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04. Juli 2009

In der Kriegerschule zur Harmonie mit sich selbst finden

Jürgen Schwörer aus Friedenweiler widmet sich bundesweit der "Männerarbeit" / Mit dem Redestock am Lagerfeuer bricht auch die harte Schale.

FRIEDENWEILER. "Das Feuer ist das männlichste in der Natur", sagt Jack Silver, alias Jürgen Schwörer aus Friedenweiler, der Selbsterfahrungskurse für Männer in seiner "Kriegerschule" anbietet. Nach alter indianischer Tradition sitzen sie in der Schwitzhütte, oder am offenen Feuer und lassen den Redestab kreisen. Seminare möchte er künftig auch im Hochschwarzwald anbieten.

Wann ist ein Mann ein Mann? Dies fragte schon Herbert Grönemeyer in einem Song vor 25 Jahren und dies fragen sich Männer auch heute, wie Jürgen Schwörer sagt: "Wir Männer haben immer mehr Freiheiten, unser Mannsein in den schillernsten Facetten zu leben: Vom Macho bis zum Softie, vom Yuppie bis zum Aussteiger. Diese Freiheit birgt die Chance, das zu entwickeln, was in uns Männern steckt. Doch sie bringt uns auch in Bedrängnis: Denn es gibt keine klaren Rollenmuster mehr, wie die, an die sich noch unsere Väter orientiert haben." In einer Gruppe unter Männern könne man sich dem Mannsein widmen, über Themen reden, die jeden Einzelnen beschäftigen und dabei auch kreativ arbeiten und den Körper einsetzen. In den Männergruppen gebe es eine gute Atmosphäre von Offenheit und Vertrauen. Schwörer: "Jeder darf so ein wie er ist bekommt ein ehrliches Feedback – von Mann zu Mann." Vor neun Jahren gründete der 47-Jährige seine "Kriegerschule" und leitet Treffen im Berliner und Kölner Raum, wo er zehn Jahre lang lebte. Der Name habe nichts mit Krieg zu tun, wie oft missverstanden, sondern mit persönlicher Entwicklung. Bei den Treffen sollen die Teilnehmer einem wesentlichen Aspekt ihres Selbst begegnen: Dem inneren Krieger. Dafür werden Tipis aufgestellt, ein Platz hergerichtet und eine Schwitzhütte aus Holz und Decken gebaut. Die Hütte ist eine Art Sauna mit Räuchermischungen aus Zedern, Salbei und Lavendel und dient als Reinigungsritual für Körper und Seele wie vor 4000 Jahren von Naturvölkern der Nordhalbkugel angewendet.

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In der Schwitzhütte fällt der seelische Ballast ab

"Die Schwitzhütte ist die Gebärmutter der Erde", erklärt Jürgen Schwörer. Sie soll die gestörte Energie wieder herstellen und von seelischem Ballast befreien. Überhaupt verschaffe die intensive Begegnung mit der Natur durch den unmittelbaren Kontakt zu den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde einen Zugang zur eigenen Kraft. Holz hacken, Feuer machen, Trommeln, Singen, Beten und Bogenschießen, aber auch Tanzen und sprechen mit Bäumen oder Steinen gehören zu den Aufenthalten im Freien dazu.

Indianische Spinnerei und weltfremde Geister-Riten? "Nein", wehrt Jürgen Schwörer ab, "Verbindung zur Natur bedeutet auch Verbindung zur eigenen Natürlichkeit. Es geht darum der zu sein, wie ich gedacht bin und dementsprechend meinen Platz in der Gesellschaft einzunehmen und meinen Beitrag zu leisten." An den Seminaren nehmen alle Altersklassen und Berufssparten vom Physiker über den Lehrer bis zum Schauspieler oder Arbeitslosen teil. Darunter, laut Schwörer, auffallend viele Mittvierziger, die erfolgreich im Beruf, gemerkt hätten, dass da mehr sein muss, als ihr bisheriges Leben ihnen bietet. Zusammen sitzen sie am Abend um ein Lagerfeuer und lassen den "Redestock" reihum gehen. Wer ihn in Händen hält, besitzt ungeteilte Aufmerksamkeit. Dabei lassen die Männer die harte Schale fallen, reden über das Mobbing des Chefs, ihre Beziehung, Vatergefühle oder Zukunftsängste. "Die Männer sollen sich gegenseitig bekräftigen und ihre Talente finden." So wie er selbst einst sein Talent entdeckte.

Ein Mann sprach ihn während seiner schamanischen Ausbildung an: "Du eignest dich als Männertrainer." Zuerst habe er gestutzt, dann gemeinsam mit einem Freund erste Seminare angeboten. Von der Bühne, wo er jahrelang unter dem Namen "Jack Silver" Männerkabarett auf die Bühne brachte, wechselte er zur Männerarbeit. Nur seinen Künstlernamen hat er beibehalten. Die Seminare laufen gut: Sieben Monate im Jahr ist er mit dem Wohnmobil in Sachen Männerarbeit unterwegs. Künftig will er mehr Fuß im Hochschwarzwald fassen und hier indianische Traditionen aufleben lassen. Was für andere übersinnlich klingt, ist für Jürgen Schwörer Mittel zu einer gefestigten Gesellschaft: "Wir wollen die Kraft unserer Ahnen und die Energien aus Menschen-, Tier- und Pflanzenwelt in uns aufnehmen." Nur wer in Harmonie mit sich selbst lebe, könne mit den Menschen und der Umwelt zufrieden sein.

Autor: Eva Korinth