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16. Januar 2014

Wiege der Mutter-Kind-Kuren

Fachklinik Tannenhof feierte in Todtnauberg das 50-jährige Bestehen / Immer mehr Väter nutzen das Kurangebot.

  1. Klemens Wehr (Vorstand Trägerverein), Dr. Margarita Salgado (ärztliche Leiterin) und Verwaltungsleiter Christoph Albers (von links) begrüßten die Gäste zur Jubiläumsfeier der Fachklinik Tannenhof im Kurhaus. Foto: Ulrike Jäger

TODTNAUBERG. 50 Jahre Fachklinik Tannenhof – dieses Ereignis wurde vergangene Woche im Todtnauberger Kurhaus gebührend gefeiert. Dabei wurden langjährige Mitarbeiter der Eltern-Kind-Klinik, wie sie mittlerweile heißt, geehrt. Für die geladenen Gäste gab es ein Buffet und ein besonderes Musikprogramm.

Klemens Wehr, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins "Arbeitskreis Familienhilfe", Margarita Salgado, ärztliche Leiterin der Fachklinik und Verwaltungsleiter Christoph Albers, begrüßten am Freitag die Gäste und nahmen später die Ehrung langjähriger Mitarbeiter vor.

CDU-Bundestagsabgeordneter Armin Schuster berichtete in seinem Grußwort, dass auch seine Mutter 1965 einmal von einer solchen Kur im Allgäu profitiert habe und betonte, wie sehr er diese Maßnahmen schätzt, die heute vor allem auch der Vorbeugung von Krankheiten dient. Es müsse ein Umdenken stattfinden, denn die Klinikaufenthalte seien keine von den Krankenkassen finanzierte Ferien, wie manche Menschen annähmen. Doch er betonte auch: "Die Mittel der Gesundheitskasse sind endlich".

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Schuster beglückwünschte die Klinik Tannenhof, sie sei wegweisend gewesen und habe den Mutter-Kind-Kuren bundesweit zum Durchbruch verholfen.

Klemens Wehr blickte zurück auf die Anfänge der Klinik, die 1964 neben erholungsuchenden Müttern auch Hinterbliebene der Grubenkatastrophe von Völklingen aufgenommen habe. Er begrüßte seine Tante Maria Kogge besonders, die damals mit ihrem Mann Georg das Haus mit aufgebaut hat und Ansprechpartner für alle und alles war.

Die Fachärztin für Allgemeinmedizin Dr. Margarita Salgado berichtete, dass sich sowohl die medizinische Versorgung in den letzten 50 Jahren wesentlich verändert habe, als auch die medizinischen Indikationen. Wurden früher Mütter wegen Erschöpfungszuständen und Kinder wegen Bronchitis in der Tannenhof-Klinik aufgenommen, seien heute Vorsorge und Rehabilitation in den Bereichen Asthma und Neurodermitis, Adipositas, ADHS, posttraumatisches Belastungssyndrom oder Trauerarbeit Gründe für einen Aufenthalt in der Klinik.

Ein multidisziplinäres Team und tägliche ärztliche Betreuung sorgen für die Patienten. Sie bieten auch Unterstützung, um gestörte Familienbeziehungen zu reparieren und neuen Lebensmut zu geben. Immer mehr Väter nehmen das Angebot solcher Kuren wahr, die Akzeptanz sei hier gegenüber früher gestiegen. Auch aus diesem Grund wurde der Name von Mutter-Kind-Fachklinik Ende der 90er-Jahre in Eltern-Kind-Fachklinik umgewandelt. Seit 2012 ist die Klinik zertifiziert.

Verwaltungsleiter Christoph Albers berichtete, dass seit 1964 insgesamt 30 000 Familien Maßnahmen in der Klinik wahrgenommen hätten. Die letzten beiden Jahre seien mit 51000 Übernachtungen die besten gewesen. Die Mutter-Vater-Kind-Kuren erfreuten sich sehr großer Nachfrage ebenso wie die Weihnachts-Kuren. Psychosoziale Faktoren spielten heute eine viel größere Rolle, als in den Anfängen. Bis in die 1990-er Jahre dauerte eine Kur vier Wochen, seitdem nur noch drei Wochen. Bürgermeister Andreas Wießner sagte, dass der Tannenhof, einer der großen Arbeitgeber Todtnaus, als Wiege der Mutter-Kind-Kuren zu sehen sei und gratulierte dem Trägerverein Familienhilfe und dem Team der Klinik. Dr. Hildegard Pazen-Boschert, die 25 Jahre stellvertretende ärztliche Leiterin der Klinik war, und zwei weitere Wegbegleiterinnen berichteten dann von den vergangenen Zeiten, bevor Mitarbeiter geehrt wurden.

Ehrungen: Für 45 Jahre Mitarbeit im Tannenhof wurde Hannelore Molnar geehrt, Sabine Fröhlich für 28 Jahre, Hildegard Pazen-Boschert für 27 Jahre, Olaf Gutschow für 26 Jahre, Dr. Hans-Ulrich Garwers und Carina Mallon für 25 Jahre, Antje Lämke und Christine Wieczorkowski für 15 Jahre, Silke Ziegler und Ulrike Reitzner für 12 Jahre.

Weitere Informationen: http://www.ak-familienhilfe.de

Autor: Ulrike Jäger