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21. Juli 2011
Ein wahrer Freund des Jazz
Der Musiker Hawe Schneider ist im Alter von 81 Jahren gestorben.
LENZKIRCH. Hätte er das Jazzen als einträglichen Beruf verstanden und nicht als sein heißgeliebtes Hobby, hätte er die Posaune wahrscheinlich an den berühmten Nagel gehängt, bevor er den Jazz in den Schwarzwald brachte und in Lenzkirch seine zweite und damit letzte Heimat fand. Jetzt hat er sein geliebtes Instrument für immer aus der Hand gelegt. Hawe Schneider ist am Sonntag im Alter von 81 Jahren nach mehrjähriger schwerer Krankheit gestorben.
Hawe, der mit richtigem Vornamen Hans-Wolf hieß, legte bei aller Lust am Musizieren immer größten Wert darauf, dass sauber gespielt und korrekt improvisiert wurde. Das "Spielen vom Blatt" behagte im wenig. Vor allem in seinen gefühlvollen Improvisationen, instrumental und vocal, offenbarte er seine ganze musikalische Persönlichkeit, die sein künstlerisches Wirken von Beginn an prägte.
Geboren wurde er 1930 in Leipzig. Sein konservatives Elternhaus gab ihm den Vornamen Hans. Wäre es dabei geblieben und hätte es nicht den zweiten Namen "Wolf" gegeben, so dass er sich Hans-Wolf nennen konnte, wäre dies, so schreibt er in seiner 1985 erschienenen Biografie "...und abends Swing", ein schlechter Start für eine Künstlerlaufbahn gewesen. Sein ihm von seinem Vater vererbtes musikalisches Talent setzte er anfangs auf dem Akkordeon und auf der Geige um und gründete ein Swing-Ensemble, mit dem er bei einem Musikwettstreit in Leipzig Erster wurde. 1950 schenkte ihm seine Mutter eine Posaune, auf der er es zu großer Professionalität brachte und die ihn sein langes Jazzerleben begleiten sollte.
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"Feetwarmers" nannte sich seine neue Band, in der er erstmals als Posaunist auftrat. 1951 wurden daraus die "Spree City Stompers", an die sich vor allem die älteren Jazzfreunde erinnern werden. Als Hawe Schneider 1952 in einer Kriegsruine in Schöneberg das Jazzlokal "Eierschale" gründete, in der bald Jazzlegenden wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Duke Ellington und Kid Ory mit ihm auftraten, war dies für die Berliner Jazzszene der Aufbruch in eine neue Zeit, was man dort nie vergessen hat: Mehrere Hawe-Porträts schmücken die Wände der neuen "Eierschale" in Dahlem. In den Folgejahren wuchs Hawes Popularität. Zahlreiche Tourneen, auf denen er immer wieder mit internationalen Jazzgrößen zusammentraf – die Liste solcher Begegnungen ist fast unendlich –, führten ihn ins Ausland und nach Übersee. Ein Übriges taten Auftritte der "Spree City Stompers" in neun Musikfilmen unter anderem mit Bibi Johns, Peter Alexander und Horst Frank sowie in zahlreichen Fernsehshows.
1971 wurde Hawe Lenzkircher. Kurz danach gründete er die "Evergreen Juniors", eine siebenköpfige Band, die bald Farbe in das Lenzkircher Musikgeschehen bringen sollte. Ihr folgte "Hawes Jazzband", eine Dixieland- und Swingformation mit Musikern aus der Region, die vor allem regelmäßig im Kurprogramm von Titisee-Neustadt auftrat und auf Tourneen an Nord- und Ostsee die Werbetrommel für den Schwarzwald und "Die Vier Schönen" rührte. Von seinen vielen Beziehungen zu Musikern der internationalen Oldtime-Jazzszene profitierte nicht zuletzt der Schwarzwälder Jazzsommer.
Am 4. August 2007 war er ein letztes Mal auf der Posaune zu hören, bei einem Konzert in Titisee. Der Jazz habe ihn seine besten Jahre gekostet, erklärte er einem Journalisten und fügte hinzu, dass der Jazz ihm gleichzeitig ein Leben gegeben habe, das es nur noch in Büchern gebe und auf das er nicht verzichten wolle. Auf jeden Fall wolle er noch einen Pflock in die deutsche Jazzgeschichte schlagen. Dieser Wunsch blieb unerfüllt. Hawe Schneider hat sich dennoch um den Jazz verdient gemacht.
Autor: Hermann Janßen
