Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. April 2014 18:05 Uhr

Attraktion

Märklin-Museum in Titisee: Digitale Anlage steuert Züge durch Modellwelt

1000 Meter Gleis, 1000 Figuren, 3000 Bäume: Die größte Märklin Eisenbahn Südbadens steht in Titisee. Dort gibt es bald eine neue Attraktion: Eine digitale Anlage, die vom Laptop aus gesteuert wird.

Volldampf voraus fährt Hans-Jörg Franz. Ziel ist der 18. Mai. Zum internationalen Museumstag will er die neue Attraktion der "Märklin World" fertighaben, eine digitale Anlage mit 100 Metern Schiene. Dafür braucht es keine Trafos, wie sie überall sonst in seinem Eisenbahnmuseum in Titisee den Zugverkehr auf mittlerweile 1 Kilometer (!) Gleisen regeln. Auf diesem Abschnitt lassen sich alle Fahrbewegungen vom Laptop aus steuern.

Bis dahin hat der 60-jährige Waldeck-Hotelier im Ruhestand zusammen mit seinem Museumsleiter Hans Kuhn und dessen Frau Sybille, der Löt-Expertin, aber noch zu tun. Eine Arbeit, die ihm aber das schönste Hobby ist. Denn er hat sich – wie die BZ schon berichtet hat – mit dem Museum einen Kindheitstraum erfüllt. Außerdem spielt die Zeit keine große Rolle – er gönnt sie sich, "wir sind die Rentnergang", sagt er lachend.

Und es treibt ihn an, dass seine eigene Begeisterung auf so fruchtbaren Boden fällt: 40.000 Besucher haben die Märklin World 2013 gesehen und erlebt. 20.000 hatte er vorsichtig kalkuliert. Es sind natürlich viele Touristen dabei, die auf ihrer Flanierrunde durch den Ort vorbeischauen. Es sind aber auch viele Liebhaber darunter, die teils Hunderte Kilometer Anfahrt auf sich nehmen, um die Zug-Raritäten zu bestaunen, die auf drei Stockwerke verteilt unter einem Dach vereint sind.

Werbung


Der Reiz liegt aber auch in den Landschaften, durch sie ihre Waggons ziehen, mal dampfschnaufend, mal dieselrasselnd, mal ICE-sausend. Städte und Dörfer sind zu sehen, Szenen aus dem Verkehr und dem Alltagsleben sind zusammengestellt, Veranstaltungen sind nachgestellt, Windräder drehen sich, Drachenflieger schweben durch die Luft, Skiläufer sind unterwegs, während Bullys die Pisten präparieren. Wer von seinen Kindern die Wimmelbücher kennt, kann es sich gut vorstellen: Man schaut und kommt aus dem Schauen nicht heraus, weil man laufend auf neue Details stößt.

Die digitale Anlage ist noch nicht ganz fertig, aber man kann schon einen Eindruck gewinnen. Die Landschaft ist gestaltet, eine Pylonenbrücke überspannt einen Fluss, neben einem Schloss warten zahllose Modellhäuser darauf, zu einer Stadt zusammengestellt zu werden. Auf den Straßen fahren Lastwagen und Busse mit Licht – die entsprechende Technik sitzt in der Fahrbahn und im Fahrzeug.

150 elektronische Rückmelder

Auf den Gleisen wechseln sich die Züge ab. Da faucht zwischen ICE und Diesel-Zephyr der Big Boy, dessen Vorbild 540 Tonnen wog und inklusive Tender 40 Meter lang war; die Kraftmaschine der Union Pacific aus den 1940er-Baujahren zog bis zu 130 Güterwaggons über die Berge von Utah und Wyoming – in der Märklin World waren es immerhin schon 20.

Welcher Zug wann fährt, steuert die digitale Anlage selbst, 150 elektronische Rückmelder in den Schienen sorgen dafür. Ein Kinderspiel, mag man meinen. Ja, schon, allerdings musste das alles konstruiert und konfiguriert werden, erfährt man von Hans-Jörg Franz – und sein Augenrollen lässt erahnen, was für eine Arbeit dahintersteckte; ein Spezialist aus dem Allgäu übernahm sie.

Erwähnenswert gewiss auch: Diese Anlage mit ihrer weiten Landschaft hat auch eine Unterwelt, nämlich Schienenstränge, auf denen die Züge warten, und zwei neunstufige Wendeln, über die sie auftauchen und wieder verschwinden.

Auch Kindheitsträume haben eine Zukunft: Hans-Jörg Franz plant die Erweiterung des Museums, das die Märklin-Mitgliedsnummer 11371 trägt. Er möchte dazu in einem Winkel an ein Haus an der Seestraße anschließen. Das tüftelt er weiter aus, wenn der Museumstag vorbei ist.
Info

Geöffnet hat das Museum Märklin World in Titisee an der Seestraße täglich von 11 bis 19 Uhr (bis 3. November). Den Schauanlagen sind zahllose Vitrinen angeschlossen, in denen Märklin-Spielzeug ausgestellt ist. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder, die Hochschwarzwaldcard gewährt freien Zugang.

1000 Meter Gleis, 1000 Figuren, 3000 Bäume

In der Märklin World Titisee sind nach den Angaben von Museumsgründer und -betreiber Hans-Jörg Franz 1000 Meter Gleis aufgebaut.

Davon entfallen rund 750 Meter Gleis auf die Spur HO (auf den Anlagen verbaut), ungefähr 50 Meter auf die Spur 1, die Spur N und die Spur Z, sowie etwa 200 Meter auf Ausstellungsgleis.
Auf den fahrenden Anlagen befinden sich 50 Loks und Züge, davon sind ungefähr 30 Loks/Züge momentan in Betrieb, im Endausbau werden bis zu 45 Loks/Züge wechselseitig in Betrieb sein. Weiter sind rund 250 Waggons, ungefähr 1000 Figuren und etwa 3000 Bäume verbaut. 100 Lokomotiven und 200 Waggons stehen in Reserve oder sind in der Wartung.

"Die Ausstellungsstücke habe ich noch gar nicht gezählt", sagt Franz lächelnd.

Über den Wert, die er in dem Gebäude gesammelt hat, spricht er nicht – die Versicherungssumme bewegt sich in einem hohen sechsstelligen Bereich.

Mehr zum Thema:

Autor: Peter Stellmach