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01. März 2013 19:29 Uhr

An den Brandherd

Hochschwarzwald: Freiwillige Feuerwehr wirbt um Frauen

Der Großteil der Feuerwehrleute im Hochschwarzwald ist männlich – das soll sich ändern: Wegen Nachwuchssorgen werben die Freiwilligen Feuerwehren gezielt um Frauen. Doch es gibt Vorbehalte.

  1. Plakate wie dieses waren Teil der Kampagne „Frauen am Zug“, die für mehr Akzeptanz für Frauen in der Feuerwehr warb: Foto: Privat

Die nächste Männerbastion fällt. Frauen in der Feuerwehr, das ging lange Zeit nicht zusammen. Aber die Zeiten ändern sich. Inzwischen arbeiten in vielen Gemeinden Damen in der Wehr. Jetzt sind die Hochschwarzwälder Freiwilligen Feuerwehren sogar gezielt auf der Suche nach weiblichen Mitgliedern. Weil sich vielerorts das veraltete Rollenbild ändert. Aber auch, weil es den Wehren an Nachwuchs fehlt.

Reine Männersache? Das gilt in der Feuerwehr nicht mehr. Unter den bundesweit mehr als einer Millionen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren sind fast 85.000 Frauen. Das sind immerhin mehr als acht Prozent.

Frauen sollen gezielt angesprochen werden

Auch im Hochschwarzwald arbeiten Frauen aktiv bei der Brandbekämpfung mit. Noch trifft man nur vereinzelt auf sie. Das soll sich in den nächsten Jahren aber ändern. Zumindest wenn es nach den Kommandanten in der Region geht. Viele wollen in Zukunft gezielt versuchen, Frauen für die Feuerwehrarbeit zu gewinnen. Denn so manche Wehr hat ein Nachwuchsproblem. Auf die Hälfte der jungen Leute zu verzichten, nur weil sie weiblich sind, das geht in Zeiten des demografischen Wandels nicht mehr. "Wir müssen alles Mögliche versuchen, damit Frauen bei uns mitmachen", sagt Gotthard Benitz, der Kommandant der Feuerwehr Titisee-Neustadt. "Vor 25 Jahren hätte es da vielleicht noch Protest gegeben. Aber das ist heute nicht mehr so", sagt der Kommandant. "Das wird sich über den Nachwuchs regeln müssen", sagt Benitz. In der Jugendwehr sind fünf von 28 Mitgliedern Mädels, stolze 17 Prozent.

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Der Feuerwehrkommandant von Breitnau, Alexander Kleiser, will in näherer Zukunft die Damen der Gemeinde gezielt ansprechen. Mit vielen Neuen rechnet er auf Anhieb nicht. "Wenn ein oder zwei aufspringen würden, wär das schon toll", sagt er. Mittelfristig müsse es gelingen, Frauen schon in der Jugend einzubinden.

Es gibt keinen Masterplan

In Hinterzarten sind drei aktive Damen sind in der Mannschaft. Für den Kommandanten Erich Steiert können es gerne mehr werden. Bei der Suche nach Verstärkung soll aber gar nicht erst zwischen Männlein und Weiblein unterschieden werden. "Wir wollen junge Menschen ganz allgemein für uns gewinnen", sagt Steiert.

Wie das genau passieren soll, dafür gibt es im Hochschwarzwald noch keinen Masterplan. Die Wehren bauen auf Mundpropaganda, wollen junge Frauen in ihren Gemeinden einladen und ansprechen, in Schulen werben oder auf Flyern aufmerksam machen. Der Stein soll ins Rollen gebracht werden.

So ganz überwunden ist die chauvinistische Denke, Frauen hätten in der Wehr nichts verloren aber nicht. Auch im Hochschwarzwald gibt es Frauen, deren Interesse an der Wehr mehr oder weniger brüsk eine Abfuhr erteilt wurde. Sie wollen nicht, dass ihr Fall mit Name in der Öffentlichkeit erscheint.

"Wir müssen alles Mögliche versuchen, damit Frauen bei uns mitmachen"

Gotthard Benitz, Feuerwehrkommandant Titisee-Neustadt
Für Silvia Darmstädter ist das keine Überraschung. Sie ist Pressereferentin des Deutschen Feuerwehrverbandes und war über Jahre verantwortlich für das bundesweites Projekt Frauen am Zug: Das Projekt sollte Frauen für die Feuerwehr gewinnen und warb für die Akzeptanz von Frauen in dieser Männerwelt. "Das gibt es immer wieder. Oft werden Hindernisse aufgebaut, die es eigentlich nicht gibt. Beispielsweise, dass es keine getrennten Duschen gibt. Zur Not kann man sich abwechseln und ein Schild an die Tür hängen", sagt sie.

Auch dass es keine separaten Umkleiden für Damen gibt, ist für sie kein Argument. "Wer, wenn der Alarm losgeht, wirklich Zeit hat nach links oder nach rechts zu schielen, der sollte sich fragen, ob er an der richtigen Stelle ist", sagt Darmstädter. Auch dass Frauen körperlich dem Job nicht gewachsen seien, ist für Darmstädter Unsinn. "Der Job besteht nicht nur aus körperlicher Arbeit. Es gibt viele verschiedene Nischen. Und die Ausrüstung ist in den vergangenen Jahren um einiges leichter geworden", sagt Silvia Darmstädter vom Feuerwehrbundesverband.

Dass Frauen auch für härteste Einsätze bestens gewappnet sind, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Region. Ramona Benitz von der Feuerwehr Neustadt wurde gerade mit dem Feuerwehr-Ehrenkreuz ausgezeichnet. Bei der Brandkatastrophe in der Caritas-Werkstätte gehörte sie zu den ersten Atemschutzträgern, die in den besonders stark brennenden Raum vordrangen.

Doch auch wenn das Verhältnis Frauen und Feuerwehr besser zu werden scheint, Berührungsängste gibt es. Von beiden Seiten. Ernst Fechti, Kommandant der Wehr aus Löffingen glaubt, dass "die Jugendwehr oft nicht die Welt von jungen Mädchen ist. Dabei sind sie uns wirklich willkommen. Ich glaube, es müssten mehrere Mädchen auf einmal eintreten, um da eine Gruppendynamik reinzubringen."

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Autor: Sebastian Wolfrum