Szenen der Geschichte

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Di, 18. Juli 2017

Titisee-Neustadt

"De Glasvogt Melchior" ist das neue Stück der Jostäler Freilichtspiele von Autor Hubert Mauz.

TITISEE-NEUSTADT. Tief in die Geschichte der Glasmacher tauchen die Zuschauer der Jostäler Freilichtspiele 2018 ein. Sie erleben das Leben und Arbeiten in einem Glasmacherdorf hautnah. "De Glasvogt Melchior" heißt das neue Stück mit 50 Erwachsenen und neun Kindern. Das Thema ist aktuell: 300 Jahre Glasmacherei in Äule wurden 2016 gefeiert.

Geschäftsführer Helmut Lüber hatte zur Vorstellung des neuen Programms künftige Schauspieler, Sänger, Kulissenbauer, Bühnentechniker sowie Autor Hubert Mauz und Regisseurin Barbara Rießle eingeladen.

Hubert Mauz ist Bauingenieur und schreibt in Mundart Gedichte, Erzählungen und Theaterstücke. Er kennt den Hochschwarzwald seit mehr als 40 Jahren, er weiß, wie er sagt, "wo jeder Schermushaufen liegt und jede Schanze steht". Er hat sich seit geraumer Zeit mit der Glasmacherei beschäftigt – sein Wohnort Wolterdingen ist ein ehemaliges Glasdorf – und ein Stück dazu geschrieben und es angeboten (Tickets) .

Mauz erläuterte anhand einer Präsentation mit vielen Fotos, wie Glas in der Natur entsteht, wie es von Menschen gemacht wird, was dazu früher verwendet wurde und landete so im Schwarzwald vor 800 Jahren. Dort gab es die Rohstoffe, um Glas herzustellen, Holz und Wasser als Energieträger und Sand. Zur Herstellung von einem Kilo Glas benötigten die Glasmacher zehn Ster Holz. Vor allem die für die Glasherstellung benötigte Pottasche verbrauchte 80 Prozent des geschlagenen Holzes. 20 Prozent brauchte es für die Anfeuerung des Glasbreis. Die Glasdörfer waren Waldfresser.

Früher war der Schwarzwald unwegsam, ohne Straßen, da war es einfacher, Holz zu Glas zu veredeln und es mittels einer Krätze, einem Tragegestell, in die Welt hinauszutragen. Rund um eine Glashütte mit Brennofen gab es viel zu tun für viele Berufe: Holzfäller, Hafenmacher, Glasmüller, Schürer, Pottaschesieder, Schmelzer, Einbläser, Glasmachermeister, Gehilfen, Einträger, Strecker, Glasträger. Ein Glasdorf, es gab auch Frauen und Kinder, war um die Glashütte angesiedelt und die Bewohner waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Im Durchschnitt 20 bis 25 Jahre blieben sie an einem Fleck, dann hatten sie alles Holz in ihrer Umgebung aufgebraucht. Die Dorfgemeinschaft zog weiter.

Mauz verspricht, dass das Theaterstück über den Glasvogt Melchior auf unterhaltsame Weise über die Glasherstellung in ihren Anfängen im Schwarzwald berichtet, "es ist kein belehrendes Stückle." Nur eine Szene wird dem Publikum kompakte Information zur Glasherstellung geben.

Kurz wurde Einblick ins neue Stück geboten und wurden Szenen knapp erläutert – all zu viel soll noch nicht verraten werden. Das Stück ist eingebettet in ein Gespräch von jungen Leuten an einem Bistrotisch über Glaskunst. Nach und nach wird in den Szenen das Dorfleben rund um die Glashütte dargestellt, wie die Gemeinschaft funktioniert und wie die Arbeit organisiert ist, die Arbeitsschritte der Glashersteller bis hin zu dem Punkt, als im Jahresgericht beschlossen wird, weiter zu ziehen, da der Platz erschöpft und der Wald abgeholzt ist. Zum Schluss erklingt das Glasmacherlied.

Aufgeführt wird an der Öhlermühle der Familie Fürderer. Möglichst viele Arbeiten werden im Vorfeld erledigt. 2016 wurde die Stromzuführung erneuert und der Platz für die Gastronomie hergerichtet. Die Bühnenbilder werden vorbereitet, denn 2018 gibt ein straffer Zeitplan maximal vier Wochen Zeit für Bühnenbild und Bühnenaufbau. Fotos werden noch dieses Jahr in "voller Montur" gemacht. Der Eintritt wird voraussichtlich 21 Euro kosten.

Barbara Rießle hat sich erste Gedanken zur Rollenverteilung gemacht, sie verrät aber nichts, denn "es darf einfach noch ein wenig Spannung sein". Das Theaterstück wird ablaufen wie ein Film, die Schauspieler sind Geschichtenerzähler in vielen kurzen Szenen. "Wir haben relativ wenig Text, aber viel zu spielen, das erarbeiten wir miteinander." Am 10. September führt Hubert Mauz eine Wanderung, um einen Eindruck davon zu bekommen, in welcher Umgebung früher ein Glasdorf stand. Das Rollenbuch wird am 13. Oktober ausgegeben. Am 25. Dezember geht es zur Dorotheenhütte in Wolfach, um das Handwerk des Glasbläsers kennen zu lernen. Rießle ruft auf Gläser zu sammeln, die historisch aussehen. Sechs Krätzen müssen mit je 100 bis 150 Flaschen und Gläsern bestückt werden.

Aufführungen 2018: 20., 21., 22. Juli, 28., 29. Juli, 4., 5. August, 11., 12.August und Ersatztermin 18. August.