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02. Mai 2015

"Eine Fehlentscheidung"

Gesundheitspolitik: CDU Todtnau lud zum Gespräch / Notfallpraxen und Thema "Überversorgung".

  1. CDU-Bundestagsabgeordneter Armin Schuster, Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz, Thomas Honeck und Gesundheitsdezernent Fritz Ramsayer im Gesundheitszentrum Todtnau (von links). Foto: Ulrike Jäger

  2. CDU-Bundestagsabgeordneter Armin Schuster, Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz, Thomas Honeck und Gesundheitsdezernent Fritz Ramsayer im Gesundheitszentrum Todtnau (von links). Foto: Ulrike Jäger

TODTNAU. Besuch aus Berlin war diese Woche ins Obere Wiesental gekommen. Auf Einladung der CDU Todtnau sprachen Bundestagsabgeordneter Armin Schuster und Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium mit Vertretern der örtlichen Politik und Ärzteschaft im Gesundheitszentrum Todtnau über Gesundheitspolitik.

Nach einem Rundgang durch die Praxisräume erklärte Widmann-Mauz, die ihre familiären Wurzeln in Pfaffenberg und Zell hat, dass sich in Bezug auf die Niederlassung von Ärzten in den letzten Jahren neue Möglichkeiten eröffnet hätten. Das Versorgungsstrukturgesetz werde, neben der Aufhebung der Residenzpflicht, weiter verstärkt, Vergütungsanreize würden geschaffen. Sie bedauerte, dass nicht alle Kassenärztlichen Vereinigungen den Strukturfonds voll ausnutzten, so wie in Baden-Württemberg, und dass selbst in Freiburg zu wenig Lehrstühle für Allgemeinmedizin existierten. Der ländliche Raum sei durchaus attraktiv.

Über die Regelung, dass bei 110 Prozent eine Überversorgung vorliege, könne im Zulassungsausschuss (paritätisch mit Ärzteschaft und Krankenkassen besetzt) entschieden werden, ob eine Praxis bleiben soll oder nicht. Zu diesem Thema entwickelte sich ein Wortgefecht mir Dr. Udo Schulte, Allgemeinmediziner in Binzen und Bezirksbeirat der KV Südbaden, der dies als "realitätsfremd" bezeichnete. Dr. Thomas Honeck erinnerte an lange Diskussionen mit der Kassenärztlichen Vereinigung, um das Gesundheitszentrum in Todtnau (GTZ) aufbauen zu können. Die Bevölkerungsdichte, die als Maßstab für die Versorgung gilt, habe die fachärztliche Versorgung in Todtnau nicht zugelassen, doch sei die Region ohne Unfallversorgung undenkbar.

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"Die Leute sollten nicht dafür bestraft werden, dass sie auf dem Land leben"

Dr. Thomas Honeck
Er habe schon vor 15 Jahren überlegt, wie die Versorgung auf dem Land sichergestellt werden könnte. "Die Leute sollten nicht dafür bestraft werden, dass sie auf dem Land leben", so Honeck. Die Fahrt in die beiden Notfallpraxen im Krankenhaus Schopfheim oder im Kreiskrankenhaus Lörrach sei zu weit, gerade für ältere Patienten. "In unserem Gesundheitszentrum ist die Unfallversorgung vergleichbar mit der in einem kleinen Krankenhaus", sagte der Mediziner. Es sei eine Fehlentscheidung gewesen, die Notfallpraxen an die nahe beieinanderliegenden Kliniken in Lörrach und Schopfheim anzugliedern. "Man fühlt sich hier abgehängt", sagte auch Todtnaus CDU-Vorsitzende Christa Bernauer. "Patienten rufen dann die Notfallnummer 112 an". Dass die Notfallpraxen bewusst in Krankenhäuser integriert wurden, erklärte Dr. Schulte. Das GZT sei zwar wie ein kleines Krankenhaus, jedoch nicht rund um die Uhr besetzt. Annette Widmann-Mauz betonte, dass der Gesetzgeber nicht vorgeschrieben habe, dass die Notfallpraxen in Krankenhäusern sein müssten. Schulte konterte, dass dies eine Kostenfrage sei. An den Krankenhäusern stünden die Räume am Wochenende leer.

Dass dadurch Patienten, die gar kein Notfall sind, am Wochenende ins Krankenhaus kommen, um hier ohne wochenlange Wartezeit auf einen Facharzt zu treffen, berichtete Dr. Martin Honeck. Bestätigt wurde, dass man auch nach Freiburg in eine Notfallpraxis gehen kann.

Fritz G. Ramsayer, Gesundheitsdezernent im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, meinte, dass die Bevölkerungsdichte als Maßstab für die ärztliche Versorgung überdacht werden müsste. Armin Rösner (KV Freiburg) erklärte, dass eine Evaluierung der neuen Notfallversorgung laufe und es auch sein könne, dass Entscheidungen revidiert würden. Bürgermeister Wießner fragte, ob die Zunahme der Kosten durch die steigende Nutzung der Rettungswagen und Notärzte in die Analyse einfließe. Rösner verneinte dies.

Martin Honeck gab Annette Widmann-Mauz die Bitte auf den Weg nach Berlin, dass beim Facharzt für Allgemeinmedizin Ausnahmeregelungen bei der Abrechnung möglich sein müssten. Die Hausarzt/Facharzt-Trennung müsse aufgeweicht werden, dann gewinne der Beruf des Landarztes wieder an Attraktivität.

Autor: Ulrike Jäger