Schon mal gut angekommen

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Di, 11. September 2018

Titisee-Neustadt

Hebelschule und Realschule nehmen ihre ausgelagerten Klassenzimmer in Betrieb / Zahlen und Neuerungen im neuen Schuljahr.

TITISEE-NEUSTADT. Fünf Schulklassen der Hebelschule haben am Montagmorgen ein Stück Schulgeschichte erlebt: Sie sind die Ersten gewesen, die den Anbau in Form von Containern – temporäre Raummodule genannt – beziehen durften. Ähnlich erging es den vier neunten Klassen der Realschule, die das Telekomgebäude als Außenstelle in Besitz genommen haben.

Hebelschule

Schulleiterin Andrea Höltner hieß die Schüler willkommen und erklärte ihnen, wo’s langgeht, welche Klasse welchen Raum bezieht und worauf zu achten ist. Drei neunte Klassen sind ausgelagert, außerdem zwei Sprachförderklassen, das sind Kinder und Jugendliche, die nicht oder kaum Deutsch sprechen; es sind nicht zwingend Flüchtlinge, sondern Kinder von Zugezogenen aus ganz Europa.

Ein kurzer Rundgang zeigt helle Räume. Drei davon sind je 72 Quadratmeter groß, einer hat 54, einer 36. Die Schüler machen nicht den Eindruck, dass es ihnen in der neuen Umgebung nicht behagt, und Höltner weiß, dass auch die Lehrer zufrieden sind. Die Klassenzimmer seien "fast schöner als die im Schulhaus", sagt sie mit einem augenzwinkernden Lächeln. Alles Wichtige ist fertig, die Handwerker haben Ende voriger Woche und sogar am Wochenende zu tun gehabt. Der städtische Bauhof muss nun noch Ergänzungen erledigen, etwa die Lücke zu den Punktfundamenten schließen oder den Bauzaun entfernen. Kleine Provisorien gibt’s auch noch: Zeichnungen ordnen die Toiletten den Geschlechtern zu.

Da das Module-Puzzle Platz braucht, geht Schulhoffläche verloren. Wie sich das auswirkt, kann noch niemand sagen.

37 Jungen und Mädchen werden eingeschult, die erste Klasse ist wie die zweite und dritte Klasse zweizügig, nur die Vierer sind eine einzige Klasse. Zusammengenommen sind es an der Grundschule 130 Schüler. Die neuen Fünftklässler sind zusammen 54 und ergeben zwei starke Klassen – das ist eine Entwicklung "ganz entgegen dem Trend", sagt Höltner. Die Werkrealschule zählt 315 Schüler.

Die offene Ganztagsschule (erste bis siebte Klasse) zieht bei den Kindern und den Eltern. Die Grundschule hat mit den neuen Angeboten Judo und Theater jetzt 26 Möglichkeiten der Beschäftigung auf vier Tage verteilt, die Werkrealschule schafft mit Selbstverteidigung eine Zwölfer-Auswahl für einen Nachmittag. Die Angebote kommen dank Kooperationen und aus eigener Kraft zustande.

Die Versorgung mit Pädagogen macht die Rektorin zufrieden. Denn der Abgang von elf Kollegen nach dem vergangenen Jahr, darunter acht mit befristeten Verträgen, ist komplett ausgeglichen worden. Höltners Ausblick angesichts eines weiteren Anstiegs der Schülerzahlen seit dem vergangenen Jahr: "Ich bin sehr froh und dankbar für die Container. Wenn wir sie nicht bekommen hätten, ich weiß nicht, wie wir es hingekriegt hätten."

Realschule

Nicht viel anders ergeht es ihrer Kollegin Christina Bronner von der Realschule. Mit den vier Räumen im Telekomgebäude in der Größe von 60, 57 und zweimal 50 Quadratmetern können die vier neunten Klassen untergebracht werden. Die 102 Schüler können ihre Außenstelle direkt ansteuern, um 7.15 Uhr ist das Gebäude offen, eine halbe Stunde später beginnt der Unterricht. Sie können, wenn sie früher dran sind, aber auch erst an die Realschule kommen – dort wird die Tür um 7 Uhr geöffnet – und dann gemeinsam das Stück zum Telekomgebäude gehen.

