"Schulz ist der richtige Mann"

rys, tab

Von Ralf Morys & Tanja Bury

Do, 26. Januar 2017

Titisee-Neustadt

Genossen zum Personalwechsel.

HOCHSCHWARZWALD (rys/tab). Das kam überraschend: Sigmar Gabriel hat sich von der SPD-Spitze zurückgezogen und seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur erklärt. Stattdessen tritt Martin Schulz bei der Bundestagswahl gegen Angela Merkel an. Was sagen SPD-Mitglieder im Hochschwarzwald zum Personalwechsel in ihrer Partei?

Sandra Uecker, Vorsitzende des SPD-Stadtverbands Titisee-Neustadt, ist froh, dass die Entscheidung so gefallen ist. "Mit Martin Schulz hat die SPD bessere Chancen", ist sich die Stadträtin sicher. Das liege nicht etwa daran, dass es Sigmar Gabriel an Kompetenz gefehlt habe, "doch er ist schon manchmal ein Polterer – und das ist nicht bei allen gut angekommen." Ob Gabriel der richtige Mann im Außenministerium ist? Da ist sich Sandra Uecker nicht ganz sicher. Doch für einen Kanzlerkandidaten Schulz Wahlkampf zu machen, darauf hat sie große Lust.

Dem schließt sich ihr Stellvertreter und Fraktionskollege Claus-Peter Wolf an. "Die SPD geht mit einem unverbrauchten, aber bekannten und angesehenen Kandidaten ins Rennen. Das ist eine große Chance." Schulz biete nicht so viel Angriffsfläche wie Gabriel "und doch zeigt er Kante." Dass Gabriel nun Außenminister wird, hält Wolf für eine logische Konsequenz und taktisch geschickt. "So hat Schulz den Rücken frei."

Norbert Brugger, SPD-Kreisrat und ehemaliger Löffinger Bürgermeister, erhofft sich von Schulz "Aufbruchstimmung in der SPD." Gabriel habe seine Sache zwar nicht schlecht gemacht, "doch hat er nicht selten heute was gesagt und war schon morgen wieder anderer Meinung." Schulz dagegen sei ein Mann der klaren Worte. "Und er verkörpert ein gemeinsames Europa – und das brauchen wir beim Blick in die Welt dringend."

Der komplette Rückzug von Sigmar Gabriel von der Spitze der SPD ist für Harry Hohlfeld, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Lenzkirch-Schluchsee, keine große Überraschung. Wer in der eigenen Partei mit weniger als 75 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt wird, habe zu wenig Rückendeckung und könne kein Kanzlerkandidat sein – "er hat zu viele Böcke geschossen", ist sich Hohlfeld sicher. Mit Martin Schulz sei der richtige Mann auf dem richtigen Posten. Er habe Europa vorangebracht und er bringe, so Hohlfelds, auch Deutschland voran. Außerdem könne Schulz auch die junge Generation begeistern.

Mit dem Wechsel hat Schluchsees Bürgermeisterstellvertreter Peter Finkbeiner zwar gerechnet, doch gewundert hat er sich, dass er so plötzlich kam und so den SPD-Zeitplan über den Haufen geschmissen hat. Martin Schulz sei der bessere Kanzlerkandidat. Mit ihm steigen die Chancen der SPD. Dass Schulz nach Berlin kommt, habe er schon länger gehört, so Finkbeiner. Von neuem Mann verspricht er sich eine klare Linie und ein Eintreten für die Werte, für die SPD seit Jahrzehnten steht.