren denkt er nicht an Ruhestand.

Antonio Colucci ist der einzige Künstler in Titisee. Konkurrenz braucht er also nicht zu fürchten. Dennoch gehen die Verkaufszahlen seit einigen Jahren stetig zurück. "Die besten Jahre waren die 90er, da war ich am Ende vom Jahr fast immer ausverkauft", erinnert er sich an finanziell erfolgreichere Zeiten. Spätestens mit der Finanzkrise wurde das Geschäft schwieriger. Ernste Geldsorgen hatte Colucci in seiner gesamten Zeit als Künstler jedoch nie. Besonders gut verkaufen sich seine Landschaftsgemälde mit romantischen Schwarzwaldmotiven. Blumenstillleben gingen ebenfalls immer gut. Portaits malt Colucci nicht: "Die Kunden kaufen nichts mit Leuten."

Für die Malerei hat sich der gebürtige Italiener schon immer interessiert. Schon als Kind, damals noch in seinem Heimatort Martina Franca, südlich von Rimini, war er von den großen Künstlern begeistert. Obwohl er von allen am besten zeichnen konnte, war nicht daran zu denken, auf eine Kunstschule zu gehen. Da sein Vater früh verstarb, musste seine Mutter ihn und seine fünf Geschwister alleine großziehen. Viele Kinder in seinem Dorf gingen nicht zur Schule, Colucci immerhin sechs Jahre, lebte einige Jahre im Heim. Mit Mitte zwanzig schließlich kam er nach Deutschland, lernte das Küfer-Handwerk und heiratete seine erste Frau und fand mehr Zeit zum Malen. Mit Mitte 20 eröffnete er seine erste Ausstellung in Riegel. Damit hatte er seine wahre Berufung gefunden, kündigte seinen Job und lebte fortan vom Verkauf seiner Bilder.

In seinen 30 Jahren als Künstler in Titisee ist Colucci viel herumgekommen, hatte Galerien in verschiedenen Hotels und im alten Rathaus. Seit vier Monaten residieren seine Bilder in einem kleinen Häuschen in der Jägerstraße, unweit des Bahnhofes. Touristen kommen an dieser Stelle kaum vorbei. Auf die ist er jedoch angewiesen. Deshalb sucht er nach einem günstiger gelegenen Platz. In etwa einem halben Jahr, so hofft er, hat er etwas Neues gefunden.

Im Schnitt malt Colucci ein Bild pro Tag. Um das zu schaffen, braucht es viel Disziplin und einen festen Rhythmus. Immer gegen 10 Uhr betritt er seine Galerie und beginnt zu malen. Nach einer kurzen Pause mit Espresso beim Italiener um die Ecke geht es wieder an die Arbeit. Jeden Tag malt er so etwa fünf Stunden lang, immer an mehreren Bildern gleichzeitig. Derzeit haben es ihm besonders Winterlandschaften angetan. "Die sind immer schöner geworden - früher habe ich einfach nur weißen Schnee gemalt, jetzt achte ich mehr auf Schattierungen und Lichteffekte."

Seit drei Jahren interessiert er sich auch für moderne Kunst. Zwei Frauen, denen er in einem Kurs das Malen beibrachte, haben ihn darauf gebracht. Sie wollten auch abstrakte Bilder machen. Und so nahm er die moderne Kunst schrittweise in sein Repertoire mit auf. "Am Anfang habe ich viel ausprobiert und viel wieder weggeschmissen, aber inzwischen bin ich sehr zufrieden." Fünf bis sechs abstrakte Bilder verkauft er bislang pro Jahr. In Zukunft möchte er das ausweiten. Moderner sollen auch seine Landschaftsbilder werden, mehr in Richtung Impressionismus. Dann gerne auch mit Menschen.

Antonio Colucci stellt ab heute, Montag, im Kurhaus Titisee seine Werke aus. Diese können bis Sonntag, 16. September, täglich von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.