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07. Dezember 2017

Schöne Bescherung für Bildung

38 000 Euro Unterstützung vergibt die Josef-Wund-Stiftung an vier Projekte in drei Hochschwarzwaldgemeinden.

  1. Bürgermeister Armin Hinterseh, VHS-Leiterin Karin Hausmann, Wirtschaftsförderin Alexandra Christoffel, Birklehof-Leiter Henrik Fass, Susanne Marx, Christoph Palm; hinten von links: Löffingens Bürgermeister Tobias Link, JMS-Geschäftsführer Walter Disch, JMS-Leiter Götz Ertle, Birklehof-Geschäftsführer Jens-Arne Buttkereit und Breitnaus Bürgermeister Josef Haberstroh. Foto: Peter Stellmach

  2. Arbeit mit dem Akkuschrauber beim Abenteuer Traumjob. Das Foto entstand 2015. Foto: Annemarie Zwick

TITISEE-NEUSTADT. Es hatte etwas von vorgezogener Bescherung, als sich im adventlich geschmückten Rathaussaal die Vertreter von vier Projekten im Hochschwarzwald trafen, um von Christoph Palm Geldgeschenke entgegenzunehmen. Landtagsabgeordneter und Oberbürgermeister von Fellbach war er, seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer der Josef-Wund-Stiftung. In dieser Eigenschaft verteilte er 38 000 Euro.

Empfänger sind das Abenteuer Traumjob in Titisee-Neustadt (15 000 Euro), MINT Plus an der Internatsschule Birklehof in Breitnau (10 000 Euro), das Häusle der Grundschule Bachheim/Unadingen (6000) und "Da capo" der Jugendmusikschule Hochschwarzwald (5000).

Bürgermeister Armin Hinterseh freute sich darüber, "dass das Wund-Bad in Titisee auch in die Breite wirkt". Tatsächlich ist die Stiftung nach dem Investor und Betreiber Josef Wund benannt. Palm sagte, Wund zeichne sich dadurch aus, dass er "nah bei denen ist, von denen er Gutes empfangen hat". Mit anderen Worten: Geld fließt dorthin, wo er es verdient hat. Besonders die Bildung liege Wund am Herzen, und so, wie er, aus bescheidenen Verhältnissen kommend, die Möglichkeit erhielt, Architektur zu studieren, wolle auch er fördern. Ein wichtiges Kriterium sei die Bereitschaft der Empfänger, Wissen zu vervielfachen.

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Beruf und Erlebnis
Die größte Zuwendung erhält das Abenteuer Traumjob der Wirtschaftsförderung in Trägerschaft der Volkshochschule. Seit 2011 verfolgt es das Ziel, Wissen wachsen zu lassen, indem Jungen und Mädchen in der Kombination von kindgerechter Berufsorientierung und Erlebnispädagogik Einblick in Berufe geboten wird. All das spielerisch mit Spaß, wie es Wirtschaftsförderin Alexandra Christoffel erlebte, in einer "Ferienbetreuung, wie es sie so noch nicht gab". Mit 16 Kindern gelang der Anfang. Auf 32 aufgestockt werden konnte dank der Finanzierung durch die Stiftung Kinderland. Auf 16 zurück musste man, weil die Mittel nicht mehr in dem Maß zur Verfügung standen. Dank der Gabe der Josef-Wund-Stiftung kann man 2018 wieder 32 Kinder für eine Woche aufnehmen, das Projekt ist auf drei Jahre hinaus gesichert. Angesprochen werden Zehn- bis Zwölfjährige, also Fünft- und Sechstklässler. Da heimische Unternehmen eingebunden werden, sieht Christoffel den Gesichtspunkt Wirtschaftsförderung erfüllt: Die Kinder erkennen, was für gute Unternehmen es im Hochschwarzwald gibt, und kehren nach Ausbildung und Studium auswärts "hoffentlich wieder zurück". VHS-Chefin Karin Hausmann erwähnte, dass das Projekt auch ein Anliegen der Firmen sei.
Vorbild Fußball
MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik. Henrik Fass, der Leiter des Birklehofs, erklärte die Idee für das Projekt am Beispiel Fußball: Viele Kinder kicken, vom Bolzplatz gehen sie in die Vereine, weiter zu den Stützpunkten des DFB und vielleicht in eine Laufbahn als Profi. 54 Fußballinternate gebe es – und diesen Ball greife man auf für Wirtschaft, Wissenschaft und Ingenieurskunst, um ein MINT-Talentzentrum Hochschwarzwald aufzubauen. 16 Internate bilden den MINT-Talentförderungsverein, vier Zentren gibt es. Der Birklehof hat 2017 mit einer Talentklasse begonnen. Los geht’s in der neunten Klasse, sieben Schüler sind dabei. Vorausgegangen waren Bewerbung und Auswahl in der achten Klasse. Leistung (Fass: "Nichts Negatives") und Persönlichkeit sind Kriterien. Forschendes Lernen wird betrieben und gefördert, Labore und Werkstätten sind die Orte dafür. Fass hofft, dass das Projekt Schule macht: Der Start zeigt, dass andere Schüle mitgerissen werden.

Lernen im Grünen
Den Traum vom grünen Klassenzimmer möchte die Grundschule Bachheim/Unadingen verwirklichen. Schulleiterin Susanne Marx schilderte, wie prägend Erlebnisse in der Natur sind, wie Fantasie und Kreativität freigesetzt und dann umgesetzt werden, wie Entdeckungsfreude Lust auf Weiterforschen auslöst. Sie zitierte Comenius "Raus in die Natur ist raus ins Leben". Verwirklicht werden soll es im Häusle, der ehemaligen Saatschulhütte 200 Meter entfernt vom Waldspielplatz Bachheim. Das Einverständnis der Gemeinde liegt vor, Eltern wollen helfen, aber Geld braucht es auch. Mit den 6000 Euro wäre ungefähr die Hälfte geschafft.

Da capo!
Ein strahlender Götz Ertle erläuterte "Da capo", das seine Jugendmusikschule im Zusammenwirken mit Stadtmusik, Sinfonischem Orchester, AHC, Hansjakob- und Hebelschule sowie der Stadt umsetzt (wie ausführlich berichtet). Die Kinder sollen das Musizieren spielerisch entdecken und Begeisterung und Freude finden. "Produzieren statt nur konsumieren", ist der Leitgedanke. Im besten Fall wird das Musizieren die Kinder das Leben hindurch begleiten, im allerbesten Fall werden sie das in den Vereinen tun, die ihnen die Möglichkeit eröffnen. Das Grundschulprojekt hat einen Rundlauf erste und zweite Klasse geschafft. Die ersten Ergebnisse: 57 Jungen und Mädchen von "Da capo" haben sich für ein Instrument an der JMS gemeldet. Das Projekt kostet 22000 Euro, die Stadt trägt 60 Prozent.

Autor: Peter Stellmach