Damit nicht der Schulweg während des Schultags zu viel Zeit raubt und womöglich die Unterrichtsstunde nicht pünktlich beginnen, ist der Stundenplan so zugeschnitten, dass Gebäudewechsel während der großen Pausen nach der zweiten und der vierten Stunde erfolgen.

Bronner sagt, wie dankbar sie ist, der Stadt für die Lösung und Hausmeister Joachim Wehrle und den Handwerkern für die zeitgenaue Fertigstellung. Kleinigkeiten müssen noch erledigt werden.

561 Schüler sind es dieses Schuljahr. Mit 50 Lehrern, zwei mehr gegenüber dem vergangenen Schuljahr, und dem Kontingent an Stunden "ist die Schule gut aufgestellt", freut sich die Rektorin. Das gilt auch für die technische Ausstattung aller Zimmer. Nicht schlecht findet sie, dass unter den neuen Lehrkräften einige Junge sind, "richtig Gute". Dazu gehört eine Bufdine (junge Frau im Bundesfreiwilligendienst), die sich bei der Inklusionsklasse einbringt, mit der Schulsozialarbeiterin zusammenarbeitet, die Mittagspause betreut und beim Ausbau der Bibliothek mitwirkt.

Es können auch die Arbeitsgemeinschaften angeboten werden: Band, Theater, Chor, Cambridge-Certificate, Sani-AG, Streitschlichter und Aquarium-AG. Die "Luft", die durch den Umzug der Neuner ins Telekomgebäude im Schulhaus entstanden ist, ermöglicht es, kleinere Räume für einen differenzierenden Unterricht zu nutzen, bei dem ein zweiter Lehrer zum Einsatz kommen kann. So ist aus zwei Klassenräumen im dritten Obergeschoss durch Umbau eine Inklusionseinheit gebildet worden: Im großen Zimmer wird eine 22-köpfige siebte Klasse unterrichtet, und ins kleine Zimmer können sich die sechs Schüler mit Förderbedarf mit einer Sonderpädagogin zurück. Eine fünfte Klasse mit 26 Schülerinnen und Schülern hat vier Inklusionskinder, sie nutzen das bisherige, mittels einer Trennwand geteilte Klassenzimmer.

Realschüler können erstmals im Schuljahr 2019/20 den Hauptschulabschluss machen. Dafür wird das Grund-Niveau unterrichtet. Den Unterricht muss man sich so vorstellen, dass in ein und der selben je nach Niveau unterschieden wird. Beim G-Niveau genügt die Antwort, das mittlere Niveau muss ausführlicher sein und von denjenigen, die sich zum Gymnasium orientieren, erwartet man noch mehr. Es kann auch in Deutsch, Mathe und Englisch eine mit einer weiteren Lehrkraft doppelt besetzte Unterrichtsstunde angeboten werden.

Nach längerem Anlauf scheint der bilinguale (zweisprachige) Unterricht angekommen zu sein. 24 Schüler waren es im vergangenen Schuljahr, 30 sind es jetzt.

Der Start ins neue Schuljahr ist ein wenig zäh gewesen. Es dauerte, bis Klarheit über die Klassen bestand, etliche Abgänge waren zu verarbeiten. Der Stundenplan ist deshalb noch nicht fix. Die Realschule ist in den Klassen fünf, sechs und zehn dreizügig, ansonsten vierzügig.

Im Lauf des Schuljahrs soll überlegt werden, welche neuen Einfälle für die Schulhofgestaltung umgesetzt werden können. Und viel gute Ideen braucht es, weil die Realschule 2019 ihren 50. Geburtstag begehen kann. Einen Kulturabend soll’s dann geben, alles andere wird vorläufig noch nicht verraten. Wie es sich gehört für eine Überraschung.