Jobstartbörse in Neustadt

Hören, schauen und fragen

Eva Korinth

Von Eva Korinth

So, 21. Oktober 2018 um 15:42 Uhr

Titisee-Neustadt

Zu früh sei es ihm eigentlich um 9 Uhr, sagt der 15-Jährige, dazu Samstag und für ihn eine Schulpflichtveranstaltung, außerdem habe er einfach zu kurz geschlafen. Er betritt durch den Hintereingang die Hans-Thoma-Schule und damit die Jobstartbörse. Informationen zu 231 Ausbildungsberufen aller Branchen werden geboten.

Infoscouts bieten ihre Unterstützung an. Die Auszubildenden Anis (Mesa Parts), Celina (Sparkasse), Laura (Frei Lacke), Alisa (Framo Morath) und Laura (Sparkasse) berichten, viele Acht- und Neuntklässler "haben keine Ahnung, was sie später beruflich machen möchten". Andere Schüler, die wissen, was sie wollen, weisen sie direkt zur entsprechenden Firma.

Neben dem Haupteingang kann bei Testo jeder Hand anlegen an einer Wärmebildkamera. Yi Xu (15 Jahre alt), Neuntklässler der Hebelschule hört aufmerksam Oliver Kaltenbrunner zu. "Wo geht’s mit Ihnen hin? Haben Sie eine Idee, wo Sie beruflich hin wollen?", fragt der. Mathe sei seine Richtung, Informatik, sagt Yi Xu, denn den PC möge er. Anita Brühlmann, Klassenlehrerin der 9c der Hebelschule, unterstützt ihre Schüler. "Es ist Zeit, dass sie sich für einen Beruf interessieren. Wir haben den Besuch für alle Neuntklässler zur Pflicht gemacht. Viele wissen nicht, was sie lernen wollen, einige zum Glück schon. Ich helfe denen, die sich nicht trauen Ausbilder und Azubis anzusprechen."

Am Stand von BZ Medien stehen Niklas (14) von der Hebelschule und sein Vater Markus Rombach. Sie informieren sich über den Beruf Medienkaufmann. Niklas’ Entscheidung ist allerdings schon auf der Jobstartbörse 2017 gefallen. Dort lernte er die Dachdeckerfirma Metzler kennen und bekam ein Praktikum, er hat den Lehrlingsvertrag bereits in der Tasche. Trotzdem gefällt ihm die Börse. Maurice Jan informiert Lasse (15), Realschüler, über die Ausbildung zum Medienkaufmann: Wie ist die Arbeit, wie der Zusammenhalt, was verdient man, welche Voraussetzungen muss man mitbringen. Hauptsächlich ist Lasse gekommen, um etwas über den Bankkaufmann zu erfahren, genau deshalb findet er die Börse gut, sie bietet umfassend Information.

Familie Hog ist gemeinsam unterwegs. Ihre 13-jährige Tochter Sylvia, Realschülerin, interessiert sich fürs Hotelfach. Vom angehenden Hotelfachmann Christopher Landenberger vom Schwarzwaldhotel erfahren sie alles über die Ausbildung. Kevin (15), Realschüler, kann sich den Beruf Koch gut vorstellen. Beim Parkhotel Adler füllt er seine Anmeldung zum Praktikum aus, hat zudem viele Fragen an den Auszubildenden Lukas Schnekenburger in der Kochjacke und zum Berufsbild Restaurantfachmann an Giusi Wasmer. Die ist im dritten Ausbildungsjahr und spricht grundsätzlich jeden an, der in ihre Richtung blickt, denn viele hätten Angst und trauten sich nicht zu fragen. "Ich probiere, jeden für die Hotelbranche zu interessieren." Mit Sohn Steven (14) ist der Schluchseer Andreas Hinz am Stand von Atmos Medizintechnik gelandet. Dort geben Fabienne Badnarz als angehende Industriekauffrau und Personalreferentin Jozefa Kokotec Auskunft. Kfz-Mechatroniker ist Stevens Wunschberuf. Hinz findet das Berufsangebot auf der Börse riesig. Viele Schüler würden sich nur informieren, weiß Kokotec, einige wüssten schon, welche Richtung sie wollten. Es sei wichtig, auf die Schüler zuzugehen.

Regina Wasmer vom Neustädter Kindergarten St. Elisabeth ist mit der Auszubildenden Vanessa Uhlmann da und spricht viele Schüler an: "Ich kenne ja viele von früher, die waren bei mir." Uhlmann wird immer wieder nach ihren Beweggründen gefragt, warum sie Erzieherin werden will. Ein Teil der Schüler ist mit einem Fragebogen in der Hand unterwegs. So prasseln immer wieder Fragen auf das Duo.

Bei Frei Lacke ist man Lackhersteller, nicht Lackierer, das muss Andreas Heizmann immer wieder erklären. Tom (14) von der Hebelschule hat Interesse an Chemie und befragt Zlatko Hustic, Ausbilder für Chemikanten und Produktionsfachkraft Chemie.

Im Freien hat sich neben Althaus Garten- und Landschaftsbau mit einem Bagger zum Ausprobieren, den Infobussen der Dachdecker und Bauwirtschaft, der Forstwirtschaft, den Vermessungstechnikern und Straßenwärtern die Feuerwehr mit ihrem Drehleiterfahrzeug aufgestellt. Sie wirbt für das Ehrenamt, aber auch für den Berufsfeuerwehrmann. "Hier ist heute unsere Zielgruppe", sagt Kommandant Andreas Reiner. In vielen Gesprächen stellen die Feuerwehrleute, unter ihnen Berufsfeuerwehrmann Tobias Missfelder, die Ausbildung und Spezialisierung dar. Information verpackt in Spiel und Erlebnis, begeistert in den Infobussen. Beim Forst dröhnen die Kettensägen. Am Stand der Straßenwärter füllt Jonas (16), Gewerbeschule der Hans-Thoma-Schule, seine Anmeldung zum Winterpraktikum aus. Für ihn ist es der Beruf, "man ist draußen, bedient große Maschinen und arbeitet viel im Team", weiß er von seinem Sommerpraktikum. Stefan Isele bestätigt das. Der Schreiner hat gewechselt.

Selbermachen ist die Devise in Holz- und Elektrowerkstätten. Im Fachbereich Holz können Schreibtischablagen hergestellt werden: CNC-Maschine bedienen, von Hand schleifen, abkanten, bohren, mit dem Pinsel das Werkstück einölen. Die Schüler der einjährigen Berufsfachschule Holz begleiten jeden Workshopper und erläutern auch die Räume. Bei den Elektroklassen wartet als Arbeitsstück eine Platine auf ihre Vervollständigung mit Widerständen, die sie zur Lichtorgel werden lassen. "Cool", findet Nathalie (15), Realschülerin, die sich für Elektro begeistert. Sie ist mit Freundin Magdalena (16) da. Beide arbeiten unter Anleitung von Erik vom Technischen Gymnasium. Firmenchef Daniel Duttlinger (Weckermann Eisenbach) macht die Erfahrung, dass Schüler und Eltern, die stehen bleiben, tatsächlich Interesse haben. Ihm scheint es wichtig, dass sich die Firmen nicht im Wettbewerb überbieten, sondern die Vielfalt der Information fördern. Er hält die Börse für unverzichtbar.

Mehr zum Thema: